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Streuner – ein Problem nicht nur für den Tierschutz

Marlies Holst und ihre Vereinsfreunde sehen auch die Stadt Hoyerswerda in Sachen frei lebender Katzen in der Pflicht.

Marlies Holst,
stellvertretende
Vorsitzende des Tierschutzvereins
Hoyerswerda.
Marlies Holst, stellvertretende Vorsitzende des Tierschutzvereins Hoyerswerda. © Foto: Uwe Jordan

Hoyerswerda. Er agiert meist unauffällig, aber sehr wirksam: der Tierschutzverein Hoyerswerda. Wir sprachen mit Marlies Holst, der stellvertretenden Vorsitzenden:

Frau Holst – gab es 2020 Spektakuläres?

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Da fällt mir spontan eine Tierrettung ein. In der Hoyerswerdaer Neustadt fanden wir auf Grund einer Anzeige in beengten Käfigen (Volieren) viele Tauben, zwei lagen schon tot auf dem Boden, außerdem exotische Vögel, Sittiche und Papageien. Wir haben sofort das Veterinäramt Bautzen eingeschaltet. Am folgenden Tag wurden die Tiere abgeholt und an Tierhalter vermittelt, wo sie artgerecht gehalten werden.

Was waren die größten Sorgen 2020?

Organisatorisch war es für uns, wie wohl für jeden angesichts der Corona-Einschränkungen, ein sehr schwieriges Jahr. Besonders hinderlich war, dass wir nicht in der Form präsent sein konnten und durften, die unsere Arbeit in der Vergangenheit geprägt hat. So war es uns kaum möglich, mit Ständen auf uns und unsere Anliegen aufmerksam zu machen. Andererseits konnten wir auch nur selten Besitzer aufsuchen, von denen uns durch Hinweise bekannt geworden war, dass sie ihre Tiere nicht artgerecht halten oder vernachlässigen.

Hat sich diese Misslichkeit auch beim Sponsoring bemerkbar gemacht?

Dankenswerterweise nicht, denn Ausgaben hatten wir auch im Corona-Jahr. Die Arbeit ging ja doch in anderen, zum Teil recht aufwendigen Punkten, weiter. Daher danken wir allen Freunden, Sponsoren und Unterstützern, auch für ihr Engagement in den Jahren zuvor – etwa dem Lausitz-Center Hoyerswerda in persona Center-Manager Dieter Henke, dem Druckhaus Scholz und den Versorgungsbetrieben Hoyerswerda, von denen wir schon 2018 eine großzügige Spende erhielten. Beim „Tag der offenen Tür“ wurde mittels eines Kuchenbasars eine „amerikanische Versteigerung“ gehalten, die uns 740 Euro einbrachte. Dafür ein Danke an die damalige Geschäftsführung und den Aufsichtsrat. 2020 bekamen wir von der Seenland Stiftung die beantragten 1.000 Euro; weitere 2.000 wurden uns in Aussicht gestellt. Vom Bund haben wir eine Zuwendung von 5.200 Euro erhalten. Davon mussten wir allerdings 1.300 Euro als Eigenmittel nachweisen.

Nicht ganz unbeträchtliche Summen. Wofür benötigen Sie denn das Geld?

Für Kastration und folgende Gesundpflege freilebender Katzen. Geld benötigen wir auch für die Impfung vermittelter Katzen und die Unterstützung sozial schwacher Tierhalter mit Tierfutter, Medikamenten und der Übernahme von Tierarztkosten.

Da müssten Sie ja über das Erwähnte hinaus hin vielfache Hilfe erfahren ...

Traurig waren wir, dass wir vom Lions Club eine abschlägige Antwort auf unsere Bitte hin bekamen. Die Begründung war, die Satzung des Clubs sehe solche Zwecke nicht vor; im Fokus stünde die Unterstützung von Menschen in Not. Aber hinter vielen Tieren „steht“ ja auch ein Mensch, und von diesen Menschen sind auch manche in einer schwierigen Lage. Doch für diese Argumentation des Clubs kann man Verständnis haben. Betrüblicher stimmt uns das Verhalten der Stadt Hoyerswerda.

Inwiefern?

Hier ist leider wenig Engagement zu spürten. Dabei sollte es doch im Interesse der Stadt liegen, dass die Überpopulation streunender Katzen im Stadtgebiet nicht noch weiter zunimmt. Das ist ja nicht nur ein Aspekt des Tierschutzes, sondern auch den „Menschenschutzes“; denn Hygiene und das Verhindern von Krankheits-Ausbreitung sind doch auch Aufgaben der Kommunalverwaltung. Dass es in anderen Gemeinden möglich ist, etwas zu tun, sehen wir in der Nachbarschaft; etwa in der Stadt Radeberg, wo es eine zentrale Stelle für Katzen-Kastration gibt. Es sei übrigens ganz deutlich gesagt: Wir sind NICHT die Betreiber des Katzenheims Hoyerswerda. Dort wird auch eine wichtige Arbeit geleistet, aber eben auf einer etwas anderen Schiene.

Wechseln wir zu erfreulicheren Aspekten. Ein Haustier bedeutet ja oft, einen treuen Gefährten zu haben, der zur Familie gehört. Was ist das Beherzigenswerteste für einen Tierhalter?

Sie müssen Ihr Tier „lesen“ können. Alles, was ein Tier tut, hat einen Grund, eine Ursache. Wenn Sie das Vertrauen Ihres Haustiers gewonnen haben, gibt es Ihnen auch Vertrauen und Freude zurück.

Was wäre das ideale „Einsteiger“-Haustier, auch für Kinder?

Ein Hase oder ein Zwergkaninchen – oder ein Meerschweinchen. Die sind pflegeleicht und „streichelbar“.

Wo stehen Spendenboxen für Futterspenden an den Tierschutzverein?

Am „Fressnapf“ am Kamenzer Bogen 14.

Wie sieht es im Verein selbst aus?

Wir freuen uns über jeden, der uns unterstützt, der Mitglied wird und mitarbeitet; vielleicht sogar im Vorstand.

An wen kann man sich wenden?

Ein Anruf bei mir genügt – unter Mobilfunknummer 0177 2852865. Man kann mit mir auch per Mail Kontakt aufnehmen:[email protected]

Gespräch: Uwe Jordan

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