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Seit 1969 gern zu Hause im Hoyerswerdaer WK V

Der Wohnkomplex (WK) V, der zwischen 1962 und 1964 gebaut wurde, ist durchaus ein liebenswürdiges Wohngebiet.

Irene Hoffmann auf ihrem Balkon im Hoyerswerdaer WK V.
Irene Hoffmann auf ihrem Balkon im Hoyerswerdaer WK V. © Foto: Katrin Demczenko

Von Katrin Demczenko

Hoyerswerda. Vor 61 Jahren ist Irene Hoffmann nach Hoyerswerda-Neustadt gekommen – und sie hat diese Entscheidung nicht bereut. Die junge Säuglings- und Kinderkrankenschwester war zuerst im Ärzte- und Schwesternwohnheim im WK I untergebracht: vier Frauen in einer Zweiraumwohnung. Als Irene Hoffmann ihr erstes Kind bekam, durfte sie ein Zimmer allein bewohnen. Kam aber ihr Ehemann am Wochenende zu Besuch, war es sehr eng.

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Deshalb leistete Familie Hoffmann 1964 Aufbaustunden bei der Arbeiterwohnungsgenossenschaft (AWG) „Fritz Heckert“, heute Wohnungsgenossenschaft LebensRäume Hoyerswerda eG, und erhielt noch im selben Jahr eine Zweiraumwohnung im WK IV. Vor ihrem Schichtbeginn um 6 Uhr hat die Krankenschwester zuerst die eine, dann ihre beiden Töchter mit dem Fahrrad in jene Kindertagesstätte im WK V gebracht, in der sich heute die Bildungsstätte für Medizinal- und Sozialberufe gGmbH befindet. 1969 konnten Hoffmanns im WK V eine größere Wohnung beziehen, und Irene Hoffmann lebt dort heute noch. 45,20 Mark der DDR hat sie seinerzeit monatlich an Miete bezahlt – inklusive (!) Zuschlägen für die Einbauküche, die Antenne, Warmwasser und Heizung. Allerdings habe ihr Monatslohn auch nur 326 Mark betragen. Im Verhältnis passen diese Summen aber zusammen, findet sie.

Lieber etwas Warten, aber Balkon

Als sie damals in die Dreiraumwohnung eingezogen ist, habe es rund um den Viergeschosser noch etwas wüst ausgesehen. Die Hausgemeinschaft hat deshalb Bäume und Sträucher gepflanzt. Kinder mussten sich in den 1970er-Jahren morgens oft allein für die Schule fertig machen, weil die Eltern schon auf Arbeit waren. Da sei es gut gewesen, dass eine Nachbarin ihre Töchter etwas beaufsichtigt hat, erzählt Irene Hoffmann. Früher haben allein in ihrem Aufgang 17 Kinder für Leben gesorgt. In Grüppchen seien sie in die beiden Schulen im WK V gegangen, und nachmittags waren die Jüngeren auf den Spielplätzen zu finden. Irgendein Erwachsener hatte immer ein Auge auf das Treiben. „Heute gibt es im ganzen Haus kein Kind mehr“, sagt Irene Hoffmann etwas traurig. Sie ist froh, einige jüngere Hausbewohner zu kennen, die ihr ab und zu etwas vom heutigen Arbeitsleben erzählen. Die Älteren reparieren ihr das Fahrrad oder bohren ein Loch in die Wand. Im Gegenzug übernimmt sie manchmal kleine Näharbeiten: Miteinander im Haus, wie es vor über 50 Jahren begonnen hat. Irene Hoffmann fühlt sich wohl im WK V und lobt die Mitarbeiter der LebensRäume, die das Ihrige dazu tun.„Das Schönste an meinem Zuhause ist der Balkon, den ich damals unbedingt haben wollte“, sagt die 79-Jährige. Sie zieht dort Blumen und Kräuter, und im Sommer ist das ihr bevorzugter Frühstücks-Platz. Sie habe 1969 einige Wohnungen ohne Balkon abgelehnt und mit dem Umzug etwas gewartet, „und das war richtig“.

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