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Schwarzkollm ist älter als angenommen

Ein von der Krabat-Mühle initiiertes Forschungsprojekt führte zu einer überraschenden Erkenntnis.

Hans-Jürgen Schröter zeigt einen Ausschnitt einer topografischen Karte aus dem Jahr 1759 zum Markgrafentum Oberlausitz mit Bezug auf Schwarzkollm.
Hans-Jürgen Schröter zeigt einen Ausschnitt einer topografischen Karte aus dem Jahr 1759 zum Markgrafentum Oberlausitz mit Bezug auf Schwarzkollm. © Foto: Andreas Kirschke

Schwarzkollm/Wittichenau. Wie alt ist der Ort Schwarzkollm? Was verbindet die dortige Krabat-Mühle mit dem historisch verbürgten kroatischen Obristen Johann von Schadowitz (1624-1704)? Diesen und weiteren Fragen ging seit Januar ein Forschungsprojekt nach – initiiert und finanziert von der Erlebnishof Krabat-Mühle Schwarzkollm gGmbH. „Die versteckte Geschichte Schwarzkollms und ein kurfürstlich-sächsischer Obrist in der Krabatsage von Martin-Noack Neumann entschlüsselt“ war der Titel. Susann Wuschko (Stadtführerin in Dresden) und Hans-Jürgen Schröter (Familiengeschichts- und Erbenforscher in Wittichenau) forschten gemeinsam. Mit Letzterem kam TAGEBLATT ins Gespräch.

Herr Schröter, wie kam es zum Forschungsprojekt?

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Im vorigen Jahr wollte ich in der Krabat-Mühle einen Vortrag halten. Dabei sollte es bereits um die Geschichte des Ortes Schwarzkollm und die historisch verbürgte Figur des kroatischen Obristen Johann von Schadowitz gehen. Corona-bedingt fiel der Vortrag aus. Tobias Zschieschick, Geschäftsführer der Krabat-Mühle, regte einen neuen Termin an. Im Rahmen meiner Vorbereitung stieß ich dann im Internet auf Susann Wuschko und ihre Webseite. So stellte ich fest, dass sie als gebürtige Schwarzkollmerin nicht nur den sorbischen Mythen, Sagen und Göttern nahesteht, sondern sich auch mit der Ur-Identität der Sorben beschäftigt. Ich schlug vor, sie als Mitstreiterin in das Projekt zu integrieren. Tobias Zschieschick war einverstanden. So kam es in Schwarzkollm zur ersten gemeinsamen Beratung. Dazu luden wir Pfarrer Heinrich Koch aus Hoyerswerda mit ein. Der Ideenreichtum führte uns zum Redakteur und Maler Měrćin Nowak-Njechorński (1900-1990) und seinem Buch „Meister Krabat“, dessen Inhalt wir in vier Motivkreise aufteilten. Zu den ersten zwei Themenschwerpunkten „Jugendzeit“ und „Schwarzkollm als Ort des Geschehens“ stellten wir jetzt erste Ergebnisse vor.

Worauf zielte das Forschungsprojekt?

Es ging darum, die Schwarzkollmer Geschichte im Zusammenhang mit dem Mythos des Zaubermeisters Krabat zum einen und zum anderen im Zusammenhang mit der historischen Person des Johann von Schadowitz zu untersuchen. Dabei ging es uns nicht nur um Ortsgeschichte, sondern auch um die Kirchengeschichte, die Mühlengeschichte, die Schadowitz-Geschichte und den ureigenen Mythos Krabat.

Was hat Sie selbst an diesem Forschungsprojekt gereizt?

Wie allgemein bekannt, befasse ich mich seit Jahren mit der Lebensgeschichte des historisch verbürgten Obristen Johann von Schadowitz und dessen Bezug zum Krabat-Sagenstoff. Dabei spielt die Ortsgeschichte Schwarzkollms auch eine gewisse Rolle. Sie genauer zu untersuchen, reizte nicht nur mich, sondern auch Susann Wuschko.

Womit konkret befasste sich Susann Wuschko im Projekt?

Sie hat die mystische Seite der Krabatsage tiefer untersucht. Sie hat sie vom Volksglauben und den Ursprüngen her betrachtet – basierend auf dem historischen Fundament. Durch sie haben wir unterschiedliche Wortbedeutungen wie z. B. zum Begriff „Coselbruch“ und „Koraktor“ darstellen können. Durch ihre Forschungen waren wir in der Lage, vor Ort vorkommende Flurbezeichnungen näher zu erläutern und in den geschichtlichen Kontext zu stellen.Womit befassten Sie sich?Ich habe die historische Seite der Krabat-Sage weiter untersucht. Unter anderem ging es mir um das Alter des Ortes Schwarzkollm, um dessen Urkundengeschichte, auch um die Kirchengeschichte und um die Geschichte der Mühle im Koselbruch.

Wie alt ist Schwarzkollm wirklich?

Bisher nahmen wir an, dass die erste urkundliche Erwähnung Schwarzkollms auf 1394 datiert. Vermerkt ist das im Testament des Bautzener Domdekans Heinrich Porschin aus eben diesem Jahr. Doch wie nun eine genauere Untersuchung zeigt, ist die Verortung dieser Urkunde auf Schwarzkollm nicht zutreffend. So besagt eine Urkunde aus dem Jahr 1401, dass der Ort bereits 1382 im Besitz des Benesch von der Duba und davor im Besitz weiterer Könige und Lehnsherren war, die man bis zur Teilungsurkunde der Standesherrschaft Hoyerswerda aus dem Jahr 1268 zurückverfolgen kann. Mit Sicherheit ist Schwarzkollm daher älter. Denn im Jahr 1268 teilte Markgraf Otto IV. von Brandenburg das Gebiet der alten Standesherrschaft Hoyerswerda zwischen Bautzen und Görlitz auf. Zudem legte er fest, dass zukünftig keine neuen Güter zu den bereits vorhandenen Gütern aufgebaut werden dürfen, sofern nicht ein gemeinsamer Wille und eine Übereinstimmung der Landesherren gegeben ist. Daraus lässt sich im Umkehrschluss schließen, dass die in der Urkunde von 1401 genannten Dörfer der Standesherrschaft Hoyerswerda, darunter auch Schwarzkollm, bereits vor 1268 bestanden haben.

Wie gut kannte Johann von Schadowitz Schwarzkollm?

Johann von Schadowitz diente als Obrist und Leibwächter nachweislich vier sächsi-schen Kurfürsten. Ihre Jagd-Reisen, Lust-Reisen und Winter-Reisen führten immer wieder auch in die Standesherrschaft Hoyerswerda. Der Kurfürst war dann im Schloss Hoyerswerda untergebracht. In den nahen Wäldern ging er der Schwarzwild- oder Wolfsjagd nach, wohnte der Auerhahnbalz bei oder amüsierte sich bei Schlittenfahrten. Von daher kannte auch der historisch verbürgte Schadowitz den Ort Schwarzkollm und die Standesherrschaft Hoyerswerda ganz gut.

Taucht Schadowitz eigentlich in der Schwarzkollmer Dorfchronik auf?

Nein. Jedenfalls gibt es bislang keine Hinweise darauf. Die frühere Schwarzkollmer Kirchen-Bibliothek mit ihren über 400 Büchern existiert leider nicht mehr. Wie sie verloren ging, wissen wir nicht. Die Schwarzkollmer Kirchenbücher indes gibt es noch ab 1618. Doch sie sind lückenhaft.

Wie stark sorbisch geprägt war der Ursprung Schwarzkollms?

Die älteste bislang bekannte Kartierung des Ortes stammt von 1621. Sie zeigt komplett das Dorf mit ihren Wegen, Flussläufen, Wäldern, Feldern, Fluren. Diese tragen sowohl sorbische als auch deutsche Namen. So war es auch mit den Dorfbewohnern. Davon zeugt die Einwohner-Liste von 1569.

Welches erste Fazit ziehen Sie zum Forschungsprojekt?

Schwarzkollm ist älter als bislang angenommen. Der Dorfname und die Flurnamen sind tief im Volksglauben verwurzelt. Susann Wuschko und ich wollen weiter zusammen forschen und uns regelmäßig darüber austauschen. Es gibt kein vergleichbares Beispiel, bei dem eine Sage auf einem historisch verbürgten Fundament beruht.

Wie geht es weiter?

Wir wollen (so bald wie möglich) die Ergebnisse des dritten und vierten Motiv-Kreises vorstellen. Die Erkenntnisse sollen auf meiner Internetseite (www.familienforschung-sachsen.de) und auf Susann Wuschkos Seite (www.dresden-und-umland-erleben.de) veröffentlicht werden. In Vorträgen, Büchern und Ausstellungen wollen wir die Forschungsergebnisse weiterhin erläutern. Unser Projekt ist integriert ins Gesamt-Projekt zu Johann von Schadowitz.

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