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Rekord-Projekt Wimpelkette

Wenn schon kein echter Fasching, dann wenigstens eine tolle Aktion – in und um Wittichenau machen viele mit.

In der Sollschwitzer Straße in Wittichenau machten die Narren mit den Anwohnern der Nebenstraße An der Koppel gemeinsame Sache – so kam man allein hier auf 300 m Wimpelkette.
In der Sollschwitzer Straße in Wittichenau machten die Narren mit den Anwohnern der Nebenstraße An der Koppel gemeinsame Sache – so kam man allein hier auf 300 m Wimpelkette. © Foto: Gernot Menzel

Von Silke Richter und Uwe Schulz

Wittichenau. Faschingsumzüge aller Art waren eigentlich untersagt. Nun ja. etwa zehn „Musketiere“ mit Mund-Nasen-Schutz bewaffnet waren gestern in Wittichenau dann doch mit einem handgezogenen Wagen auf den Straßen zu sehen. Ansonsten fiel auf: Allerorten flatterten Wimpel im Wind, die sich bei genauerem Hinsehen als Wimpelketten entpuppten, die Ortschaften miteinander verbanden, mit dem Zentrum Karnevalshochburg Wittichenau.

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Hier hatte der Weiberfaschingsverein zu der Aktion aufgerufen, die auch den Zusammenhalt der örtlichen Karnevalisten trotz der ausgefallenen Saison symbolisieren soll. Und noch ein weiteres Ziel hatten die Organisatoren im Sinn: einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde mit der längsten Girlande der Welt. Der aktuelle Rekord soll bei 17,6 km stehen und müsste doch zu überbieten sein! Die Jecken ließen sich auch nicht lange bitten und kramten alles, was sich mehr oder weniger als Girlande eignete, hervor und knüpften es an den nächsten Straßenbaum oder eine Laterne. Ob es für einen Rekord und damit für einen Eintrag ins Guinnessbuch reicht, muss sich erst zeigen. Das Interesse an der Aktion war jedenfalls sehr groß. Unter anderem beteiligten sich Sollschwitz, Rachlau und Keula. Silvia Scheibe und Ramona Marienfeld aus der Dörgenhausener Faschingsgruppe die „Dorfrock-Mietzen“ machten in ihrem Dorf auch mobil. Seit Freitag zieht sich nun von Dörgenhausen bis nach Keula eine lückenlose vier Kilometer lange Wimpelkette. Wir sprachen mit Initiatorin Silvia Scheibe.

Wer hatte die Idee für diese Aktion und welche Ambition steckt dahinter?

Ich hatte von der Wittichenauer Aktion gehört und schickte die Nachricht in Dörgenhausen weiter. Das Interesse daran wuchs schnell. Es wurden innerhalb kürzester Zeit zig Wimpel geschnitten und genäht. Verschiedene Faschingstruppen mit ihren Familien aus unserem Dorf, aber auch aus Groß Neida und Bröthen waren daran beteiligt. Jeder nähte für sich und irgendwie doch gemeinsam, für dieses tolle Projekt. Wir bezogen unsere Kinder mit ein, die nebenbei den Umgang mit der Nähmaschine lernten. Einfach großartig, solche Freunde zu haben! Jeder machte so viel, wie er schaffte. Ob die Länge der Kette reichen würde, konnten wir erst beim Aufhängen erkennen.

Warum hängt die Kette ausgerechnet zwischen Dörgenhausen und Keula?

Unser Ziel war es, bis zum Weiberfasching eine vier Kilometer lange Girlandenkette, an der auch Handschuhe, Socken und sogar Schlüpfer befestigt sind (lacht), bis zur Faschingshochburg Wittichenau zu bauen. Allein die Symbolik ist für uns stark: Miteinander verbunden zu sein! In jeder Girlande steckt Individualität, die ein großes Ganzes ergibt. Das nahezu Unglaubliche gelang. Kurz vor dem ersehnten Ortseingangsschild Keula kamen uns engagierte Frauen des Ortsteils sogar mit ihren Girlanden entgegen. Das war eine Freude! Ein schönes Miteinander. Die geschaffene Verbindung der Girlanden aus Keula und die aus Dörgenhausen – das war ein wirklich schöner Moment, es miteinander geschafft zu haben.

Bei den eisigen Temperaturen war das Aufhängen sicher nicht einfach…

Das stimmt. Wir haben am vergangenen Freitag innerhalb von 3,5 Stunden die Girlande aufgehangen. Es war sehr kalt, und unsere Hände hatten beim Befestigen der Schnüre schon diverse Probleme. Und die Füße wurden mit der Zeit auch echt kalt. Wie arbeiteten uns von Baum zu Baum vor. Wo keine Bäume standen, machte Not mal wieder erfinderisch. Wir bekamen auch von unseren Ehemännern, dem Dorfclubchef und von seiner Frau sowie Nachbarin Unterstützung mit dem Radlader, der aber im Schnee stecken blieb. Weitere Hilfe eilte herbei, doch auch dieser Transporter hatte Schwierigkeiten und blieb auch im Schnee stecken. Mit vereinten Kräften konnten wir die beiden Fahrzeuge befreien und weiter ging es.

Sind weitere Aktionen in dieser Hinsicht geplant?

Die Kette soll ja als Gesamtleistung in das Guinness-Buch der Rekorde. Ja, da wollen wir natürlich dabei sein. Das ist doch mal was! Am Faschingsdienstag gegen 15 Uhr werden wir die Kette wieder abnehmen und natürlich aufheben. Was zurückbleibt: Wir sind mit Abstand nicht nur etwas näher gerückt. Wir hatten viel Spaß bei dieser gemeinsamen Aktion. Das ist so wichtig. Besonders in jetzigen Zeiten. Dörgenhausen war zudem noch nie so schön geschmückt wie jetzt. Das wollen wir zukünftig beibehalten und aus der Corona-Zeit mit in die Zukunft nehmen.

Stand der Wimpelkette am 13. Februar: 41.092,51 m

Weitere Infos unter: https://padlet.com/helauwfv/WittichenauHelau

Die Wimpelkette reicht auch von Dörgenhausen nach Keula – hier Silvia Scheibe und Ramona Marienfeld beim Hängen der Kette.
Die Wimpelkette reicht auch von Dörgenhausen nach Keula – hier Silvia Scheibe und Ramona Marienfeld beim Hängen der Kette. © Foto: Silke Richter
Wo es keine senkrechte Befestigungsmöglichkeit gab, wurde eben kurzerhand nachgeholfen.
Wo es keine senkrechte Befestigungsmöglichkeit gab, wurde eben kurzerhand nachgeholfen. © Foto: Gernot Menzel

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