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Strohfeuer sind nicht erwünscht

Hoyerswerdas Léon-Foucault-Gymnasium darf sich jetzt ganz offiziell „Klimaschule“ nennen.

Die Elftklässler Benedikt Zimmermann, Anna Dewitz und Linda Richter sowie Lehrer Holger Köhler (v.l.n.r.) zeigen an der im vorigen Jahr gepflanzten Winterlinde: Es ist im Foucault-Gymnasium kein Mangel an Urkunden und symbolischen Schecks.
Die Elftklässler Benedikt Zimmermann, Anna Dewitz und Linda Richter sowie Lehrer Holger Köhler (v.l.n.r.) zeigen an der im vorigen Jahr gepflanzten Winterlinde: Es ist im Foucault-Gymnasium kein Mangel an Urkunden und symbolischen Schecks. © Foto: Mirko Kolodziej

Hoyerswerda. Gerhard Richter, Neo Rauch oder Rosemarie Trockel mag es ja leicht fallen, großformatige Bilder zu malen. Für Schülerinnen und Schüler ist das in der Regel eine Herausforderung. Der Kunst-Leistungskurs der Jahrgangsstufe elf an Hoyerswerdas Foucault-Gymnasium ist derzeit damit befasst – und die Werke rufen bereits Erstaunen hervor. 

Von Jetzt auf Gleich sind aus Talent natürlich kaum Können und Kunst zu machen. „Wenn man das nicht von Anfang an fördert, dann wird das auch nichts“, sagt Schulleiter Uwe Blazejczyk. Sein Gymnasium hat sich in verschiedenen Bereichen vorgenommen, keine Strohfeuer zu entzünden. Unter anderem gilt dies für die Kunst, aber genauso auch für den Bereich Umwelt- und Klimaschutz.

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Für so etwas wurde nun erstmals mit Geld von Bund und Land Sachsen der BNE-Preis verliehen. Die drei Buchstaben sind eine Abkürzung, bedeuten „Bildung für nachhaltige Entwicklung“. Anfang des Monats gab es die Auszeichnung ausdrücklich für Klimaschutzkonzepte. Das Foucault-Gymnasium gewann 1.600 Euro. „Wir machen Projekte statt Streik“, sagt Lehrer Holger Köhler mit Bezug auf die Fridays-For-Future-Bewegung. Im Sinne der Nachhaltigkeit beziehungsweise der langfristigen Entwicklung eines Bewusstseins für solche Themen geht es schon in Klasse 5 und 6 um Verständnis für Flora und Fauna. Und ähnlich der herausfordernden Malerei kann am Ende in den Klassen 11 und 12 zum Beispiel wissenschaftliches Arbeiten zur Biodiversität an der Schwarzen Elster stehen.

Der Staffelstab ist übergeben

Besondere Aufmerksamkeit bekam zuletzt ein Projekt, das vor vier Jahren auf Anregung der Sächsischen Energie-Agentur Saena begann. Als „Energiefüchse“ machte sich eine Klasse auf die Suche nach Einsparpotenzialen in der Schule, unter anderem bei Strom- und Wärmeverbrauch. Resultat waren diverse Optimierungen. Die Klasse startete dann auch noch eine Baumpflanz-Kampagne, die überregional für Aufmerksamkeit sorgte. Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) war im Mai des vorigen Jahres eigens zur Pflanzung einer Winterlinde auf dem Schulhof. Am Rand des Spreetaler Kippengeländes waren kurz zuvor 500 Eichen gepflanzt worden.

Die damaligen Neuntklässler sind inzwischen Elfer und haben im Hinblick auf die intensiver werdende Vorbereitung auf das Abitur das Kapitel „Energiefüchse“ beendet – aber nicht, ohne vorher den Staffelstab zu übergeben. „Sie kamen zu mir und schlugen vor, dass eine jüngere Klasse das übernehmen soll“, sagt Uwe Blazejczyk. So geschah es nun. Der Nachhaltigkeits-Gedanke hat offenbar Wurzeln geschlagen.

Auch sonst, sagen die Schülerinnen und Schüler, habe das Ganze bei ihnen bleibende Spuren hinterlassen. Selbst, wenn im Kippenboden nicht alle Bäume angehen sollten, meint Benedikt Zimmermann: „Es ist besser etwas zu tun, als nichts zu tun.“ Und seine Mitschülerin Anna Dewitz schildert: „Man achtet auch zu Hause darauf, das Licht auszuschalten oder beim Zähneputzen nicht das Wasser laufen zu lassen.“ Für seine umfassenden Bemühungen darf sich das Gymnasium nun „Klimaschule“ nennen. Der Titel wurde ihm vor den Herbstferien vom sächsischen Umweltministerium verliehen. Außerdem wurde die Schule beim Bundeswettbewerb „Energiesparmeister“ Sachsen-Sieger und kam in der Bundeswertung auf Platz zwei.

Folgen andere Schulen?

Ein Plus für die Schüler: Neben der Erkenntnis steht ein Zuwachs an Prozesskompetenz. „Es wird Unterricht mit Lebenswissen gekoppelt“, sagt der Schulleiter. Denn die diversen Vorhaben erforderten Planung sowie weitgehend selbstständiges Agieren in der Umsetzung. Auch Bürgermeister Mirko Pink (CDU) findet, das sei keine schlechte Sache. Gemeinsam mit dem Gymnasium überlegt er, andere Schulen in Trägerschaft der Stadt Hoyerswerda einzubeziehen. Und es kam sogar schon der Gedanke auf, das Landratsamt Bautzen ins Boot zu holen, das ebenfalls Schulen betreibt. Ein bisschen Übung gibt es schon. Foucault-Gymnasiasten beforschen bereits seit 2015 gemeinsam mit Grundschülern das Leben einer Schnecken-Population.

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