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So fühlt sich eine Fastenkur an

Von Einläufen, Glückswürsten und einer neuen Lebenseinstellung.

Gesunde Ernährung ist nicht schwer – wenn man es verinnerlicht hat.
Gesunde Ernährung ist nicht schwer – wenn man es verinnerlicht hat. © Foto: Silke Richter

Von Silke Richter

Hoyerswerda. Die Autorin hat erstmals an einer Fastenkur teilgenommen. Die Ergebnisse des Selbstversuchs sind für die Hoyerswerdaerin verblüffend und zielgebend zugleich.

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Erster Fastentag

Mein Ziel steht fest. Fastenleiterin Dagmar Steuer hat mir zur richtigen Zeit den richtigen Schubs gegeben. Ich fühle, dass mich nun niemand mehr aufhalten kann. Es gibt Wasser und Tee. Das lässt meine Magenwände nicht mehr so oft aneinanderreiben. Am späten Nachmittag muss ich am Herd vorbei. Da ist noch Fleisch, das übrig ist – und Rotkraut. Die nächste Herausforderung folgt im Supermarkt. Im Eingangsbereich schlägt mir ein köstlicher Geruch in die Nase. ‚Iss mich‘, scheint es aus jeder Ecke zu rufen. Ich sehe mich mit meinen üblichen Ess- und Trinkgewohnheiten konfrontiert. Das Ganze hat schon einen Charakter von Tragikomödie. Wir leben im Schlaraffenland und bedienen uns an allem, was wir wollen. Ich war bisher kein Kostverächter. Und jetzt will ich die Giftstoffe wieder aus meinem Körper eliminieren. Ich muss über mich selbst den Kopf schütteln. In meinem Einkaufswagen landen Gemüsesäfte, Suppengrün für eine Brühe und Tee.

Am Abend beim Online-Meeting höre ich von anderen Teilnehmern der Fastenkur Begriffe wie Puddingbeine, Kopfschmerzen, Hungerattacken und das Gefühl ‚wie durch den Fleischwolf gezogen‘ wird beschrieben. Ich muss sofort an das Wort Fastenkrise denken und trinke nebenbei Schluck für Schluck Karottensaft – in der Hoffnung, davon verschont zu bleiben. Am Abend gibt es Gemüsebrühe zum Löffeln. Mit Pfeffer gewürzt. Das erweckt wenigstens den Anschein, etwas Richtiges zu ‚essen‘.

Zweiter Fastentag

Endlich ein Friseurtermin. Tagsüber berufliche Termine. Und Gemüsesaft zum (langsamen) Löffeln und genießen. Eine Eigenschaft, für die ich früher fast nie Zeit hatte. Das habe ich zumindest geglaubt. Mir geht es blendend und ich frage mich, warum ich das Fasten nicht schon viel eher für mich entdeckt habe. Ich brauche gar keinen Mittagsschlaf mehr. Das erzähle ich abends begeistert in unserer Fastengruppe mit Wohnzimmeratmosphäre. Das macht es leichter, über intime Dinge zu reden. Ich hätte früher nie gedacht, dass ich über Berichte von Stuhlgängen, Einläufen und (bewegten) Darmgeschichten fasziniert sein könnte.

Dritter Fastentag

Mir geht es nach wie vor sehr gut. Ich verspüre viel mehr Energie, Euphorie, Dynamik und ein Kribbeln im Bauch. Heute könnte ich Bäume ausreißen, die ganze Welt umarmen. Bis zum Nachmittag. Das Thema Essen verfolgt mich wie ein Schatten. Bei einem Pressetermin erregt mein lautes Bauchknurren ziemlich viel Aufmerksamkeit. Das sehr fürsorglich gemeinte Angebot eines frisch geschmierten Brotes lehne ich dankend ab. Die größte Herausforderung steht erst am Nachmittag in unserer Küche bevor. Meine bessere Hälfte war einkaufen. Er packt unter meiner Beobachtung Hüftschinken und frische Wurst aus, gefolgt von den Worten: „Du isst doch sowieso nichts.“ Recht hat er. Also gehe ich lieber in die Stube zurück. Dort wird wenig später der Obstteller gefüllt, der nun direkt vor mir steht. Ich leide kurz unter Schnappatmung, bevor ich den Raum verlasse. Gut, dass gleich unser Online-Fastentreffen stattfindet. Heilpraktikerin Grit Kretschmar-Zimmer wird über die Mikrobiom-Therapie berichten. Spannend! Darmflora, zweites Gehirn, der Tod sitzt im Darm, gesunde Ernährung – alles schon mal gehört und im Ansatz auch gelebt. Von der Glückswurst (in der Toilette) höre ich allerdings zum ersten Mal. Ich habe jetzt trotzdem Hunger. Ich muss an Pommes oder Pellkartoffeln mit Quark denken. Die Glückswurst ist mir jetzt egal. Also Fernseher an. Zum Ablenken. Was läuft? Natürlich, eine Back-Sendung! Ich trinke Wasser. Das hilft jetzt auch nicht. Ich muss ins Bett – mit knurrendem Magen.

Vierter Fastentag

Die letzte Nacht war anders. Ich hatte wirre Träume und war dabei in einem Labor. Der Vortrag von Grit Kretschmar-Zimmer wirkt wohl noch nach. Mittlerweile habe ich mich an das gelegentliche Magenknurren gewöhnt. Mir geht es so gut, dass es mir schon unheimlich ist. Die Atmung fällt mir auch leichter. Ich lache, weine und freue mich über gelöste Blockaden.

Fünfter Fastentag

Ich fühle mich wie nach einem Befreiungsschlag. Mein Blick ist viel wacher und ich spüre viel Leichtigkeit. Vor allem auf mentaler Ebene. Der Blick auf die Waage lässt mich kurz etwas jubeln. Denn vier Kilo weniger sind zwar schön, aber das ist mir nur am Rande wichtig. Es geht um mehr. Um viel mehr. Fastenleiterin Dagmar Steuer bringt es auf den Punkt: „Es wird so viel getan, um ein teures Auto zu fahren oder um in ein Haus zu investieren. Aber was ist mit einem selbst?“ Mein Fazit: Ich weiß und lebe es jetzt. Für mich!

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