merken
PLUS Hoyerswerda

Schwarzkollmer treten auf die Bremse

Das Verkehrsaufkommen macht den Dorfbewohnern zu schaffen. Es gibt Ideen, wie für Abhilfe gesorgt werden kann.

Das war mal eine Phase mit weniger Verkehr auf der Staatsstraße in Schwarzkollm. Und auch der Fahrzeugführer bremste kurz hinter dem Ortseingangsschild, aus Richtung Neukollm kommend, vorbildlich ab.
Das war mal eine Phase mit weniger Verkehr auf der Staatsstraße in Schwarzkollm. Und auch der Fahrzeugführer bremste kurz hinter dem Ortseingangsschild, aus Richtung Neukollm kommend, vorbildlich ab. © Foto: Ralf Grunert

Schwarzkollm. Der Fahrzeugverkehr im und durch ihr Dorf ist das seit Jahren größte Ärgernis der Schwarzkollmer. Das machten sie in dieser Woche auch beim Besuch des neuen Hoyerswerdaer Oberbürgermeisters Torsten Ruban-Zeh in der Sitzung des Ortschaftsrates deutlich. Auf der 1,8 Kilometer langen Ortsdurchfahrt gebe es eine erhebliche Zunahme des Verkehrsaufkommens, beklagte Ortschaftsratsmitglied Klaus Winzer. 

Der Lkw-Verkehr in beide Richtungen sei immens. Zwar dürfen die Brummis in der Ortslage nur maximal 30 km/h fahren. Das jedoch verleite Auto-Fahrer zum Überholen, wodurch es wiederum zu gefährlichen Situationen für Fußgänger und Radfahrer kommt, wie zu beobachten sei. Hinzu, so Klaus Winzer weiter, käme seit diesem Jahr auch ein extrem gestiegenes Reisebus-Aufkommen. Stark gestiegen sei zudem der Verkehr auf der Verbindungsstraße zwischen Waldesruh und Bröthen, die ja die Ortslage quert. Hier wird ebenfalls nach einer Möglichkeit der Verkehrsberuhigung gesucht. Die erhöhte Frequenz der Geschwindigkeitskontrollen auf der Ortsdurchfahrt hat bislang nichts gebracht, so die Einschätzung von Klaus Winzer. „Dafür zeigt aber die neue Geschwindigkeitsanzeige am Ortseingang aus Richtung Neukollm Wirkung.“ Zumindest bis zum stationären Blitzer. Von da an wird auf der folgenden Geraden wieder beschleunigt, sagt er.

Küchen-Profi-Center Hülsbusch
Nichts anbrennen lassen und ab nach Weinböhla!
Nichts anbrennen lassen und ab nach Weinböhla!

Schon Goethe wusste: Essen soll zuerst das Auge erfassen und dann den Magen. Das gelingt besonders gut in einer schicken neuen Küche. Jetzt zum Küchen-Profi-Center Hülsbusch und sich beraten lassen.

Erste denkbare Varianten

Wie lässt sich nun aber eine Verkehrsberuhigung für das Dorf bewerkstelligen? „Eine Brücke könnte in naher Zukunft für uns von großer Bedeutung sein“, kam Klaus Winzer auf das von Lauta, Hoyerswerda und dem Landratsamt Bautzen angeschobene Verkehrsprojekt (siehe unten stehenden Artikel) zu sprechen. Erste denkbare Varianten für eine Veränderung der Verkehrsführung gebe es bereits. In diesem Zusammenhang müsste die Notwendigkeit eines Ausbaus der Kreuzung am Schwarzkollmer Bahnhof neu betrachtet werden.

Für Schwarzkollm würde allerdings nur eine Variante Sinn machen, die den Verkehr weitestgehend von der Ortslage fern hält. So gibt es die Idee, eine neue Straße zu errichten, die von der B 97 zwischen dem Abzweig nach Zeißholz und Neukollm in Richtung B 96 bei Lauta führt, inklusive neuer Zubringerstraßen von Schwarzkollm und dem Lautaer Ortsteil Leippe-Torno, der ebenfalls unter dem Lkw-Verkehr leidet. Eine zweite Idee des Ortschaftsrates betrifft die vor Jahren einmal geplant Querverbindung zwischen der B 97 in Bernsdorf und einem Autobahnzubringer bei Lauta Dorf. „Im Strukturwandel sollte auch diese Strecke wieder in die Überlegungen aufgenommen werden.“ Dies insbesondere im Hinblick auf die Planungen für die Milau, die angedachte Verkehrsverbindung zwischen Mitteldeutschland und der Lausitz. Durch den Ausbau vorhandener Bundes- und Staatsstraßen, so die Vorstellung, soll ein Anschluss an das Autobahnnetz im Westen und an einen neuen Grenzübergang nach Polen hergestellt werden.

Verkehrsinsel und Anzeigetafeln

Kurz und knapp formuliert lauten die Schwarzkollmer Wünsche so: Verlegung der Staatsstraße außerhalb der Ortslage. Errichtung einer Brücke im Bereich Waldesruh zur Bahnquerung, aber nur mit indirekter Anbindung von Schwarzkollm. Als zeitnah zu realisierende Maßnahmen, die zu einer Verkehrsberuhigung beitragen sollen, betrachtet der Ortschaftsrat die Errichtung einer Verkehrsinsel auf der Staatsstraße am Ortseingang aus Richtung Neukollm kommend bis zum Jahr 2022 – und schon im 1. Quartal 2021 sollen zwei weitere Geschwindigkeitsanzeigen installiert werden, eine am Waldesruhweg und eine weitere im Zentrum an der Dorfstraße in Fahrtrichtung B 97 und Neukollm. Zudem gibt es den Anstoß, über eine Einbahnstraßenregelung bei Großveranstaltungen in der Krabat-Mühle auf dem Koselbruchweg und dem Mühlenweg nachzudenken.

Entweder Brücke oder Kreuzung

Als „hochinteressant“ bezeichnete der OB das Gehörte. „Wir werden versuchen, das Ganze in das Thema Milau mit reinzubringen und hierbei auch über eine Ortsumgehung nachdenken“, erklärte er nur wenige Tage nach seinem Antrittbesuch beim Wirtschaftsminister in Dresden, bei dem auch die Verkehrsanbindung der Region ein Thema war. Eines stellte er in diesem Zusammenhang schon mal klar: „Wenn eine Brücke gebaut wird, wird es keinen Kreuzungsausbau geben.“ Anstelle von Kreuzung und Bahnübergang würde den Schwarzkollmern ein Fußgängertunnel gefallen, ließen sie mehrfach anklingen.

„Wir werden, was die Dorfstraße angeht, nicht leiser“, versicherte Ortsvorsteherin Claudia Jurisch angesichts der Aufforderung des OB, an den für das Dorf wichtigen Themen dranzubleiben.

Brückenbau übers Bahngleis zwischen Schwarzkollm und Lauta wird untersucht

Bei einer Variantenprüfung geht es aber auch um eine mögliche neue Straße.

Hoyerswerda. „Höhenfrei“ heißt das Zauberwort für einen neuen Bahnübergang im Bereich Schwarzkollm / Lauta. Der Begriff wird von Fachleuten benutzt, wenn sie über eine Brücke oder einen Tunnel sprechen. Er findet sich auch in einem Beschlussvorschlag der Stadtverwaltung, der jetzt im Verwaltungsausschuss sowie im Technischen Ausschuss des Stadtrates auf deren nichtöffentlichen Tagesordnungen stand. Am Monatsende liegt er im Stadtrat.

Das Problem: Nachdem 2015 der Bahnübergang an der Lautaer Oststraße modernisiert worden war, blieben die Schranken wegen bestimmter Vorgaben im Zusammenhang mit der Stellwerkstechnik länger geschlossen. „Ewig warten am Bahnübergang – Lautas Bürgermeister will das nicht akzeptieren“, lautete damals eine Schlagzeile im TAGEBLATT. Inzwischen ist nach der Fertigstellung des Ausbaus der Niederschlesischen Bahn-Magistrale auch noch der Umstand dazu gekommen, dass der Güterverkehr zunimmt.

Die Lösung steht im Titel des erwähnten Beschlussvorschlags: „Variantenuntersuchung und Planung eines höhenfreien Bahnübergangs“. Die Stadt Hoyerswerda ist einbezogen, weil zwischen der Lautaer Oststraße und Schwarzkollm-Waldesruh die Stadtgrenze verläuft. Und genau für diesen knapp zwei Kilometer langen Abschnitt soll nun untersucht werden, wie das Problem am besten in den Griff zu bekommen ist. Partner der Städte wären für die erwähnte Planungsvereinbarung der Kreis Bautzen sowie Sachsens Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv).Es geht bei der Variantenuntersuchung neben der diskutierten Straßenbrücke übers Bahngleis auch um einen möglichen Straßenneubau. Die Idee: Aus Schwarzkollm kommend müsste man nicht mehr über den Bahnübergang am Schwarzkollmer Bahnhof auf die B 96, sondern könnte zuvor nach links in Richtung Lauta abbiegen; mit Anbindung an die Oststraße beim Leippe-Torno-Center – und umgedreht. (mk)

Mehr zum Thema Hoyerswerda