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Sechs Hektar Platz zum Gärtnern

Mit Mitte Zwanzig hat es einen Potsdamer nach Hoyerswerda in den Zoo verschlagen – ein einmaliges Job-Angebot.

Tim Garbrecht hat im kleinen Gewächshaus des Zoos unter anderem diese Papayas herangezogen. Mitte des Jahres werden sie wohl ins Tropenhaus umziehen können.
Tim Garbrecht hat im kleinen Gewächshaus des Zoos unter anderem diese Papayas herangezogen. Mitte des Jahres werden sie wohl ins Tropenhaus umziehen können. © Foto: Uwe Schulz

Hoyerswerda. Beim Auto-Quartett und ähnlichen Formaten sticht die Karte mit der Höchstgeschwindigkeit oder der größten Leistung. Wenn Tim Garbrecht in einem Garten-Quartett mitspielen würde, hätte er die Trumpfkarte. Denn welcher 25-Jährige hat schon einen Garten, der 6 Hektar groß ist, oder umgerechnet 60.000 Quadratmeter?

Nun ja, es ist kein Freizeitgarten und auch keiner zur Selbstversorgung. Und genau genommen ist ja auch nur rund die Hälfte der Anlage Grünland. Doch es ist ein Garten für einen Vollzeit-Job. Den hat Tim Garbrecht im Mai 2020 in Hoyerswerda angetreten – als Zoogärtner. Seitdem ist er hier für die Grünpflege zuständig.

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Die ersten Wochen wurde er von seiner Vorgängerin Marlen Marre eingearbeitet. Er hat es im Zoo mit rund zwanzig Baumarten, gut 30 Kübelpflanzen und 300 sonstigen Kulturen zu tun. Und natürlich mit reichlich Rasenfläche. Es gibt vieles zu beachten. Gelernt hat der Potsdamer seinen Beruf in der Fachrichtung Zierpflanzen im Botanischen Garten am Nordrand von Sanssouci, wo von der Universität Potsdam in öffentlich zugänglichen Gewächshäusern rund 4.600 tropische und subtropische Pflanzen kultiviert werden. Auf der Freifläche kommen noch einmal 4.000 Pflanzenarten dazu. Da ist das Grün-Angebot im Zoo Hoyerswerda schon fast überschaubar. Dafür gibt es hier ganz andere Dinge zu beachten als in einem Ziergarten oder einem botanischen Garten. „Es gibt unzählige Fachliteratur zur Wirkung von Pflanzen auf Menschen, aber nichts zum Thema Pflanzen und Zootiere“, sagt Tim Garbrecht. Wer darf was fressen und was nicht? Chemische Pflanzenschutzmittel gehen gleich gar nicht und selbst das Thema Düngen ist schwierig, wenngleich erforderlich.

Die Großstadt eingetauscht

Doch er liebt den Beruf und ackert sich in die Themen ein. Denn die Gärtnerei ist sein Ding. Nach der Berufsausbildung gab es zunächst keinen Job dafür. Also begann er ein Studium in der Richtung Gartenbau und Politik auf Lehramt. Da hatte er sich aber wohl etwas anderes drunter vorgestellt und schaute sich nach Stellen als Gärtner um. Dabei stieß er auf die Ausschreibung in Hoyerswerda. Zoogärtner hatte er für sich persönlich bis dahin noch nicht auf dem Schirm gehabt, Hoyerswerda als Wohn- und Arbeitsstadt auch nicht. Er bewarb sich einfach, schaute sich den Zoo das erste Mal an dem Tag an, an dem er zum Bewerbungsgespräch eingeladen war. Letztlich bekam er die Stelle und zog wenig später nach Hoyerswerda, nahm sich hier eine Wohnung. Mit Mitte 20 ist eine Stadt wie Hoyerswerda freilich kein Vergleich zu Potsdam mit seinen Möglichkeiten. In Lockdown-Zeiten relativiert sich das freilich alles. Tim Garbrecht formuliert es recht freundlich: „Das Leben hier ist sehr ruhig.“ Andererseits ist er gern mit dem Rad unterwegs, wandert und fotografiert, hat die Elster im Bereich der Jenschwitz für sich entdeckt. Und er probiert sich auch gern Zuhause beim Thema Pflanzen aus.

Herausforderung Trockenheit

Seine Großeltern und Urgroßeltern haben selbst noch Landwirtschaft betrieben. In seinen Kinder- bzw. Jugendtagen sind seine Eltern mit ihm in ein Haus umgezogen, zu dem auch Gartenland gehörte. Also kam er schon damals mit Gartenarbeit in Berührung und auch zu der Erkenntnis, dass alles, was man pflanzt und das blüht, eben auch größer wird. Der Berufswunsch Gärtner keimte letztlich in der 13. Klasse. Die Arbeit des Gärtners im Zoo ist vielfältig. Natürlich soll es an allen Stellen möglichst immer gleich gut und gepflegt aussehen. Die Beseitigung des Laubs dauerte bis in den Winter. Im Sommer hatte man mit der großen Trockenheit zu tun. Eine Bewässerung für das Grün gibt es nur in der runderneuerten Pinguinanlage. Ansonsten gibt es im ganzen Zoo Wasseranschlüsse. Also fährt man mit dem Schlauchwagen hin, schließt Regner oder Brause an und los gehts. Letztlich werden aber nur die Schalen, Kübel und ausgewählte Beete gewässert und einige wenige Bäume wie der Feldahorn an der Kasse und die Ahorne bei den Leoparden. Der Rasen ist zu kalken. Und wenn es etwas in den Gehegen oder Vorgehegen zu tun gibt, dann stimmt sich der Gärtner eben mit dem jeweiligen Revier ab. Das tut er auch, wenn er dort an der Bepflanzung etwas ändert. So wurde beispielsweise die Anlage der Bartagame im Tropenhaus etwas anders gestaltet, eher wie in einem Trockenbereich.

Im Prinzip ist der Job des Zoogärtners einer für eine Person. Aber es gibt eben auch personelle Unterstützung. Auf sechs Hektar ist garantiert immer was zu tun.

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