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Quarantäne: Was ist erlaubt, was verboten?

Fast 4.000 Menschen befinden sich im Kreis Bautzen derzeit in häuslicher Isolation. Doch was bedeutet das?

© Symbolfoto: SZ Archiv

Am Montag galten im Landkreis Bautzen insgesamt 2.031 Personen nachweislich mit SARS-CoV-2 infiziert. Es wurde insgesamt 59 Coronavirus-Neuinfektionen festgestellt. Ein weiterer Patient ist im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung verstorben. Weitere 33 Patienten sind genesen. 63 Covid-Erkrankte werden stationär behandelt.

Insgesamt 4.405 Personen befinden sich in Quarantäne, da mehr Quarantänen aufgehoben wurden als neue Quarantänen ausgesprochen werden mussten. Aber was muss man beachten, wenn man sich auf Anordnung des Gesundheitsamtes in die häusliche Isolation begeben muss. Was ist dann noch alles erlaubt? Darf ich einkaufen, zum Arzt oder mit dem Hund rausgehen? Die SZ beantwortet die wichtigsten Fragen:

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Wer muss in häusliche Quarantäne?

Jeder, der ein hohes Risiko hat, sich mit Corona angesteckt zu haben, muss sich in Quarantäne begeben. Dies ist der Fall, wenn man innerhalb der letzten 14 Tage engen Kontakt zu einer Person mit einer bestätigten Infektion durch Sars-CoV-2 hatte. Ein enger Kontakt bedeutet, dass man mindestens 15 Minuten mit dem Erkrankten gesprochen hat. Wer Kontakt zu einer Person in der Familie, im Freundes- oder Bekanntenkreis hatte, die wiederum Kontakt zu einem im Labor bestätigten Covid-19-Patienten hatte, aber völlig gesund ist, muss nicht in Quarantäne.

Auch Reiserückkehrer aus dem Ausland müssen zehn Tage zu Hause bleiben, wenn sie aus einem Risikogebiet kommen. Die aktuellen ausländischen Risikogebiete sind auf der Website des Robert-Koch-Instituts und des Freistaates Sachsen einzusehen.

Darf ich während der Quarantäne noch einkaufen gehen?

Wer vom Gesundheitsamt in Quarantäne versetzt worden ist, darf die „eigene Häuslichkeit“ nicht verlassen. Es gilt dabei aber nur die Person, die in Quarantäne gesetzt wird, als ansteckungsverdächtig. Ein Quarantänebescheid gilt daher für eine Person, nicht für einen Hausstand. Eltern, Geschwister usw. werden demzufolge nicht automatisch mit in Quarantäne versetzt. Ist eine Person im Haushalt ernsthaft am Coronavirus erkrankt, sollten die restlichen Haushaltsangehörigen bestenfalls nicht im selben Raum schlafen oder essen und idealerweise auch ein anderes Badezimmer nutzen. Sollte das nicht möglich sein, ist umso mehr auf die Einhaltung der Hygieneregeln zu achten.

Zur Arbeit gehen, Einkäufe erledigen oder Besuch empfangen sind während der Quarantäne-Zeit tabu. Auch ein kurzer Spaziergang ist verboten, ebenso wie enger Kontakt zu Personen des eigenen Hausstandes. Ausnahmen kann lediglich das Gesundheitsamt genehmigen. Für das Erledigen der Einkäufe und für Gassi mit dem Hund empfiehlt die Verbraucherzentrale, Nachbarn oder Freunde zu fragen, die sich nicht in Quarantäne befinden.

Was ist die eigene Häuslichkeit?

Mit der „eigenen Häuslichkeit“ ist die eigene Wohnung, das eigene Haus, der eigene Garten oder Kleingarten oder die zum Wohnen überlassenen Räume gemeint. Kurzum der räumliche Bereich, in dem das Privatleben stattfindet. Auch eine Wohngemeinschaft gilt als solcher. Ein Haus mit mehreren Mietparteien ist hingegen mehr als die „eigene Häuslichkeit“. Doch Kontrollen sind hier kaum möglich, da der eigene Wohnraum besonderen Schutz genießt.

Wann endet die Quarantäne?

Eine Quarantäne endet nicht automatisch, sondern wird durch das Gesundheitsamt auch wieder aufgehoben. In der Regel dauert die Quarantäne zehn bis 14 Tage. Ein negativer Corona-Test kann die Quarantäne nicht vorzeitig beenden. Denn nach derzeitigem Kenntnisstand ist es möglich, dass Viren auch von negativ getesteten Personen weitergegeben werden können.

Welche Strafen drohen, wenn man die Quarantäne vorzeitig verlässt?

Laut Corona-Bußgeldverordnung drohen bei Verstößen, wie Nichteinhaltung des Mindestabstandes oder Verstöße gegen das Besuchsverbot, 150 Euro Strafe. Im Mai wurde für die Missachtung der Absonderung für Ein- und Rückreisende sogar mindestens 500 Euro Bußgeld festgesetzt. Da die Lage sehr unübersichtlich ist, sind die Behörden kaum in der Lage, diese Regeln effizient zu kontrollieren. Wird man dennoch erwischt, kann es teuer werden.

Das mussten vor allem die Menschen im Landkreis Bautzen erfahren. Hier stellte das Ordnungsamt bis Ende Oktober 926 Verstöße gegen die Quarantäne-Regeln fest. Wie die Pressestelle des Landratsamtes Bautzen auf SZ-Nachfrage mitteilte, wurden dabei Bußgelder in Höhe von insgesamt etwa 48.000 Euro ausgesprochen.

Bekomme ich während der Quarantäne weiter mein Gehalt?

Sowohl Arbeitnehmer als auch Selbstständige müssen sich über möglichen Verdienstausfall keine Sorgen machen. Sollte eine Person tatsächlich krank sein oder wird krankgeschrieben, gelten die normalen Regeln für Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Betroffene erhalten dann sechs Wochen lang ihr Gehalt vom Arbeitgeber und danach Krankengeld. Wird eine Person hingegen nur vorsorglich unter Quarantäne gestellt, gilt das Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten. Das Nettogehalt kommt dann weiterhin vom Arbeitgeber. Dieser kann sich den Betrag aber später von der Behörde zurückholen, welche die Quarantäne angeordnet hat. In den meisten Fällen wäre das das Gesundheitsamt. Auch Selbstständige oder Freiberufler, die unter Quarantäne gestellt werden, erhalten nach diesem Gesetz einen Ausgleich für den Verdienstausfall. Die Entschädigung bemisst sich dabei nach den letzten Jahreseinnahmen, die dem Finanzamt gemeldet wurden.

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