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„Sláinte agus táinte!“

Der Irish Pub „Black Raven“ an Hoyerswerdas Einsteinstraße 48 a feiert heute 25-Jahr-Jubiläum.

Von Uwe Jordan
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Thomas „Ecki“ Eckhardt auf der Wiese am Irish Pub „Black Raven“ an Hoyerswerdas Albert-Einstein-Straße 48 a. „Bergmannstach“ ist, es sei Kritikern ins Stammbuch geschrieben: Feinstes Hoch-Hoyerswerdisch!
Thomas „Ecki“ Eckhardt auf der Wiese am Irish Pub „Black Raven“ an Hoyerswerdas Albert-Einstein-Straße 48 a. „Bergmannstach“ ist, es sei Kritikern ins Stammbuch geschrieben: Feinstes Hoch-Hoyerswerdisch! © Archivfoto: Uwe Jordan

Hoyerswerda. Ecki ist stolz. Alle Irish Pubs, die es in Hoyerswerda je gab, aktuell gibt und, wahrscheinlich, geben wird, gehören: Ihm! Was macht es da, dass dieses Imperium aus einem einzigen Haus besteht? Aber das feiert immerhin 25. Geburtstag. Heute. Der „Black Raven“, der „Schwarze Rabe“, der eigentlich gar kein Rabe ist, sondern eine Krähe. Die hatte Reinhard „Pfeffi“ Ständer damals entworfen; Symbol für die Folkmusik-Szene jener Zeit der 80er-/90er-Jahre, und da Folkmusik im neuen „Iren“ eine große Rolle spielen sollte, schwirrte sie auch durch dessen Pläne.

Freilich hätte der noch ganz anders, nämlich irgendwie irischer, heißen sollen, „doch das war alles unwahrscheinlich schwer zu schreiben und zu sprechen“, erinnert sich Thomas Eckhardt, eben Ecki, an die Ideenfindungsphase, wie man neudeutsch sagen würde. Wie wäre es mit einem verbürgten irischen Ortsnamen gewesen, etwa „Tobar na Seacht nIníon“, „Heiliger Brunnen“; was schon irgendwie gepasst hätte; ganz anders als „Mainistir na mBráthar Beag“ („Zugrunderichten“)? Nein; den zündenden Einfall hatte Denis McGrath, schon damals eine Art Patriarch der Folk-Musiker: „Nenn’ es einfach «Black Raven», das klingt doch auch irisch.“ Gesagt, getan. Als Ecki bei der Mülltonnen-Anmeldung auf die Frage der Dame vom Rathaus fürs Formular antworten sollte, wie das Gasthaus denn nun heißen solle, war der „Black Raven“ amtsfest geworden. Die Pfeffi-Krähe wurde ein bisschen umgemodelt – und so der Bogen zum vormaligen Namen geschlagen: Der Jugendclub, den Ecki dort seit 1987 geleitet hatte, wurde zwar im Volksmund genannt „Shop“ (wohl als Adäquat und Abgrenzung zugleich zum „Laden“-Club in der Hufelandstraße), aber offiziell hieß er nach der Albert-Einstein-Straße 48 a, an der er beheimatet war, „Einstein-Club“; und Raben gelten ja als sehr schlaue Vögel, mithin die Einsteins ihrer Zunft.

Gute Tipps von Leprechaun

Genau genommen begann alles mit einem kleinen Stilbruch. Zur Eröffnung am 1. November 1996 spielte keine Irish Folk Band, sondern ein Schotte: Ian Bruce. Aber wer wird schon so kleinlich sein – zumal in den Beständen der Bar unzählige Sorten irischen Whiskeys neben schottischem Whisky stehen. Ecki konnte sich profilieren als Kenner: Wer ihm die schlicht-hochkomplizierte Aufgabe stellte: „Empfiehl mir mal ’nen Whisky“, durfte sich darauf verlassen, dass Ecki das dem Geschmack seines Gastes Entsprechende fand. „In 25 Jahren hab’ ich mich vielleicht zwei, drei Mal vertan – aber sonst hab’ ich es getroffen.“ Wie auch sonst das Irische. Was um so mehr erstaunt, da Ecki in seinem ganzen Leben nur ein Mal in Irland war – und das auch nur für einen Tag! Alles andere hat er sich im „Selbststudium“ beigebracht. Vielleicht hat ihm Leprechaun ein paar Tipps gegeben, der als Plüschfigur zum Raven-Interieur gehört. Kobold Leprechaun ist neben Harfe und Kleeblatt das Wahrzeichen Irlands. Er hat zwei Hauptbeschäftigungen: Er gilt als Schuhmacher der Feen – und hortet Goldmünzen, die er in einem Topf am Ende des Regenbogens versteckt. Ecki hat er noch keine abgegeben – aber es heißt ja nicht umsonst, dass ein guter Rat Goldes wert sei.

25 Jahre „Raven“ – das sind 20 Konzerte im Jahr; Veranstaltungsreihen. Solo-Auftritte; natürlich St.-Patrick’s-Day-Feiern am 17. März; neuerdings 1.-Mai- und Bergmannstags-Feiern – und, durch all die Jahre treu geblieben: der Stammtisch der „Alten Herren“ der Volleyballfreunde Blau-Weiß Hoyerswerda. Den gibt’s seit 1964 („mein Geburtsjahr“, zieht Ecki eine Parallele), und seit 1996 tagt er im „Raben“.

Noch ein Club, dessen Mitglieder hier gerne einkehren: Wen Whisky nicht nahe genug an den Himmel heranträgt – über Ecki kann man auch Kontakt zum „Sky Dive Lausitz“ knüpfen, der gelegentlich Tandem-Fallschirmsprünge anbietet.

Pintglas ist nicht gleich Pintglas

Gar nicht himmlisch, sondern höllisch war 2020: Nicht nur, dass am 30. Oktober, kurz vor dem 24. Club-Geburtstag, alle sächsischen Gaststätten corona-halber schließen mussten – am 20. November schädigte ein feiger Brandanschlag das Haus schwer. Aber am 28. Mai 2021 war, auch dank vielfältigster Hilfe von Freunden, der „Rabe“ wieder da. Da ist es wohl nur ein Problemchen, das Ecki aktuell umtreibt: Bei diesem Brand wurden auch die Pint-Gläser, unverzichtbar für das Guinness-Schwarzbier, großenteils vernichtet. Unter unsäglichen Schwierigkeiten besorgte ein hoyerswerdischer Ire Ersatz – aber zwar waren es Pint-Gläser, jedoch keine Biergläser. Wer in Deutschland ein 0,25-Liter-Glas kauft, hat ja trotz des korrekten Hohlmaßes nicht automatisch eine Tulpe, sondern womöglich ein schlichtes Wasserglas ...Doch auch das wird sich lösen lassen – und so bleibt Eckis Haupt-Geburtstagswunsch: „Dass bald wieder Normalität einkehrt“, dass die Corona-Misere vorbei ist.

Wir wünschen, original gälisch: „Sláinte agus táinte!“ – Glück und Wohlstand!

Stets volles Haus im Hoyerswerdaer Irish Pub „Black Raven“ bei der Party am St. Patrick’s Day, dem höchsten irischen Feiertag für den Schutzpatron des Landes – dem 17. März. Zahlreiche Gäste lauschten hier den Klängen der Frankfurter Musiker von „Two on a
Stets volles Haus im Hoyerswerdaer Irish Pub „Black Raven“ bei der Party am St. Patrick’s Day, dem höchsten irischen Feiertag für den Schutzpatron des Landes – dem 17. März. Zahlreiche Gäste lauschten hier den Klängen der Frankfurter Musiker von „Two on a © Archivfoto: Gernot Menzel