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Raus aus der Krise

Annett Belau war über zehn Jahre Kioskbetreiberin in Altenpflegeeinrichtungen. Das ist nun vorbei, aber sie gibt nicht auf.

Annett Belau ist eine Kämpfernatur. Die 47-Jährige sucht eine neue Aufgabe und lässt sich nicht von ihrem Ziel abbringen.
Annett Belau ist eine Kämpfernatur. Die 47-Jährige sucht eine neue Aufgabe und lässt sich nicht von ihrem Ziel abbringen. © Foto: Silke Richter

Von Silke Richter

Hoyerswerda. Diese Chance konnte sich Annett Belau einfach nicht entgehen lassen. Allein der Gedanke daran löste bei der mutigen Frau ein sehr freudiges Gefühl aus. Gefolgt von einem euphorischen Motivationsschub, den sie in ihrer Berufslaufbahn so noch nie erlebt hatte. Die gelernte Konditorin hatte schon lange gespürt, dass ihre bisherige Tätigkeit und die Umgebung nicht mehr das Richtige für sie waren. Unzufriedenheit, kombiniert mit dem Drang, beruflich etwas anderes machen zu wollen, rückten zunehmend in den Vordergrund.

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Deshalb kam das Stellenangebot vom Haus Rosengarten damals wie gerufen, erinnert sich die 47-Jährige zurück. Das Altenpflegeheim suchte einen selbstständig tätigen Pächter und Betreiber für seinen Kiosk im Haus. „Ich habe es einfach probiert, mich beworben und wurde auch genommen“, blickt Annett Belau zurück. Das ist jetzt über zehn Jahre her. In ihrer Stimme schwingt trotzdem immer noch eine Selbstverständlichkeit mit, die offenbart, dass es in diesem Moment genau die richtige Entscheidung für die frischgebackene Kleinunternehmerin war. Ihr absoluter Wille, genau diesen Weg gehen zu wollen, machte sie damals unaufhaltbar, zufrieden und glücklich.

Eine Vertrauensbasis geschaffen

Nichts und niemand konnte sie von ihrem Traum abhalten. Das spürten auch die Heimbewohner, die sich bei der Kioskverkäuferin nicht nur mit Dingen des täglichen Bedarfs versorgten. Ein gemütlicher Schwatz bei Kaffee und Kuchen gehörte oftmals selbstverständlich dazu. Was Annett Belau aber umso mehr freute, war das ihr entgegengebrachte Vertrauen, das ihr viele Heimbewohner später auch in ihrem zweiten Kiosk im Laurentiushaus schenkten. Denn auch in Altenpflegeheimen dürfe und solle das Leben und die Liebe pulsieren. Gibt es im besten Fall doch auch in solchen Einrichtungen immer noch Ehepaare oder Menschen, die ihre alte oder neue Liebe ausleben wollen. Warum auch nicht? Manchmal brauchen die Heimbewohner aber dafür gewisse Dinge, die es eben nur in Apotheken gibt. Für Annett Belau kein Problem. Schnell, unkompliziert und im Vertrauen wanderte auf die Bestellliste das Wunschprodukt, welches dem glücklichen Pärchen wenig später zugestellt werden konnte.

Es sollte ausgerechnet ein Mitarbeiter von einem Bestattungsunternehmen sein, der Annett Belau vor ein paar Jahren davon berichtete, dass auch in den Kiosk im Altenpflegeheim in der Thomas-Münzter-Straße wieder Leben einziehen soll. Für die 47-Jährige genau das Passende. Es folgte eine glückliche Zeit als mehrfache Kioskbetreiberin. Aber auch der Spagat zwischen Erfolg und Zufriedenheit auf der einen Seite sowie Sorgen und Ungewissheit auf der anderen, wurde immer größer. Annett Belau musste deshalb vor einiger Zeit bereits zwei ihrer Kioske aufgeben.

Eine neue Herausforderung

Bis zur Corona-Pandemie leitete die 47-Jährige noch den Kiosk im Laurentiushaus. Schon seit längerer Zeit machten der Unternehmerin aber auch hier Einnahmeverluste, die deutsche Bürokratie und Zukunftsängste größere Sorgen. Inklusive schlafloser Nächte.

Vor einiger Zeit kündigte Annett Belau den Pachtvertrag des Kiosks. Die Corona-Pandemie forderte ihren Tribut. Dank einer Klausel sei man ihr seitens des Laurentiushauses finanziell entgegengekommen, meint Annett Belau, die verständlicherweise dennoch traurig über diese unvermeidlich gewordene Entwicklung ist.

Seitdem ist sie auf der Suche nach einem neuen Job, einer neuen Aufgabe oder einer neuen Geschäftsidee. Denn von Hartz IV zu leben, kommt für die Unternehmerin, wie damals auch, keineswegs infrage.

Wieder durchforstet sie Stellenangebote, entwickelt Ideen, damit sie beruflich wieder durchstarten kann. Ein Vorhaben trägt bereits erste Früchte. Die Volkshochschule signalisierte Interesse für Kurse, die von der Konditorin geleitet werden und bei denen die Herstellung und Verzierung von Torten sowie andere kreative Dinge in der Backstube im Mittelpunkt stehen soll. „Ich werde auch diese Krise bewältigen. Ich weiß es.“ Und wieder klingt in ihrer Stimme diese Selbstverständlichkeit und ihr absoluter Wille mit, auch diesen Weg erfolgreich beschreiten zu wollen. Nichts und niemand wird sie aufhalten. Bis sie wieder dieses Gefühl von Glück und absoluter Zufriedenheit spüren wird.

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