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Rückblick November 2021: Ende einer Ära nach fast 60 Jahren

Eine Abschieds-Gala für den Kunstverein Hoyerswerda

Von Uwe Jordan
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Hoyerswerdas Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh (links) überreichte Martin und Helene Schmidt die Ehrenurkunde der Stadt Hoyerswerda. Dann trugen sich beide ins Goldene Buch ein. Die Ehrenbürgerschaft stand auch zur Debatte.
Hoyerswerdas Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh (links) überreichte Martin und Helene Schmidt die Ehrenurkunde der Stadt Hoyerswerda. Dann trugen sich beide ins Goldene Buch ein. Die Ehrenbürgerschaft stand auch zur Debatte. © Foto: Gernot Menzel

Hoyerswerda. Verkündet worden war es schon am 5. Oktober im TAGEBLATT: „Der Kunstverein Hoyerswerda beschloss am Sonnabend (d. h. 2. Oktober, d. Red.), seine Selbstauflösung zum Jahresende 2021.“ Warum nur? „Martin und Helene Schmidt (die den Verein 1964 gegründet und seither bis jetzt geleitet hatten, d. Red.) werden, alters- und gesundheitshalber, ihre Ämter abgeben und in die Nähe ihrer Kinder ziehen. Ihr Werk fortführen kann niemand, denn ... die überwiegende Anzahl der Vereinsmitglieder ist in einem Alter, in dem man eine solche intensive Arbeit nicht leisten kann.“

Versprochen worden war aber eine Gala zur Verabschiedung des Kunstvereins und der Schmidts – und die fand am 14. November, einem Sonntag, im Großen Saal der Lausitzhalle statt, dem größten kommunalen Raum, den Hoyerswerda zu bieten hat.

TAGEBLATT berichtet am 16. November: „«Vorbei. Vorbei. Vorbei.» schien die Querflöte in ihrer abfallenden Sequenz zu klagen; drei Mal zwei Töne, schließend den Refrain, klangfüllend den Großen Saal der ... Lausitzhalle in tapferer, aber dennoch schmerzlich als Selbstverleugnung fühlbarer Heiterkeit: musikalischer Auftakt der ... Soiree, mit der die 1964 begonnene Ära des Hoyerswerdaer Kunstvereins, vormals Freundeskreis der Künste und Literatur, endete ...

Eine Konstante über all diese Jahre hinweg war, seit 1964, der Kunstverein Hoyerswerda. Ins Leben gerufen von Enthusiasten und Idealisten, die sich keinesfalls als solche begriffen, sondern als Menschen, die Leben nicht nur als Wechsel aus Arbeit und billiger Zerstreuung wollten, sondern das Augenmerk auf das Schöne, das die Seele (oder, bitte, weltlicher: den Geist) Erhebende legen wollten; mit Gleichgesinnten den Blick auf das Eigene und die Welt weiten, im Brechtschen Sinne: «Sorgt doch, dass ihr, die Welt verlassend, nicht nur gut wart, sondern verlasst eine gute Welt» sagt seine Heilige Johanna der Schlachthöfe am Ende des gleichnamigen Stückes. Oder um es mit Jeremia 29, 4-7 nicht gleich auf die in ihrer Gänze unfassbare Welt auszuweiten, sondern das Stück Welt zum Tätigsein wählen, das man unmittelbar beeinflussen und bessern kann: «Baut Häuser und wohnt darin; pflanzt Gärten und esst ihre Früchte ... Suchet der Stadt Bestes ... denn wenn’s ihr wohl geht, so geht’s auch euch wohl.» Genau dafür stand der Kunstverein; genau dafür standen Helene und Martin Schmidt – nicht nur im Kunstverein, sondern im Alltag ...

«Jedem Abschied wohnt ein Zauber inne / Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben»; Zeilen aus dem (Hermann-Hesse-) Gedicht «Stufen», das Angela Potowski, die den Abend moderierte ... vortrug: «Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden / Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!»

Dies galt nicht nur den Schmidts, sondern auch dem Kunstverein selbst, der Frage: «Was wird?» Nun, auch wenn es den Verein nicht mehr geben wird; Vorträge, nun von Solisten, wird es weiter geben. Vor allem, Stand jetzt: auch die Brigitte-Reimann-Begegnungsstätte wird, wenngleich in anderer Hand, fortgeführt werden.

Ein Wiedersehen mit den Schmidts: Nicht ausgeschlossen. Denn das eingangs zitierte Flötenstück Osvaldo Farrés‘ hieß nicht: «Vorbei, vorbei, vorbei», sondern: «Quizás, quizás, quizás» – „Kann sein, kann sein, kann sein“.

Wittichenau stabil

Zu Bierpreisen schreibt TAGEBLATT am 20. November:

Wittichenau. „Abwarten und Wittichenauer Bier trinken“, rät TAGEBLATT in der Titelzeile. Und erläutert die generelle Lage: „Bier wird teurer“. Radeberger, Großröhrsdorfer, Löbauer, Eibauer, Görlitzer – sie alle werden das Gebraute in Fass und/oder Flasche teurer machen. Ausnahme: Bautzener Biere. Und Wittichenau? „Diplom-Braumeister Stefan Glaab, Geschäftsführer der Stadtbrauerei Wittichenau Eduard Glaab GmbH, resümiert: «Wir konnten einen Teil des Ausstoßverlustes über einen zusätzlichen Verkauf von Flaschenbier abfangen. Durch den Wegfall der vielen Volksfeste wie der Krabatfestspiele in Schwarzkollm oder der Dorffeste in der Umgebung sowie aller Karnevalsveranstaltungen in Wittichenau konnten wir den Verlust aber nicht kompensieren.» Immerhin konnte man die anziehenden Rohstoff- und Energiepreise durch langfristige Verträge dieses Jahr noch etwas abfedern. Verträge vor allem mit regionalen Partnern: «... Malz beziehen wir überwiegend aus der regionalen Mälzerei Dresden-Heidenau. Die ... Braugerste stammt überwiegend aus Sachsen und Thüringen.» Die steigenden Kosten für Hilfsstoffe, die CO2-Steuer und die gestiegenen Lohnkosten lassen dennoch über eine moderate Weitergabe der Kosten nachdenken. «Nach einer Beruhigung der Märkte werden wir über weitere Maßnahmen entscheiden.».“ (JJ)

Unternehmen des Jahres

Lautaer-Vitrinenbau-Laudatio in TAGEBLATT am 27. November:

Lauta. „Der 25. Unternehmer-Preis des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV) geht an die Vitrinen- und Glasbau Reier GmbH. Das Unternehmen aus Lauta ist als «Unternehmen des Jahres» im Freistaat Sachsen ausgezeichnet worden. Die Ostsächsische Sparkasse Dresden hatte den Preisträger nominiert. Kunst und Kulturgüter zu schützen, zu bewahren und erlebbar zu machen, gelingt dem Landessieger Sachsen, der Vitrinen- und Glasbau Reier GmbH. Das Unternehmen hat hoch spezialisierte Museumseinrichtungen und Vitrinentechnik entwickelt. 100 Mitarbeiter aller Gewerke wirken zusammen, so dass unter anderem Hochsicherheitsvitrinen, Münzvitrinen sowie klimatisierte Vitrinen zur Produktpalette zählen. Weltweit bieten nur fünf Unternehmen solche spezialisierten Produkte an. Besucher des Naturhistorischen Museums in London, des Nationalmuseums Katar, der Eremitage St. Petersburg oder des Humboldt-Forums in Berlin bewundern Exponate in Reier-Vitrinen. Auch vor Herausforderungen schreckt das Unternehmen nicht zurück. In Katar mussten die bis zu 20 Meter langen Vitrinen auf einem geneigten Fußboden montiert werden.“ (pm/JuM)