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Hoyerswerda
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„Ruinen und Modelle“

Fotografien von Sven Gatter sind ab 11. Mai im Kunstraum Braugasse in Hoyerswerda zu sehen – bis 30. Juli.

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Ruinen/Modelle (MMXVIII.04), 2018, archivfester Pigmentdruck, Dimensionen variabel
Ruinen/Modelle (MMXVIII.04), 2018, archivfester Pigmentdruck, Dimensionen variabel © Foto: Sven Gatter

Hoyerswerda. Seit rund fünf Jahren widmet sich Sven Gatter verschwindenden Architekturen im ländlichen Raum Ostdeutschlands. Im Zuge dieser Auseinandersetzung ist unter anderem eine Serie von Schwarz-Weiß-Fotografien entstanden, die die ruinenartigen Reste von aufgegebenen Ziegelsteingehöften, Gasthöfen und kleineren Landwirtschaftsbetrieben sowie das in ihnen zurückgelassene Inventar zeigt. Seinen Bildgegenstand macht der Künstler dabei nur fragmentarisch sichtbar, wodurch eine konkrete Verortung der festgehaltenen Szenerien unmöglich wird. Stattdessen treten die gefundenen Ordnungen und die verschiedenen Materialitäten in den Vordergrund. In die Reihe hat Sven Gatter auch Bilder von eingelagerten, unfertigen oder zurückgebauten Architekturmodellen einbezogen, die er bei einer Recherche im Lehrbauhof Großräschen fotografieren konnte. Die so herbeigeführte Konfrontation der Sujets Ruine und Modell begreift er als eine Metapher für den Strukturwandel und die ambivalenten Phänomene, von denen Transformationen stets begleitet sind: Zerstörung und Neuinterpretation, existenzielle Bedrohung und spielerische Anverwandlung, Frust und Lust.

Sven Gatter ist 1978 in Halle (Saale) geboren und in der ostdeutschen Industriestadt Bitterfeld aufgewachsen. Von 1999 bis 2006 absolvierte er ein Studium der Angewandten Sozialwissenschaften in Erfurt, das er mit einer Diplomarbeit zum Thema „Fotografische Bilder als Quellen der empirischen Sozialforschung“ abschloss. Von 2004 bis 2005 besuchte er die Abendakademie der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig und von 2010 bis 2011 die Ostkreuzschule für Fotografie in Berlin.

Seither setzt er sich in seiner künstlerischen Arbeit vor allem mit dem Wandel Ostdeutschlands auseinander. Für seine Foto-Text-Arbeiten „Gottes Aue“, „Luft Schiffe“, „Hütten“, „Bernsteine“ und „Findling“, in denen er eigene Bilder und Texte mit gefundenem Archivmaterial kombiniert und so zu ganz subjektiven Narrativen verdichtet, wurde er im Jahr 2016 mit dem Lotto Brandenburg Kunstpreis ausgezeichnet.

Seit 2019 gehört er zum Team der AFF Galerie, Berlin. Darüber hinaus engagiert er sich im Verein Perspektive hoch 3 für Kultur-, Bildungs- und Wissenschaftsformate, mit denen das Erwachsenwerden unter den besonderen historischen Bedingungen des Zusammenbruchs der DDR und der sich anschließenden deutschen Wiedervereinigung erforscht werden. (MKr)

Kunstraum 31: Sven Gatter (Fotografie) – Vernissage am Donnerstag, 11. Mai, 19 Uhr, im Bürgerzentrum Hoy.

www.kunstraum-braugasse.de