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Stolz auf die Wurzeln wecken

Der Sorbische Evangelische Heimattag findet am 11. Juli in Hoyerswerda und Bergen statt.

Heinrich Koch
ist Pfarrer der Evangelischen Johanneskirchengemeinde in Hoyerswerda-Altstadt und Koordinator des Heimattages.
Heinrich Koch ist Pfarrer der Evangelischen Johanneskirchengemeinde in Hoyerswerda-Altstadt und Koordinator des Heimattages. © Foto: Andreas Kirschke

Hoyerswerda. 2007 rief ihn der damalige Hoyerswerdaer Pfarrer Joachim Nagel ins Leben. Seitdem findet er Jahr für Jahr kontinuierlich statt – sogar im schwierigen Jahr 2020. Der sorbische evangelische Heimattag in der Region Hoyerswerda ist in diesem Jahr am 11. Juli in Hoyerswerda und Bergen geplant. Pfarrer Heinrich Koch gehört zum Vorbereitungskreis und unterstützt den Heimattag als Koordinator.

Pfarrer Koch, was ist das Ziel des sorbischen Heimattages?

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Steppenzebras, Zebramangusten und Nandus ziehen ihren Nachwuchs ganz unterschiedlich auf.

Er soll eine Einladung sein. Es geht um alle, denen ihre sorbischen Wurzeln wichtig sind. Um alle, die sich daran erinnern wollen. Es geht zugleich um das Weiterleben, um die Weiterpflege, um die Lebendigkeit der sorbischen Sprache. Es geht darum, dass Geschichte vergegenwärtigt wird.

Wer bereitet den Heimattag vor?

Das ist ein circa 20-köpfiger Arbeitskreis. Ihm gehören engagierte Christen aus der Stadt, Bluno, Lohsa, Schleife und weiteren Kirchengemeinden an. Von Anfang an bringt sich auch der frühere sorbische Superintendent Jan Malink aus Bautzen ein.

Welche Inhalte sind geplant?

In der Johanneskirche Hoyerswerda beginnt am Sonntag um 10 Uhr der zweisprachige Abendmahlsgottesdienst. Jan Malink wird predigen. Der Chor Seidewinkel unter Leitung von Kerstin Lieder begleitet den Gottesdienst musikalisch. Für die Jüngsten ist Kindergottesdienst. Mit Kremsern geht es von Hoyerswerda durch Seidewinkel weiter nach Bergen. Nach dem Mittagessen dort im Gasthaus „Zur Linde“ findet das gesamte Programm im Freien auf dem Dorfanger statt. Wir wollen in Bergen zusammen sorbische Volkslieder singen. Wer will, kann bei Birgit Pattoka gleich gegenüber die Schrotholzscheune und das Sorbische Bauernmuseum besichtigen. Dort gibt es auch einen Büchertisch. Sehr freuen wir uns auf das kleine Programm des Bergener Kindergartens „Lutki“ auf dem Dorfanger.

Kommt auch Joachim Nagel (der Ur-Initiator) zum Heimattag?

Nein, das klappt nicht und tut ihm leid.

Endet der Heimattag wieder mit dem traditionellen Ballon-Gruß?

Ja. In den sorbischen Farben steigen am Ende symbolisch blaue, rote und weiße Luftballons in den Himmel. Jeder Ballon enthält einen Gruß vom Heimattag. Vermerkt auf Kärtchen.

Wo findet sich heute noch die sorbische Kultur in Hoyerswerda?

Im unmittelbaren Alltag ist die Sprache in und um Hoyerswerda fast verschwunden Nur wenige sprechen sie noch tagtäglich in der Familie. Den Muttersprachlern fehlen oft die Gesprächspartner. Das ist in der Tat so. In den Dörfern des Kirchspiels Hoyerswerda spüre ich dennoch eine starke Verbundenheit. Dort lebt die Pflege der sorbischen Trachten, der Bräuche, Lieder und vor allem des Glaubens. Vielen ist diese Verwurzelung im Glauben wichtig. Der sorbische Heimattag kann dies stärken. Mit Dr. Stefan Reichelt in Bluno haben wir auch einen sehr sprachbegabten Pfarrer, der Sorbisch lernt.

Können Sie auch selbst Sorbisch?

Nur wenige Wendungen kann ich. Ich bin nicht so sprachbegabt. Oft fehlt mir auch die Zeit. Beim Heimattag sehe ich mich vor allem als Unterstützer, als Koordinator, als Zusammenführer. Für mich ist wichtig: Menschen, die hier leben, sollen ihre Wurzeln nicht vergessen; und Menschen, die nach Hoyerswerda ziehen, sollen diese Wurzeln wahrnehmen – das ist meine Hauptmotivation, den Heimattag zu unterstützen. Meine Frau, die ebenfalls nicht aus der Lausitz stammt, trägt beim Heimattag oft die sorbische evangelische Hoyerswerdaer Tracht. Auch das ist ein klares Bekenntnis zur heutigen Heimat.

Worauf freuen Sie sich zum diesjährigen Heimattag?

Wir können wieder einander begegnen, können in Gemeinschaft singen. Ich freue mich auf diese Begegnungen und auf offene und ungezwungene Gespräche. Das war lange Zeit so nicht möglich. Der Heimattag, so hat es Joachim Nagel immer treffend mit formuliert, soll ja ein Fest des Glaubens und der Lebensfreude sein. Deshalb hoffe ich, dass sich viele einladen lassen. Wir alle brauchen die Gemeinschaft. Wir alle leben von und mit der Gemeinschaft. Glauben und Kirche leben nur in Gemeinschaft. Die Begegnungen sind dabei entscheidend.


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