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Rathaus sieht keinen Anlass für neue Akut-Fahrradwege

Ein entsprechender Antrag der Deutschen Umwelthilfe auf rasches Handeln hat keine Aussicht auf Erfolg.

In Hoyerswerdas Kolpingstraße ist die Lösung zu
finden, die sich die Umwelthilfe für mehr Straßen wünscht: Mit Farbe sind Radwege abgetrennt.
In Hoyerswerdas Kolpingstraße ist die Lösung zu finden, die sich die Umwelthilfe für mehr Straßen wünscht: Mit Farbe sind Radwege abgetrennt. © Foto: Gernot Menzel

Hoyerswerda. Freundlich, aber doch bestimmt lehnt die Stadtverwaltung ein Ansinnen der Deutschen Umwelthilfe ab. Die Organisation hat an zahlreiche Kommunen Anträge verschickt, Straßenflächen anderen Zwecken zuzuführen. Auch in Hoyerswerdas Rathaus traf so ein Antrag ein. „Genannt werden Radwege, Fahrradstraßen und verkehrsberuhigte Zonen, die als – zunächst provisorische – Maßnahmen zu mehr Sicherheit und Klimaschutz beitragen sollen“, schildert Rathaussprecherin Corinna Stumpf.

Es ist inzwischen zwölf Jahre her, da ließ sich die Stadt ein Radverkehrskonzept erarbeiten – 70 Seiten plus 40 Seiten Anlagen. Ein Kernsatz darin: „Die Förderung des Radverkehrs bedingt sichere, attraktive und direkte Verbindungen, die aus bestehenden Anlagen, Aus- und Umbauten sowie neuen Netzelementen entstehen sollen.“ Der zugehörige Stadtratsbeschluss am 28. April 2009 war einstimmig. Unter anderem, was daraus geworden ist, schauen sich aktuell die Mitglieder einer Fahrrad-Gruppe innerhalb der Initiative „Mitmachstadt Hoyerswerda“ an. Ein nicht ganz neues Thema in diesem Kreis: die für Radfahrer nicht unbedingt perfekten Verhältnisse in Kirch- und Friedrichsstraße. Ein weiteres Beispiel: Dass die Kühnichter Straße vom Kastanienweg bis zur Buswendeschleife für Radler gelinde gesagt abenteuerlich sein kann, ist auch kein Geheimnis. Generell ist die Rad-Gruppe bei der Analyse des Zustandes, gleicht diesen auch mit dem Radverkehrskonzept ab und ist dazu im Gespräch mit der Verwaltung.

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„Mit unseren Anträgen wollen wir die Kommunen zu einer extrem beschleunigten Umsetzung angedachter oder geplanter Fahrradwege noch in diesem Jahr bewegen“, sagt Matthias Walter von der Deutschen Umwelthilfe. Die Idee ist so etwa, einen Eimer Farbe zu nehmen und Flächen einfach per Pinselstrich zu kennzeichnen. Auf die Angabe konkreter Straßen verzichtet der Verband allerdings. Man wolle das lokalem Sachverstand überlassen, heißt es.

Der Antrag an die Stadt Hoyerswerda enthält außerdem noch die Forderung, für Autos die zugelassene Höchstgeschwindigkeit „im gesamten Nebenstraßennetz auf 30 Km/h oder weniger zu begrenzen“.

Das Rathaus sagt, grundsätzlich unterstütze man Veränderungen zugunsten der Verkehrssicherheit und der Umwelt durchaus. „Der Verkehr ist jedoch als Gesamtheit aller Verkehrsarten zu sehen, regionale Aspekte sind zu berücksichtigen“, sagt Corinna Stumpf. Die Verwaltung wolle das Miteinander fördern und eine Separierung der Verkehrsarten vermeiden.

Nach Überzeugung der Stadt existiert in Hoyerswerda im Prinzip ein gut ausgebautes Netz an Rad- und Gehwegen. In den vergangenen Jahren habe man Einbahnstraßen für Radfahrer in beide Richtungen geöffnet, neue Radwege gebaut und Fahrradspuren eingerichtet. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub sieht das naturgemäß etwas differenzierter. Bei der letzten Auswertung seines „Fahrradklima-Tests“ war Hoyerswerda zwar Sachsensieger, aber nur mit einer Schulnote von 3,5. So trauten sich die Hälfte aller Eltern, die sich äußerten, nicht, ihre Kinder per Fahrrad in die Schule zu schicken. Das Rathaus findet jedoch, der Schwerpunkt sollte jetzt der Radverkehr ins Umland sein. Die immer wieder aufflammende Diskussion um die suboptimale Verbindung zum Geierswalder See scheint dafür zu sprechen.

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