merken
PLUS Hoyerswerda

Schatten ist ein wertvolles Gut

So soll dem Klimawandel getrotzt und ein attraktiveres Wohnumfeld in Lauta-Süd geschaffen werden.

Insbesondere zwischen den Häusern der LebensRäume-Genossenschaft fallen die gepflegten Anlagen, Spielplätze und das viele Grün auf.
Insbesondere zwischen den Häusern der LebensRäume-Genossenschaft fallen die gepflegten Anlagen, Spielplätze und das viele Grün auf. © Foto: Ralf Grunert

Lauta. Bäume und Sträucher, jede Menge Grün. Ich weiß nicht, was man hier noch groß machen will“, wunderte sich der ehemalige Lautawerker Jens-Uwe Bohne bei einem kleinen Rundgang durch das Lautaer Neubauviertel Süd. Hier ist er groß geworden. Hier lebt er noch heute. Keine halbe Stunde zuvor hatte er in der Aula der Hans-Coppi-Grundschule bei der Präsentation der Ergebnisse des seit 2017 laufenden Modellprojektes Lauta-Süd gehört, welche Maßnahmen des Klimaschutzes und zur Verbesserung des Wohnumfeldes Planer empfehlen, um die Attraktivität dieses am dichtesten besiedelten Wohngebietes in der Stadt Lauta zu steigern.

Speichern und nutzbar machen

Wandern
Schritt für Schritt
Schritt für Schritt

Gerne an der frischen Luft und immer in Bewegung? Wanderwege, Tipps und Tricks finden Sie hier.

Bäume und Sträucher spielen dabei eine nicht unwesentliche Rolle, ebenso wie Zisternen, Baumrigolen und Mulden in Wiesenbereichen. Denn Wasser ist in Zeiten des Klimawandels ein Schwerpunkt, machte Planerin Ulrike Neumann vom Oppacher Planungsbüro „Neuland“ deutlich. Es gehe um speichern, zurückhalten und nutzbar machen. In unterirdischen Zisternen zum Beispiel könnte Wasser von den großen Dachflächen der Häuser gespeichert und bei Bedarf genutzt werden. Gleichzeitig wären Zisternen als Puffer bei Starkregen hilfreich. Es sei nun mal damit zu rechnen, dass Extrem-Wetter-Ereignisse zunehmen. Erhalten bleiben soll das Feuchtbiotop Froschteich. „Es ist besser, Niederschlagswasser dorthin abzuleiten anstatt in die Kanalisation, wo auch noch dafür bezahlt werden muss“, erklärte sie. Und als geeigneten Platz für eine große Mulde, in der sich Wasser sammeln und versickern kann, hat die Planerin den Bolzplatz ausgemacht. Kleinere Mulden könnten zwischen den Häusern entstehen.

Ein Blick in die Vergangenheit

Eine Mulde auf dem Bolzplatz und Neupflanzungen von Bäumen, wie er sie bei der Ergebnis-Präsentation auf einer Karte zu sehen bekam, ließen Jens-Uwe Bohne beim Rundgang durch sein Wohngebiet mit dem Kopf schütteln. „Wo sollen die Kinder dann bolzen?“, fragt er. „Zwischen den Wohngebäuden?“ Das habe schon in seiner Kindheit für Ärger gesorgt. Und schon jetzt entwässern angrenzende Bereiche in den Froschteich. Der allerdings sei undicht, die Lätteschicht sei bei Pflegearbeiten beschädigt worden. Da müsse etwas getan werden, findet er. Ansonsten kam Jens-Uwe Bohne einiges von dem, was die Planerin erzählte, sehr bekannt vor. Outdoor-Tischtennisplatten gab es schon zu Vor-Wende-Zeiten. Der Weg, der eine Beleuchtung bekommen sollte, hatte früher schon mal eine. Und eine eigens angelegte Mulde wurde mit Wasser gefüllt im Winter zum Eishockey genutzt. Überhaupt konnte sich der zentrale Bereich des Wohngebietes mit seinen Sport- und Freizeitanlagen früher mal sehen lassen. Sogar das Stadtfest wurde hier gefeiert. Jens-Uwe Bohne bedauert, dass viele dieser Dinge nicht geschätzt wurden und verschwunden sind.

Dass es in Süd Bereiche gibt, die aufgewertet werden sollten, steht für Jens-Uwe Bohne außer Frage. „Man fühlt sich wie in einer anderen Welt“, beschreibt er beim Gang von einem Wohnblock zum nächsten. Auffällig Grün und gepflegt sieht es an den Gebäuden aus, die sich im Eigentum der Lebensräume-Genossenschaft Hoyerswerda befinden. Tristesse bestimmt vorwiegend Bereiche zwischen Häusern der Wohnungsbaugesellschaft (Wobau) Lauta.

Hitze und Trockenheit trotzen

Platz für Neupflanzungen, was die Planerin neben dem Erhalt des bestehenden Baumbestandes empfiehlt, ist jedenfalls vorhanden. Hierbei sei darauf zu achten, dass Bäume gepflanzt werden, die Hitze und Trockenheit trotzen. Bäume sind zudem auch gut geeignet, um Aufenthalts- und Wartebereiche zu Beschatten. „Im Schatten ist die gefühlte Temperatur drei bis sechs Grad niedriger“, meinte die Planerin und machte deutlich: „Schatten ist ein wertvolles Gut – neben Wasser.“ Im Projektgebiet sind Standorte für mögliche Neupflanzungen festgelegt. Eine Konzentration gibt es unter anderem im Bereich des Bolzplatzes.

Begeisterung sieht anders aus

„Wer soll das bezahlen?“, fragten sich Jens-Uwe Bohne und andere Anwohner, die zur Ergebnis-Präsentation gekommen waren. „Die Planungen Realität werden zu lassen, wird Euro in Größenordnungen kosten und ohne Förderung nicht zu machen sein“, hatte Lautas Bürgermeister Frank Lehmann schon zu Beginn der Veranstaltung klargestellt und zugleich deutlich gemacht, dass eine „Realisierung auch nur schrittweise“ erfolgen könne. „Wir sind vom Ergebnis überzeugt. Es würde uns freuen, wenn sie es genauso sehen“, hatte der Bürgermeister in Richtung der nicht mal 20 anwesenden Anwohner angemerkt. Begeisterung war in deren Reihen nach der Präsentation allerdings nicht zu erkennen.

Andere Millionen-Baustellen

Die nun vorliegende Planung wurde mit Hilfe des Preisgeldes in Höhe von 25.000 Euro realisiert, das die Stadt Lauta und die Wobau im Jahr 2017 in einem vom Freistaat Sachsen ausgelobten Wettbewerb erhalten hatten. Dass kurzfristig mit der Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen begonnen wird, ist eher unwahrscheinlich. Sowohl die Stadt mit der Schulsanierung in Laubusch als auch die Wobau mit dem Umbau und der Modernisierung des Mehrfamilienhauses in der Mittelstraße haben aktuell andere Großbaustellen, in die Millionen-Summen investiert werden.

Mehr zum Thema Hoyerswerda