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Pläne für „Technikum“ und zentralen Hort

Der Bernsdorfer Bürgermeister Harry Habel (CDU) blickt im TAGEBLATT-Interview zum Jahreswechsel vor allem voraus.

Mit dem Pumptrack samt Freizeitanlage „Bike & Chill“ hat die Stadt Bernsdorf etwas Besonderes geschaffen.
Mit dem Pumptrack samt Freizeitanlage „Bike & Chill“ hat die Stadt Bernsdorf etwas Besonderes geschaffen. © Foto: Gernot Menzel

Herr Habel, Corona war das beherrschende Thema in diesem Jahr und wird es auch noch bleiben. Kennen Sie Zahlen, wieviele Menschen in Bernsdorf bisher positiv getestet wurden. Gab es gar Todesfälle?

Wir beobachten die Entwicklung sehr genau und bekommen vom Landratsamt Zahlen geliefert. Aktuell (das Interview wurde am 15. Dezember geführt – Anm. d. Red.) haben wir 58 Corona-Fälle. Vor drei Wochen waren es um die 40 Fälle. Es ist eine Steigerung zu verzeichnen. Seit Mai, das ist sehr bedauerlich, wurden drei Todesfälle im Zusammenhang mit Corona registriert.

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Corona hat zwar das Leben maßgeblich bestimmt und ausgebremst, aber nicht völlig zum Erliegen gebracht. Was ist 2020 in Bernsdorf alles passiert?

Es ist relativ viel passiert. Unsere Dauerbaustelle Kamenzer Straße wurde endlich fertiggestellt. Das hat mich gefreut, vor allem natürlich für die Anwohner. Der Spielplatz in Straßgräbchen ist richtig schön geworden. Die Friedhofsgestaltung in Straßgräbchen wurde in Teilen erledigt. Gefreut hat mich auch die Fertigstellung des kleinen Spielplatzes im Fritz-Kube-Ring. Da haben ja die Anwohner mitgeholfen. Wichtig war der Beginn der Erschließung unseres künftigen Eigenheimstandortes an der Friedrich-Engels-Straße. Mit den Gehwegen im „Schmelzteich“-Wohngebiet wurden die Restarbeiten an den Nebenanlagen erledigt. Nicht zu vergessen die Freizeitanlage „Bike & Chill“. Zu deren Errichtung hat ja eine Initiative von Jugendlichen und Eltern den Anstoß gegeben. Genannt werden müssen an dieser Stelle auch das neue Kat-Schutz-Fahrzeug für Straßgräbchen und der Caddy als Dienstfahrzeug für die Stadtverwaltung. Da haben sich viele Firmen, nicht nur aus Bernsdorf, zusammengetan, um die Anschaffung zu ermöglichen.

Sind damit alle Vorhaben abgearbeitet worden? Was ist liegengeblieben?

Beim Straßenbau gibt es nach wie vor einiges zu tun. Wir wollten den Sandweg realisieren. Es gab aber keine Fördermittel. Und wir haben schon signalisiert bekommen, dass es wohl auch 2021 keine geben wird. Die gleiche Situation haben wir beim Gehweg an der Schulstraße in Straßgräbchen. Aber der Haushalt des Freistaates ist noch nicht beschlossen. Daher hoffen wir, dass sich vielleicht doch noch was bewegt. Liegengeblieben ist auch die Planung für die Sanierung des Schlossteiches in Wiednitz. Da haben wir nach Fördermitteln gesucht und nun hoffentlich eine Lösung gefunden, sodass wir davon ausgehen, dass es mit der Sanierung im Zeitraum 2021/2022 klappt.

Welche Maßnahmen möchte die Stadt Bernsdorf gern mit Strukturwandel-Geldern in Angriff nehmen?

Wir wollen uns um Gelder für die Gestaltungs- und Sanierungsmaßnahmen im Museumskomplex in Zeißholz bemühen. Die erwähnte Sanierung des Schlossteich in Wiednitz soll nach Möglichkeit aus diesem Topf finanziert werden. Ich sehe, dass die Leute in Heide und Wiednitz stolz auf ihre Geschichte sind. Braunkohleabbau und Brikettfabrik haben ja Heide viele Jahrzehnt lang geprägt, ebenso wie Zeißholz.

Der Strukturwandel wird sich über einen längeren Zeitraum erstrecken. Welche Projekte kämen noch infrage?

2022 wollen wir gern den Neubau der Radwegbrücke über die Bahngleise an der Alten Coseler Straße in Angriff nehmen. Außerdem schwebt uns vor, im Bereich der Grundschule, der Sporthalle und der Kita „Pfiffikus“ einen Neubau zu errichten, in dem wir soziale und wirtschaftliche Angebote konzentrieren. Da könnte auch das Mehrgenerationenhaus mit einziehen. Dieses Projekt mit dem Arbeitstitel „Technikum“ werden wir 2021 untersuchen.

Ein „Technikum“ mit Platz für das Mehrgenerationenhaus. Bedeutet das, dass die Tage des Mehrgenerationenhauses am Schmelzteich gezählt sind?

Das Gebäude am Schmelzteich befindet sich im Privateigentum. Wir haben dort einen Mietvertrag bis 2024. Wenn die Eigentümerin mal sagt, sie vermietet nicht mehr, dann haben wir ein Problem. Deshalb müssen wir uns Gedanken machen.

All das spielt im Zusammenhang mit dem Strukturwandel eine Rolle?

So stellen wir uns das vor, wobei wir wissen, dass in diesem Prozess noch viel in Bewegung ist. Darüber hinaus haben wir zwei Vorhaben, die wir 2021 über Bundesprogramme auf den Weg bringen wollen, weil wir uns nicht sicher sind, ob da das Strukturstärkungsgesetz greift.

Worum geht es?

Wir hatten vor, gemeinsam mit Brandenburg eine neue Kita am „Jägerhof“ in Wiednitz zu errichten. Das hat nicht geklappt. Die länderübergreifende Konstellation macht alles zu kompliziert. Deshalb wollen wir jetzt die Kita in Heide über ein Bundesprogramm, das es seit Oktober gibt, sanieren. 2021 soll es losgehen. Wir rechen mit einem Kostenaufwand von 675.000 Euro.

Und was ist das zweite Vorhaben?

Wir wollen an der Grundschule neben dem „Technikum“ einen weiteren Neubau für einen zentralen Hort errichten. Hier stehen wir mit unseren Überlegungen noch am Anfang. Zentraler Hort bedeutet, dass wir in den Kitas Kapazitäten schaffen. Er bedeutet auch, dass für die Kinder der Weg von der Schule zur Kita wegfällt. Zudem war das ein Wunsch von Kitas und Eltern.

Der Verkehrsverbund Oberelbe äußerte sich zuletzt zurückhaltend zum Thema Seenlandbahn. Sie selbst wünschen sich schon für das neue Jahr eine regelmäßige S-Bahn-Verbindung über Bernsdorf ...

Wünschen kann man sich immer etwas. Gerade in der Weihnachtszeit. Aber nicht alle Wünsche gehen in Erfüllung. 2021 bekommen wir definitiv keine S-Bahn-Verbindung hin. Das ist unrealistisch.

Bis wann soll es dann klappen?

Wenn es nach mir geht, soll die S-Bahn ab 2022 oder 2023 fahren. Es wäre schön, wenn 2021 in den Sommerferien an den Wochenenden wieder die Bahn-Verbindung zwischen Dresden und dem Lausitzer Seeland/Hoyerswerda angeboten wird. Hinsichtlich einer S-Bahn-Verbindung gibt es beim Verkehrsverbund eine Schätzung der jährlichen Betriebskosten. Die belaufen sich auf 4,5 Millionen Euro. Jetzt wissen wir immerhin, worüber wir reden.

Die Stadt will sich auch dem Waldbad widmen. Worum geht es da?

Aktuell lassen wir eine Studie erarbeiten. Wir müssen uns den kompletten Baubereich und die Medienerschließung anschauen. Wir konnten dafür bisher keine Unterlagen finden, das macht alles umso aufwendiger. Wir werden versuchen, das Ganze von der Gaststätte aus zu betrachten. Da wird es auch darum gehen, ob die Gaststätte bleiben kann oder neu errichtet werden muss. Apropos Studie, wir haben gerade auch eine Analyse zu einem möglichen Standort für den Neubau eines Feuerwehrgerätehauses in Bernsdorf beauftragt.

Was sagen Sie zum Ausgang der Oberbürgermeister-Wahl in Hoyerswerda?

Die Wähler haben entschieden. Ich hatte im Vorfeld mit den meisten Kandidaten Kontakt. Ich habe mich gefreut, dass überhaupt so viele kandidiert haben. Mein erster Eindruck von Torsten Ruban-Zeh ist absolut positiv. Wir waren kurz nach seiner Wahl zusammen in Dresden im Landtag gewesen. Wir treffen uns im Januar wieder.

Mit welchen Themen befassen sie sich?

Das ist zum einen das Thema S-Bahn-Verbindung, weil Hoyerswerda davon auch profitieren wird. Zum anderen wird es beim Januar-Treffen um die weitere Zusammenarbeit zwischen unseren Städten gehen. Auf dem IT-Sektor gibt es ja bereits seit einiger Zeit eine Zusammenarbeit.

Mit der Freizeitanlage „Bike & Chill“ ist der Stadt ein großer Wurf gelungen. Wird sie genutzt, wie Sie sich das vorgestellt haben? Wer hält sie in Schuss?

Dass die Anlage so gut angenommen und genutzt wird, wie das jetzt geschieht, das hat mich persönlich überrascht. Es kommen so viele auch von außerhalb hierher. Ich wurde sogar schon in Dresden darauf angesprochen. Das ist echt cool.

Und wer kümmert sich darum?

Genauso wie das bei den Spielplätzen passiert, ist das die Stadt.

Was soll sich im neuen Jahr in Bernsdorf und den Ortsteilen tun, welche Maßnahmen sind ins Auge gefasst?

Da gibt es neben den bereits erwähnten Vorhaben im Zusammenhang mit dem Strukturwandel noch einige Dinge. So wollen wir die Erschließung des Wohngebietes Friedrich-Engels-Straße vollenden. Im Gewerbegebiet Straßgräbchen wird es voraussichtlich im 1. Halbjahr mehrere Grundstücksverkäufe geben. Mit dem Bau eines Abwasserüberleiters von Straßgräbchen zur Kläranlage nach Deutschbaselitz beginnt ein großes Projekt, an dem die Stadt Bernsdorf über den Abwasserzweckverband Obere Schwarze Elster beteiligt ist. Und dann verfolgen wir auch gespannt das Projekt unserer Wohnungsbaugesellschaft im Fritz-Kube-Ring, wo bis 2022 in zwei vorhandenen Gebäuden barrierearme Ein- und Zwei-Raum-Wohnungen sowie ein Betreuungszentrum entstehen sollen.

Und welche weiteren Investitionen plant die Stadt selbst?

Im März/April erwarten wir das neue Einsatzfahrzeug für die Ortsfeuerwehr Großgrabe und im Jahresverlauf ein weiteres Fahrzeug für die Ortsfeuerwehr Bernsdorf. In Großgrabe werden die neuen Fenster im Dorfgemeinschaftshaus eingebaut. In Straßgräbchen geht es mit den Planungen für das neue Industriegebiet weiter. Gerade vergeben wurde der Auftrag für die Sanierung der Toiletten der Ortswehr Straßgräbchen. Zudem soll die Sporthalle mit einer behindertengerechten Toilette ausgestattet werden. In Wiednitz wollen wir den Sportplatz-Zaun erneuern und die Dachsanierung am Feuerwehrgerätehaus realisieren.

Interview: Ralf Grunert

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