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Ranch, Pferde, Hunde und ein Baby

Katharina Beyer (33) stellt sich in Bröthen großen Herausforderungen. Für sie ist die Natur dabei der beste Ratgeber.

Katharina Beyer und Meggie-May auf der Koppel bei der dunkelbraunen Stute Cheyenne und dem falben Wallach Happy.
Katharina Beyer und Meggie-May auf der Koppel bei der dunkelbraunen Stute Cheyenne und dem falben Wallach Happy. © Foto: Silke Richter

Von Silke Richter

Bröthen. Meggie-May schläft friedlich. Irgendwann wird Mutter Katharina ihrer kleinen Tochter erzählen, wie sie auf die Welt gekommen ist. Eine natürliche Geburt, das war ihr größter Wunsch. Der Plan schien bis kurz vor der Niederkunft auch aufzugehen. Es sollte aber anders kommen. Und so wurde Meggie-May nach neunzehn Stunden Wehen am 11. Oktober mittels Not-Kaiserschnitt im Klinikum geboren.

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Katharina Beyer spürte in diesem Moment all das, was nahezu jede Mutter in diesem Moment spürt: Das kleine, große Glück mit 3.250 Gramm Gewicht und 51 Zentimetern Körpergröße ließ sie jeden Schmerz vergessen.

Rasch zurück zur Familie

Nach nur wenigen Tagen im Wochenbett sehnte sich die 33-Jährige zurück nach Hause. Dort wartete schon sehnsüchtig ihre Familie, zu der auch zwei Hunde und zwei Pferde gehören. Die junge Hündin Sally, ein Border-Collie-Australien-Shepherd-Mix, zog erst ein paar Tage vor der Geburt des Babys bei Familie Beyer ein. Exemplare dieser Hütehunde-Rasse sind nichts für Anfänger und brauchen viel Erfahrung. Für die damals hochschwangere Katharina Beyer kein Problem. Ihr bester Ratgeber: Die Natur. Zwischen Geburtsvorbereitung und „Nestbau“ gab es für die Hochschwangere nichts Selbstverständlicheres als sich um ihre Tiere zu kümmern. Natürlich ihren Umständen entsprechend. Denn Katharina Beyer weiß, was sie sich zutrauen darf.

Lebensmittelpunkt Hoyerswerda

Vor neun Jahren wohnte die Tierliebhaberin noch in Dresden, bevor sie ihren Lebensgefährten aus Hoyerswerda kennenlernte und ihren Lebensmittelpunkt in das Lausitzer Seenland verlegte. Der Traum von einer eigenen Pferderanch ließ die gelernte tiermedizinische Fachangestellte nicht mehr los. Die Suche nach einem geeigneten Standort in der Region erwies sich als schwierig. Nach mehreren Anläufen konnte die 33-Jährige unweit vom Bröthener See endlich ihren Traum realisieren. Was vor drei Jahren mit einer brach liegenden Fläche und einer umzäunten Koppel begann, hat sich bis heute zu einer Pferderanch entwickelt, die schrittweise wächst. Hier trainiert Katharina Beyer nach dem Prinzip „Dog & Horse Partnership – Natural Kommunikation“ Hunde und Pferde. Für sie stehen Individualität und artgerechte Haltung an oberster Stelle, um die Basis für eine harmonische Beziehung zwischen Menschen und Tieren schaffen zu können.

Ihre Ambition als Pferdeliebhaberin begann schon sehr früh. Im Alter von 14 Jahren hatte sie sich durch Nebenjobs so viel Geld zusammengespart, dass sie sich ein Pferd kaufen konnte. Heimlich. Der Araber-Haflinger entpuppte sich als Problempferd – und als großartiger Lehrer, wie man mit Tieren umgehen muss, ihr Vertrauen (wieder) erlangen kann.

Heute hat Katharina Beyer schon zahlreichen Pferden, Hunden und ihren Menschen helfen und die Basis für eine harmonische Beziehung schaffen können. Es ist vor allem ihre ausstrahlende Ruhe und ihr innerer Instinkt, von dem sich Katharina Beyer leiten lässt; wohl wissend, dass sie alles in sich selbst trägt und es „nur“ anwenden muss: Auf die eigene, innere Stimme hören, Geduld haben, Charaktere erkennen und individuell darauf eingehen – gute Voraussetzungen für einen respektvollen und vertrauten Umgang miteinander. Diese Beziehungsebene bekommt man nicht geschenkt. Das muss man sich erarbeiten. Jeden Tag aufs Neue.

Arbeitspause kommt nicht infrage

Und so managt die Mutter einer Tochter, Besitzerin zweier Pferde und zweier Hunde auch den Alltag als Ranch-Betreiberin wie selbstverständlich. Fast immer mit dabei: Meggie-May. Eine Manduca (Babytrage) macht es möglich. Und so schläft das kleine Mädchen auch an jenem Dezembernachmittag seelenruhig und eingekuschelt bei ihrer Mutter, als Katharina Beyer auf der Koppel nach ihren Pferden schaut. Happy und Cheyenne traben auf die beiden zu. Die beiden Pferde sind neugierig und streifen sanft ihre Köpfe an Katharina Beyer. Es braucht auch in diesem Moment kein Halfter und kein Zaumzeug. Ein schönes Bild, das gegenseitigen Respekt, Liebe und Vertrauen zwischen Tier und Mensch zeigt.

Natürlich gibt es auch Tage, an denen die 33-Jährige Ängste und Sorgen durchlebt: Gleicht doch auch das Hineinwachsen in die Mutterrolle einem Prozess, der Gelassenheit und Erfahrungswerte nur schrittweise wachsen lässt. Ihre Elternzeit wird Katharina Beyer wohl mehr auf der Ranch als zu Hause verbringen. Denn eine Arbeitspause kommt für sie nicht infrage: Lasse sich doch ihre Arbeit und das Mutter-Dasein wunderbar verbinden. Für Meggie-Mays Entwicklung sind der hautnahe Kontakt zu Tieren und zur Natur nicht die schlechtesten Voraussetzungen einer schönen, gesunden, unbeschwerten Kindheit.

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