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Projekt „Sorbischer Lehrpfad“ im Fokus

Der Sorbenbeirat der Stadt Hoyerswerda blickt auf ein intensives und ereignisreiches Jahr zurück.

Von Andreas Kirschke
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Die sorbische Sprache in Hoyerswerda lebt. Das zeigte der erste Krabat-Markt 2021 in der Altstadt. Zum Krabat-Markt gehörten drei Marktfrauen. Das waren Gabriela Linack aus Zeißig, Ingrid Holder aus Klein-Neida, und Waltraud Hartmann aus Bröthen (v. li
Die sorbische Sprache in Hoyerswerda lebt. Das zeigte der erste Krabat-Markt 2021 in der Altstadt. Zum Krabat-Markt gehörten drei Marktfrauen. Das waren Gabriela Linack aus Zeißig, Ingrid Holder aus Klein-Neida, und Waltraud Hartmann aus Bröthen (v. li © Foto: Andreas Kirschke

Hoyerswerda. Zuhörer und vor allem Lösungssucher will er sein, der elfköpfige Beirat für sorbische Angelegenheiten der Stadt Hoyerswerda. Er engagierte sich 2021 vielfältig. Er fragte offen und kritisch nach. Über Erreichtes, über aktuelle Probleme und über Ziele 2022 sprach TAGEBLATT mit Evelin Graf. Sie ist seit vielen Jahren Mitglied im Beirat und seit 2019 Vorsitzende.

Frau Graf, Corona-bedingt gab es dieses Jahr viele Einschränkungen. War es ein verlorenes Jahr für den Sorbenbeirat?

Nein. Wir haben nie ein verlorenes Jahr. Jeder im Beirat bringt sich aktiv ein. Wir haben sehr engagierte, tatkräftige Mitglieder. Da ist eine gute Gemeinschaft zusammengewachsen.

Ein wichtiger Schwerpunkt war die neue Oberschule Hoyerswerda ...

Dort sprachen wir mit Schulleiterin Romy Stötzner und mit Kulturbürgermeister Mirko Pink. Es ging um die Zukunft des Sorbisch-Unterrichts. Das ist keine leichte Aufgabe. Fakt ist: Bis dato gibt es noch keine Bereitschaft seitens Schülern und Eltern für den Sorbisch-Unterricht; es gibt keine Sorbisch-Lehrer an der Schule; es gibt ebenfalls kein Ganztagsangebot Sorbisch. Die Situation ist sehr schwierig. Fazit: Ein grundsätzliches Interesse der Oberschule ist da, es gibt jedoch Mangel an Sorbisch-Lehrern.

Wie kann der Sorbenbeirat aktiv werden?

Wir haben zum Problem die Referentin für sorbische Angelegenheiten beim Sächsischen Landesamt für Schule und Bildung eingeladen. Sachkompetent und aufschlussreich erläuterte sie uns: Sorbisch kann in den Fächern Sachkunde, Ethik, Musik, Kunst, Religion, Gemeinschaftskunde und Geschichte zumindest einfließen. Das wäre ein erster Schritt in die richtige Richtung. In Klasse 3 geht es zum Beispiel in Ethik um Feiertage bei den katholischen Sorben. In Klasse 4 geht es zum Beispiel in Sachkunde um die sorbische Lebensweise, um Brauchtum und Kulturpflege. Ebenfalls in Klasse 4 geht es in Musik um sorbische Lieder. Das sind erste kleine, bescheidene Anfänge. Doch es sind erste Anstöße. Wir werben und sensibilisieren dafür. Die Umsetzung ist ja häufig vom Engagement des einzelnen Lehrers abhängig.

Wie pflegen die Mitglieder im Sorbenbeirates selbst die Sprache?

Unsere Sitzungen beginnen stets mit einem kleinen Sorbisch-Exkurs. Dafür sorgt Brigitte Schramm konsequent. Sie verweist auf bereits bekannte Lexik. Sie geht auf neue Wortbildungen ein. Sie zieht Vergleiche zur polnischen und zur tschechischen Sprache. Das ist jedes Mal spannend und bereichernd. Zwei Mitglieder des Beirates nehmen zurzeit am Sorbisch-Kurs der Volkshochschule in Hoyerswerda teil. Weitere Bereitschaften sind zu erwarten. Wir lernen Sorbisch vor allem beim und vom Domowina-Regionalverband Handrij Zejler Hoyerswerda.

In der November-Sitzung ging es um den Zusammenhang zwischen der Wirtschaftsförderung und der sorbischen Sprache ...

Zu Gast war bei uns Christian Hoffmann. Er leitet die Stabsstelle für Wirtschaftsförderung / Presse / Öffentlichkeitsarbeit bei der Stadt. Dabei ging es nicht nur um das Kohle-Ausstiegs-Gesetz, sondern auch um die Schaffung zukunftsweisender Arbeitsplätze. Das betrifft zugleich sorbische Arbeitnehmer. Immer wieder geht es darum auch in den Gesprächen zwischen der Stadt und der Domowina. Beide Seiten wollen die Sprache in der Stadt aufwerten und sichtbarer im Alltag machen. Im Juli 2021 wurde eine Gedenktafel in Erinnerung an die Gründung der Regionalvereine in Hoyerswerda am Rathaus am Marktplatz eingeweiht. Dabei brachte sich vor allem unser Beiratsmitglied Gabriela Linack ein. Sie ist seit 2010 ehrenamtliche Sorbenbeauftragte der Stadt Hoyerswerda.

Wichtiges Ziel des Beirates ist die Unterstützung der Ortsteile. Wie gelingt das?

Wir sind jetzt seit 2019 in fast allen Ortsteilen gewesen. Dabei reden wir mit den Ortsvorstehern, ebenso mit den Jugendklubs, mit den Tanz-, Traditions- und Trachtenvereinen, mit den Feuerwehren, Kindergärten und weiteren Einrichtungen. Jeder einzelne Ortsteil ist uns für die Sprach- und Kulturpflege wichtig.

Wie wird der Sorbenbeirat in Bröthen/Michalken aktiv?

Erfreulich ist: In Bröthen wird das Heimatmuseum neu gestaltet. Unser Regionalverband der Domowina Hoyerswerda und unser Beiratsmitglied Gabriela Korch (sie arbeitet beim Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen) unterstützten dort bei der Überarbeitung des inhaltlichen Konzepts. Bereits 2020 unterstützte der Sorbenbeirat den Bröthener Jugendklub mit 200 Euro. In diesem Jahr erhielt die Kindertanzgruppe der Sorbischen Tanz- und Trachtengruppe Bröthen 200 Euro. Diese Zuwendungen stärken stets die inhaltliche Arbeit.

Wofür setzt sich der Sorbenbeirat konkret in Dörgenhausen ein?

Dort gab es ebenfalls eine Arbeitssitzung mit dem Ortsvorsteher. Mit dabei war unter anderem die Leiterin der Witaj-Kindertagesstätte Pumpot, die sich in Trägerschaft des Sorbischen Schulvereins befindet. Wir haben Ideen und Möglichkeiten der Sprachförderung ausgelotet. Der Jugendklub Dörgenhausen erhielt für seine inhaltliche Arbeit 200 Euro. Damit wollen wir das Engagement zur Pflege sorbischer Traditionen im Jahreskreis würdigen.

Wie bringt sich der Sorbenbeirat in Knappenrode ein?

Hier gab es noch keinen Arbeitsbesuch. Den holen wir jedoch nach.

Welche Akzente setzt der Sorbenbeirat in Schwarzkollm?

Vor Ort besteht bereits eine sehr engagierte Basisarbeit durch den Verein Krabat-Mühle, durch die Brauchtumsgruppe Krabat, durch den Krabat-Kindergarten und durch weitere Einrichtungen. Eng arbeiten wir vor allem mit Tobias Zschieschick (Geschäftsführer der Krabat-Mühle gGmbH) und mit Bürgermeister Mirko Pink zusammen. Die Brauchtumsgruppe Krabat erhielt 200 Euro zur Unterstützung ihrer Arbeit.

Wie kommt der Sorbenbeirat in Zeißig zum Zuge?

Dort unterstützen wir vor allem den Kulturverein Zeißighof und den Sorbischen Kinderverein. Letzterer erhielt jetzt 200 Euro zur Unterstützung seiner inhaltlichen Arbeit. Wie in den anderen vier Ortsteilen setzen wir auch in Zeißig auf die Zusammenarbeit mit dem Ortsvorsteher, mit der Feuerwehr, mit dem Jugendklub und mit dem Kindergarten. Wir sehen uns als Zuhörer, als Vermittler und Vernetzer und vor allem als Lösungssucher.

Was nimmt sich der Sorbenbeirat für 2022 vor?

Unsere erste Arbeitssitzung wird in Kühnicht stattfinden. Christine Reppe stellt die Ortschronik vor. Werner Srocka geht auf die Aktivitäten der Domowina und der Einwohner ein. Dranbleiben wollen wir am Projekt „Sorbischer Lehrpfad in Hoyerswerda“. Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh regte es im Sommer anlässlich der Einweihung der Domowina-Gedenktafel am Rathaus mit an. Wichtig für uns ist jetzt, Orte für den Lehrpfad vorzuschlagen, die in der sorbischen Geschichte der Stadt ihre Grundlage haben. Ein Arbeitsbesuch wird uns zudem nach Bröthen führen. Dort wollen wir uns über die Neugestaltung des Dorfmuseums bei einer Führung informieren lassen. Unterstützen wollen wir 2022 die Organisation des zweiten Krabat-Marktes in Hoyerswerda. Wir wollen uns vor allem bei der Organisation des Kulturprogramms und des geschichtlichen Teils mit einbringen. Eine weitere Arbeitssitzung gilt dem Verein Sorbischer Kulturtourismus. Wir wollen dessen Inhalte, Ziele und Projekte näher kennenlernen, ebenso dessen Publikationen und Kartenmaterialien. 2022 soll der Film der Hoyerswerdaerin Angela Schuster zum sorbischen Christkind Dźěćatko erscheinen. Wir als Sorbenbeirat wollen bei der Erstausstrahlung als Besucher mit dabei sein. Als Besucher wollen wir ebenfalls an einigen Veranstaltungen zum Zejler-Kocor-Jahr teilnehmen.

Beirat für sorbische Angelegenheiten der Stadt Hoyerswerda: Evelin Graf (Vorsitzende/Hoyerswerda); Brigitte Schramm (Stellvertretende Vorsitzende/Hoyerswerda); Birgit Hantschick (Zeißig); Gabriela Linack (Zeißig); Gabriela Korch (Dörgenhausen); Dirk Nasdala (Dörgenhausen); Dr. Christoph Wowtscherk (Dörgenhausen); Jan Kregelin (Hoyerswerda); Karl-Heinz Schütze (Hoyerswerda); Marcel Fröschl (Hoyerswerda); Hans-Jürgen Wald (Hoyerswerda)