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Quarantäne-Kapazitäten in Kamenz reichen nicht

Das Landratsamt verteidigt die Verlegung von Asylbewerbern mit einer Sars-CoV-2-Infektion nach Hoyerswerda.

Das vierte Obergeschoss der Asylbewerberunterkunft an der Thomas-Müntzer-Straße in Hoyerswerda dient als Quarantäne-Bereich.
Das vierte Obergeschoss der Asylbewerberunterkunft an der Thomas-Müntzer-Straße in Hoyerswerda dient als Quarantäne-Bereich. © Archivfoto: Uwe Schulz

Hoyerswerda. In dieser Woche wurden 20 mit dem Sars-CoV-2-Virus infizierte Asylbewerber aus der Gemeinschaftsunterkunft in Kamenz nach Hoyerswerda befördert und hier unter Quarantäne gestellt (TAGEBLATT berichtete). Das geschieht im vierten Obergeschoss des Asylbewerberheims an der Thomas-Müntzer-Straße, wie die Arbeiterwohlfahrt Lausitz als Betreiberin der Unterkunft auf Nachfrage wissen ließ.

Es wird damit gerechnet, dass sich diese 20 Personen bis Anfang nächster Woche hier aufhalten werden. Die Awo betrachtet das als eine Art Amtshilfe, da in Hoyerswerda die für die Quarantäne benötigten Räumlichkeiten, die es in Kamenz aktuell nicht gibt, zur Verfügung stehen. Die Polizei sei vor Ort, um sicherzustellen, dass die Quarantäne eingehalten wird. Auf diese Weise und durch die räumliche Trennung der Etagen sei sichergestellt, dass es zu keinem Kontakt zu anderen Bewohnern des Hauses kommt. Dieses ist ja aktuell Corona-frei.

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Die Bundestagsabgeordnete Caren Lay (Die Linke) ist fassungslos. „Das Landratsamt Bautzen lässt mich schockiert zurück: Statt nun endlich auf den sich ausweitenden Corona-Ausbruch im Kamenzer Flüchtlingsheim zu reagieren und die Geflüchteten dezentral unterzubringen, verschlimmert man die Lage noch, indem man Infizierte in ein anderes Heim nach Hoyerswerda verlegt“, schreibt sie in einer Pressemitteilung und wiederholt ihre schon mehrfach aufgemachte Forderung nach einer dezentralen Unterbringung von Asylbewerbern. „Allein die Zahl der leerstehenden Wohnungen in Hoyerswerda würde ausreichen, um einen Großteil der Asylsuchenden unterzubringen. Quarantäne-Bestimmungen wären so viel leichter umzusetzen und einzuhalten, noch dazu unter menschenwürdigen Bedingungen. Ein Infektionsgeschehen wie in einer Massenunterkunft wäre damit ganz leicht vermeidbar“, ist Caren Lay überzeugt.

Das Landratsamt Bautzen hat für die Verlegung der 20 Corona-Infizierten aus Kamenz nach Hoyerswerda allerdings triftige Gründe, wie TAGEBLATT auf Nachfrage erfuhr. „In der Regel war durch die Quarantäne-Bereiche in den Heimen nur ein Umzug innerhalb des Hauses verbunden. Das war im Fall Kamenz jetzt nicht möglich, da der vorgehaltene Quarantäne-Bereich zu klein war und innerhalb der Einrichtung die Trennung von Positiven und Kontaktpersonen nicht realisiert werden konnte“, erläutert Cynthia Thor von der Pressestelle des Landratsamtes. „Die Unterbringung der positiven Fälle in Hoyerswerda wurde entschieden, da der Quarantäne-Bereich in Hoyerswerda leer und ausreichend groß ist, das Heim Erfahrungen mit Quarantäne-Fällen hat und Unterstützungsangebote vor Ort bestehen.“

Dass es auch außerhalb von „Massenunterkünften“, wie Caren Lay sie bezeichnet, zu einem hohen Infektionsgeschehen kommen kann, zeigt das Beispiel der Stadt Bernsdorf. Dort sind aktuell 41 Asylbewerber in Wohnungen untergebracht. Seitdem es diese dezentrale Unterbringung gibt, wurden 14 Personen positiv auf Sars-CoV-2 getestet und 25 Personen unter Quarantäne gestellt. Das Gegenteil wiederum ist bis dato in Hoyerswerda zu erleben, wo momentan 38 Asylbewerber in Wohnungen untergebracht sind. Hier gab es erst einen einzigen Corona-Infektions-Fall.

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