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Schwerstarbeit im Schein-Stillstand

Die Lausitzhalle Hoyerswerda ruht wie alle Kulturstätten. Aber es gibt reichlich zu tun – sogar mehr als im Regelbetrieb.

Von Uwe Jordan
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Lausitzhalle Hoyerswerda. Großer Saal, gesehen von der Bühne her. Einziger Besucher (fürs Foto) ist Geschäftsführer Dirk Rolka.
Lausitzhalle Hoyerswerda. Großer Saal, gesehen von der Bühne her. Einziger Besucher (fürs Foto) ist Geschäftsführer Dirk Rolka. © Foto: Uwe Jordan

Hoyerswerda. Es ist dunkel und kühl im Großen Saal der Lausitzhalle. 800 Besucher waren hier letztmals vor dem 13. März 2020 zu Gast. Späterhin gab’s einige Veranstaltungen mit weitaus weniger Besuchern; meist sogar nicht kultureller Art; aber im Wesentlichen ist seit dem ersten Corona-Lockdown der Parade-Raum in eine Art Dornröschen-Schlaf verfallen.

Ja – was macht eigentlich ein solches Haus, wenn es nichts machen darf? Wobei die Frage falsch gestellt ist. Denn nicht machen darf die Lausitzhalle im Wesentlichen „nur“ Kultur. Ansonsten haben die Mitarbeiter gut zu tun, sagt Lausitzhallen-Geschäftsführer Dirk Rolka. Mehr sogar als vor jenem Schlüsseldatum. Nur sind es meist ungewohnte, neue Tätigkeiten wie das behördlicherseits notwendig gemachte Schreiben von Konzepten für die Sicherheit von Veranstaltungen. Denn die gibt es – sie werden nur nicht in der Öffentlichkeit wahrgenommen. Ferner sind es Vorbereitungen für den „Tag Ö“(ffnung): „Warmhalten“ des Hauses und Planungen/Kontakt-Halten zum Wiederanlauf des Normalbetriebs.

Um die 100 Veranstaltungen

„Warmhalten“ heißt neben dem tatsächlichen Wortsinne auch: Instandsetzungsarbeiten, Revisionen von Licht- und Tontechnik, Funktionsproben, sicherheitstechnische Prüfungen ... Der „Bauteil 1“ mit dem Großen Saal ist weitestgehend abgeschiebert; ein Zustand, den es in 35 Jahren Geschichte so noch nicht gab.

Konferenz-Zentrum Lausitzhalle

Heizung und Lüftung wurden auf das zur Betriebs-Erhaltung notwendige Maß heruntergefahren; elektrische Schaltkreise (etwa zur Beleuchtung) wurden minimalisiert neu geordnet – alles, um Kosten zu sparen. Bauteil 2, also Verwaltung und vermietete Bereiche (Sparkasse, Musikschule, Volkshochschule, Fahrschule, Versorgungsbetriebe ...) laufen wie gehabt weiter. Auch die Forumsäle! Denn die werden weiter rege genutzt. Ungefähr 90 Veranstaltungen habe die Lausitzhalle anno 2020 gehabt (davon vielleicht zehn kulturelle); 2021 waren es sogar etwa 100. Freilich keine Konzerte und sonstige Bühnen-Aufführungen, sondern Konferenzen, Tagungen, Foren, Schulungen ... Denn Ärzte, Apotheker, Rechtsanwälte und andere mehr haben, freilich von der Lausitzhalle kräftig umworben, entdeckt, dass hier raum- und preismäßig ideale Bedingungen herrschen, um „interne“, aber notwendige Treffs auszurichten – bis hin zu Betriebsversammlungen. Dafür hat die Lausitzhalle kräftig in Konferenz-Technik investiert; kann den Gästen jetzt maximalen Komfort in Sachen Video und Mikrofonie bieten. Das wissen die Nutzer zu schätzen – und sagen’s weiter. Das alles will natürlich vorbereitet sein.

Bilder aus der Seefahrt

Genug zu schaffen für die Mitarbeiter, die von Anfang an im Kurzarbeits-Modus sind. Das war keine leichte Entscheidung, aber, wie sich zeigt, betriebswirtschaftlich die einzig richtige. Dirk Rolka setzt das Ganze, Kurzarbeit und Herunterfahren des Hauses, in ein maritimes Bild: „Auf einmal findet man sich mitten auf dem Ozean. Tanks und Lager sind nur noch halb voll. Damit ist es nicht bis zum Hafen zu schaffen, wenn alles wie gewohnt weiter laufen gelassen wird. Aber: wenn nicht mehr alle Salons geheizt werden, sondern nur noch ein Gemeinschaftsraum; wenn die Rationen gekürzt werden und die Maschinen ganz sparsam mit 30 Prozent der Leistung arbeiten – dann könnten wir es doch schaffen.“

Nicht zu vergessen: Ein Durchstehen dieser Zeit und einen Neustart kann und konnte es auch nur geben durch den Verbund der Halle mit den Städtischen Wirtschaftsbetrieben Hoyerswerda (SWH): „Es geht nur, wenn eine gute Reederei hinter dem «Kreuzfahrtschiff» steht und Stillstandsmomente durch die Leistung der anderen Schiffe aufgefangen werden. Der SWH-Verbund war uns eine starke Stütze.“

Apropos Arbeit: Zwangs-ausgefallene Veranstaltungen sind ja nicht einfach so „weg“, sondern mit doppelter Mühe verbunden: Rückabwicklung (auch des Kartenvorverkaufs), „Spiegeln“ (also genau so für einen anderen Termin neu vorbereiten). Und dann gilt es natürlich, vorbereitet zu sein, wenn wieder losgelegt werden kann. Das wird freilich nicht am ominösen 14. Januar, dem Tag der großen Corona-Lockerungen, so sein, denn Kultur braucht Vorlauf. Agenturen müssen die Künstler wieder zusammenbekommen, Tourneen neu planen, den Vorverkauf ankurbeln ...

Musikfesttage und Atriums-Sommer

Und die Veranstaltungen der Halle sind ja circa 80 Prozent Einmietungen; nur 20 Prozent sind Eigenproduktionen wie Musikfesttage und Weihnachtsmärchen. „Wir sind immer noch dabei, zu verschieben“, sagt Dirk Rolka. Er hofft, dass im April mit einem Rumpfprogramm gestartet werden kann – und nach zweijähriger Zwangspause im April/Mai wieder die Hoyerswerdaer Musikfesttage stattfinden können. Auch mit einem DaCapo des Atrium-Sommers, der im letzten Jahr gut angenommen wurde, rechnet Rolka vorsichtig optimistisch. Ihm ist eines wichtig: ein ganz großer Dank an alle Mitarbeiter, die klaglos diese Zeit nicht nur mit durchgestanden, sondern gestaltet haben – und darauf brennen, wieder das tun zu dürfen, was ihre Berufung ist. Nochmal ein Seefahrts-Vergleich: „Seit dem 13. März 2020 liegen wir fest vertäut am Ufer. Aber wir sind bereit, sobald es heißt: «Leinen los!», wieder Große Fahrt aufzunehmen.“

Diese Tür vor den Toiletten im Foyer rechts MUSS natürlich geöffnet werden.
Diese Tür vor den Toiletten im Foyer rechts MUSS natürlich geöffnet werden. © Foto: Uwe Jordan
Dahinter erblickt der Neugierige in einem Spiegel: sich und diesen Spruch.
Dahinter erblickt der Neugierige in einem Spiegel: sich und diesen Spruch. © Foto: Uwe Jordan
Großer Saal, gesehen vom „Ganz- oben-“ Regiepult zur jetzt vorhanglosen Bühne hin.
Großer Saal, gesehen vom „Ganz- oben-“ Regiepult zur jetzt vorhanglosen Bühne hin. © Foto: Uwe Jordan
Forumsaal im Obergeschoss: Ort von Konferenzen, Tagungen, Betriebsversammlungen ...
Forumsaal im Obergeschoss: Ort von Konferenzen, Tagungen, Betriebsversammlungen ... © Foto: Uwe Jordan