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Seit fast dreißig Jahren selbstständig

Elisabeth Sygusch verkauft seit 1969 Bücher und will es noch weiter tun.

Elisabeth Sygusch in ihrem Laden vor der Wand, die 2000 herausgenommen und 2008 wieder eingesetzt wurde. Auch ihr Geschäft muss bis in den Januar hinein schließen.
Elisabeth Sygusch in ihrem Laden vor der Wand, die 2000 herausgenommen und 2008 wieder eingesetzt wurde. Auch ihr Geschäft muss bis in den Januar hinein schließen. © Foto: Katrin Demczenko

Von Katrin Demczenko

Hoyerswerda. Bücher für alle Generationen, hochwertige Reproduktionen bekannter Zeichnungen oder Gemälde und Noten für Musikinstrumente verkauft die Buchhändlerin Elisabeth Sygusch seit 1969 in Hoyerswerda – auch wenn der Laden seit dem 14. Dezember wegen Corona schließen musste.

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Damals, vor über 50 Jahren, begann Elisabeth Sygusch ihre Lehre in der Kreisbuchhandlung Friedrichsstraße 30, war im Musikgeschäft in der Kirchstraße gegenüber dem heutigen An- und Verkauf tätig und im Buchpavillon Neustadt. „Eine Baracke ungefähr dort, wo die Lausitzhalle ist, trug diesen Namen“, erzählt Elisabeth Sygusch. Nach ihrer Berufsausbildung und einem Fachschulstudium wurde sie 1975 Leiterin der Volksbuchhandlung „Musik und Kunst“ in der Friedrichsstraße 37. Den rechts liegenden Laden im Erdgeschoss des im Artdeco-Stil errichteten Gebäudes hat sie 1991 als selbstständige Unternehmerin mit ihrer Partnerin Anett Hansch übernommen. Seit 1995 führt sie das Geschäft allein.

Aus den vergangenen 45 Jahren kann die Buchhändlerin verschiedenes berichten. Im Hof hinter dem Laden befand sich die Tischlerwerkstatt von Hubert Skora. Er hat mehrere maßgeschneiderte Bücherregale gebaut, auch jene rund um die steinernen Säulen im Verkaufsraum. Für die Wandfarben dunkelgrün und beige hatte sich die Belegschaft in den 1970er-Jahren selbst entschieden, erzählt Elisabeth Sygusch. Verkauft wurden vor allem Unterhaltungsliteratur für Erwachsene, Kinderbücher, Kunstreproduktionen, Schallplatten und Noten. Wenn schöne Bildbände, Romane von Autoren aus nichtsozialistischen Ländern oder Lizenz-LP’s westlicher Bands in zugeteilten geringen Stückzahlen verfügbar waren, wusste das die Bevölkerung meist schnell. „Die Warteschlangen reichten manchmal bis zur Fleischerei Neugebauer“, weiß die Buchhändlerin noch heute. Grundlegendes hat sich für die Volksbuchhandlung „Musik und Kunst“ mit dem Mauerfall 1989 geändert. Sie wurde wie alle Buchläden des damaligen Bezirkes Cottbus von der Treuhandgesellschaft Lectio Buchhandels GmbH für einige Zeit übernommen. Ziel war, dass die Leiter die kleineren Geschäfte als Inhaber übernehmen. „In Köln fand die Schulung statt, und im August 1991 war ich selbstständig“, sagt Elisabeth Sygusch über diese turbulenten Monate. „Der Buchmarkt war endlich frei, und wir wurden mit Angeboten überschüttet“, erzählt sie weiter. Den DDR-Bürgern vorenthaltene Autoren wie Heinz G. Konsalik und Werke von Christa Wolf oder Christoph Hein, die es nur als „Bückware“ gegeben hat, konnte sie nun in ausreichender Menge bestellen. Das galt auch für CD’s und LP’s aller Musikrichtungen sowie für Noten. Musikinstrumente hat die Buchhändlerin neu in das Sortiment ihres Buch- und Musikhauses Hoyerswerda e.K. aufgenommen.

Im Jahr 2000 ließ die Wohnungsgesellschaft Hoyerswerda das denkmalgeschützte Haus in der Friedrichsstraße 37 sanieren, erzählt Elisabeth Sygusch. Sie übernahm damals das leerstehende Geschäft neben ihrem und erweiterte ihr Angebot unter anderem um Gesellschaftsspiele. Die Vergrößerung der Verkaufsfläche war nur möglich, weil ihr Mann, ein Elektroingenieur mit goldenen Händen, die große nichttragende Wand des Buchladens abgebaut hat. 2008 musste er sie wieder aufbauen, denn nebenan zog ein Antiquariat ein.

An ein Leben als Rentnerin denkt die 67-Jährige Elisabeth Sygusch noch nicht. Sie will ihren Laden weiterführen, solange sie dafür gesund genug ist, denn Bücher und der Kontakt mit Menschen sind ein wichtiger Teil ihres Lebens.

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