merken
PLUS Hoyerswerda

Schwachstrom

Das reine Elektro-Auto hat einen schwierigen Start in Hoyerswerda und im Umland.

Ein Bild aus besseren, allerdings schon vergangenen Tagen der Elektromobilität. Hier nach vollendeter halber Probefahrt auf dem Parkdeck des Hoyerswerdaer Lausitz-Centers: TAGEBLATT testete am 29. August 2011 einen Mitsubishi MiEV.
Ein Bild aus besseren, allerdings schon vergangenen Tagen der Elektromobilität. Hier nach vollendeter halber Probefahrt auf dem Parkdeck des Hoyerswerdaer Lausitz-Centers: TAGEBLATT testete am 29. August 2011 einen Mitsubishi MiEV. © Foto: Gernot Menzel

Hoyerswerda. Mit großem Geschrei und Getöse ward vor naher Zeit die Ära des Elektro-Automobils ausgerufen: eine Million solcher Fahrzeuge sollten laut einer Eingebung von Bundeskanzlerin Angela Merkel bis 2020 auf hiesigen Straßen rollen. Tatsächlich sind es, Stand Ende September 2020, laut Kraftfahrzeugbundesamt 244.039. 

Lobbyisten werden freilich nicht müde, Erfolgsmeldungen zu verbreiten, dass etwa die Zulassungszahl von Elektromobilen gegenüber dem Vorjahr um 100 % gestiegen sei (was in absoluten Zahlen bedeuten kann: statt einem Vehikel wurden nun zwei die Verkehrsteilnahmeberechtigungsweihen erteilt), während Benziner oder gar Diesel nur knapp einstellige Prozentzuwächse erreiche. Der absolute, moral-freie Fakt hingegen: Allein im Monat September 2020 wurden 265.227 Verbrenner neu zugelassen – mehr als die Gesamtzahl der überhaupt auf den Straßen existenten Stromer.

Klinik Bavaria Kreischa
Perspektiven Schaffen - Teamgeist (Er-) leben
Perspektiven Schaffen - Teamgeist (Er-) leben

Wir sind die KLINIK BAVARIA Kreischa - eine der führenden medizinischen Rehabilitationseinrichtungen in Ostdeutschland.

Wir fragten in den Autohäusern der Region, wie ihre Stromer gehen. Und: Wer kauft sie? Der Private, bei dem sie ja ankommen sollen – oder moralisch auf die Kanzlerin verpflichtete Behörden und andere Dienstleister, die Stadt-Mini-Strecken absolvieren müssen, bei denen die Kurzatmigkeit der Elektromobile kein Problem ist und der hohe Preis sich irgendwann rentiert? Über vermeintliche Umweltvorteile soll hier nicht gerechtet werden – da haben beide Typen Vor- und Nachteile, betrachtet man neben dem Betrieb auch die Herstellung und die Kraftstoff- (Strom-) Erzeugung.

TG Autohandelsgesellschaft Hoyerswerda (Mercedes)

Zu Zulassungszahlen gebe es eine Daimler-Pressemitteilung. Hoyerswerda konkret? Müsse ich fragen am TG-Hauptsitz Kaiserslautern. Kontakt? Wisse man nicht. Ebenso wenig zur Hyundai-Sparte nebenan. – Mir bleibt das Portal www.goingelectric.de. Zugelassen September 2020: 349 EQC, 4 EQV. Nicht in Hoyerswerda. Deutschlandweit.

Autohaus Hellwig Hoyerswerda (Mazda)

Deutlich auskunftsfreudiger ist dieser Händler, der nicht nur im Hoyerswerdaer Umland, sondern deutschlandweit verkauft. E-Autos seien nicht gerade der Verkaufsschlager. Als Zweitwagen seien sie für den hiesigen Hoyerswerdaer Markt zu teuer; gingen nur in Gegenden, wo richtig Geld da sei, etwa in einer Region am Bodensee. Für den Erstwagen seien sie auf Grund der Reichweite für den Mittelstreckenfahrer „über die Ortsgrenze hinaus“ nicht alltagstauglich. Und in der Stadt, etwa (aber nicht nur) in Berlin, gebe es Lade-Probleme. „Wenn Sie einem Kunden in Berlin-Marzahn ein E-Auto verkaufen, müssten Sie ein 100-Meter-Ladekabel mitliefern.“ Öffentliche Lade- und selbst Schnellladestationen? Wenn da gerade wer anders angedockt hat, sind auch 20 Minuten Wartezeit fällig ... Für Institutionen mit kurzen Wegen und eigenen Ladestationen sei ein E-Auto überlegenswert – „aber die kaufen deutsche Marken“. Dass Behörden gern Hybriden kaufen/leasen, habe eine Kehrseite. Zwar sei ein Hybrid auf Grund der geringen Gebühr für Privatnutzung äußerst attraktiv, „aber die werden meist nur im Sprit-Modus gefahren, wo sie sogar noch etwas mehr verbrauchen Nur-Benziner.“ Manche Händler stellen bei der Rückgabe der geleasten Fahrzeuge fest, dass das Ladekabel nicht ein einziges Mal benutzt worden ist. Die Steuervorteile für behördliche Nutzung von Hybriden müssten gekoppelt sein an ein Zählsystem, das ermittelt, wie viel tatsächlich elektrisch gefahren wird – oder ob der „Umweltfreundliche“ nicht nur ein schickes Mogel- und Sparpaket ist. Ob E-Autos das Modell der Zukunft sind? Vielleicht gebe es in fünf Jahren ja ganz andere technisch-organisatorische Ansätze: synthetischen Kraftstoff, Wasserstoffmotoren ...

Autohaus Noack Uhyst (Honda, Seat) 

Auf den Punkt gebracht: Hybriden habe man gut verkauft, aber E-Autos: Null!

Autohaus Am Wasserturm Hoyerswerda (Citroën) 

Hier kann man nichts sagen, weil: es gibt keine Nur-Stromer der Franzosen. Erst mit dem Ami soll sich das ändern.

Autohaus Kieschnick Hoyerswerda (Ford, Volvo)

Deckungsgleiche Situation: Es gab/gibt noch keine Elektropuristen. Erst 2021 sollen ein Ford (Mustang) und ein Volvo (XC40) der gehobenen Klasse vollelektrisch erhältlich sein. Bestellen könne man sie schon, „aber der Kunde will «sein» Auto gern vorher in natura sehen“ – schwer zu sagen, wie sich das Interesse entwickelt:

Autozentrum Bläse Hoyerswerda (Suzuki)

Auch Suzuki baut keine puren E-Autos. Und der Chevrolet Bolt ist in Deutschland ja nur als Opel Ampera-e erhältlich.

Autohaus Hannuschka Großräschen (Opel)

Man ist optimistisch, mit dem Corsa-e die Basis gelegt zu haben, das Jahr 2024 vorzubereiten – dann sollen alle Rüsselsheimer Modelle vollelektrisch sein. „Es gibt jetzt schon Interessenten“, hieß es, vor allem aus dem Bereich der Hausbesitzer, die selber Strom produzieren und den Mitnahme-Effekt nutzen wollen.

Autohaus Mosig Hoyerswerda (Dacia, Kia, Nissan, Renault)

Freundlich reserviert-optimistisch: Es gebe vereinzelte Verkäufe, vor allem an private Hausbesitzer vom Lande. In der Stadt als Mehrfamilienhaus-Mieter sei das Über-Nacht-Laden-Können ein Problem. Davon, dass man von E-Anfragen überrannt werde, könne allerdings keine Rede sein. 

Autohaus Schiefelbein Hoyerswerda (Škoda, Toyota)

Škoda, muss das Hoyerswerdaer Autohaus Schiefelbein mitteilen, habe eine Art „Luftloch“: Die Produktion des Citigo e iV sei eingestellt worden; der Enyak iV soll erst noch kommen. Hybriden (speziell Plug-in-Hybriden) verkaufen sich dagegen glänzend: „Der Bedarf ist höher als das Lieferkontingent.“ – Auch Toyota hat statt vollelektrischer Modelle derzeit nur Hybriden im Portefeuille.

Autohaus Nieß Dörgenhausen (Mitsubishi)

Mitsubishi, einst Vorreiter der Elektromobilität, baut keine puren Elektriker mehr, hat die Fertigung des MiEV im Herbst 2020 eingestellt. „Ein großes Minus für die Marke“, bedauert man bei Nieß. Mit dem Wegfall des emissionsfreien Kleinwagens verändert sich der Flottenverbrauch, also letztlich der CO2-Ausstoß aller Modelle eines Herstellers. Dafür gelten in Europa gesetzliche Höchstwerte, aktuell 95g CO2/km. Für den Verkauf eines E-Autos gibt es „Super Credits“, also Zugeständnisse, die den Flottenverbrauch überproportional senken. Immerhin der einst von TAGEBLATT getestete MiEV läuft noch – im Autohaus-Dienst.

Autohaus Elitzsch Hoyerswerda/Kamenz (Audi, VW, Seat)

In Kamenz hat man schon einige Autos verkauft. Doch die neuen Modelle müssten den Kunden erst nahe gebracht werden; außer dem Selbst-Sehen seien Beratung, Ausräumen von Vorurteilen und Richtigstellung von Falschinformationen hilfreich. Entscheiden müsse freilich der Kunde selbst, ob das Auto (zu ihm) passt, aber „Elektromobilität ist auf dem Vormarsch.“

TG Autohandelsgesellschaft Hoyerswerda (Hyundai)

Es heißt, man liefere noch in diesem Jahr eine ansehnliche Charge Elektromobile aus, die den Sommer über online bestellt worden waren. Allerdings: Das meint Elektro-Hyundais von TG deutschlandweit. In Hoyerswerda sei das Publikum reservierter.

Mehr zum Thema Hoyerswerda