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Strukturwandel in der Region – ein Anfang

Verschiedene Perspektiven wurden zum Thema gehört. Die Reihe soll weitergeführt werden, um die Bevölkerung mitzunehmen.

Zu einem politischen Dialog unter dem Titel „Strukturwandel im Lausitzer Revier. Oberzentrum Hoyerswerda – den Wandel zeigen“ hatte die Friedrich-Ebert-Stiftung in die Lausitzhalle Hoyerswerda eingeladen.
Zu einem politischen Dialog unter dem Titel „Strukturwandel im Lausitzer Revier. Oberzentrum Hoyerswerda – den Wandel zeigen“ hatte die Friedrich-Ebert-Stiftung in die Lausitzhalle Hoyerswerda eingeladen. © Foto: Gernot Menzel

Von Angela Donath

Hoyerswerda. Zu einer Podiumsdiskussion zum Thema „Strukturwandel im Lausitzer Revier“ hatte die Friedrich-Ebert-Stiftung am Montagabend in die Lausitzhalle geladen. Rund 35 Gäste waren der Einladung gefolgt, in der Mehrzahl Stadträte, Vertreter der Kommunen, der städtischen Wirtschaft sowie Leiterinnen von Bildungseinrichtungen.

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Auf der Bühne hatten neben OB Torsten Ruban-Zeh der Geschäftsführer der Sächsischen Agentur für Strukturentwicklung (SAS), Professor Dr. Norbert Menke, der Geschäftsstellenleiter Görlitz der IHK Dresden, Frank Großmann, und Jens Dubrau, Betriebsratsvorsitzender im Tagebau Welzow-Süd (LEAG) und zugleich Stadtrat in Hoyerswerda, Platz genommen. Den Abend moderierte Holger Tschense, ehemaliger Bürgermeister der Stadt Leipzig.

Diskutiert werden sollte, welche Pläne und Zukunftsperspektiven die Stadt Hoyerswerda und die Region haben und welche Chancen und Risiken der finanziell gut ausgestattete Strukturwandel hier vor Ort mit sich bringt.

Wenig konkrete Projekte

Wer die Veranstaltung mit der Erwartung besucht hatte, bereits von konkreten Projekten und klaren Wegen zu deren Umsetzung zu erfahren, hatte zu viel erwartet. In Teilen nebulös und unverständlich für die Besucher, die in ihrem täglichen Arbeitsumfeld nicht unmittelbar mit den für den Braunkohleausstieg geschaffenen Strukturen und Institutionen zu tun haben, wurden die Diskussionen geführt.

Gesprochen wurde unter anderem über die Ansiedlung von Großforschungszentren in der Region. Hier sollen Wege für den notwendigen Technologietransfer erschlossen und gemeinsam mit der Wirtschaft auf den Weg gebracht werden. Im Vordergrund soll auch künftig die Versorgung der Region mit Energie stehen. Moderne Technologien der Kreislaufwirtschaft müssen entwickelt und von den Unternehmen, auch von neuen, jungen Firmen, umgesetzt werden. Hier sollen zukunftsfähige nachhaltige Jobs entstehen.

Konkreter werden konnte hier bereits Jens Dubrau. Der Mann von der Basis brachte die Bedenken der Lausitzer auf den Punkt, als er sagte: „Ich suche Arbeit für meine LEAG-Kollegen. Eine Umschulung vom Baggerfahrer zum Professor wird nicht möglich sein. In Welzow sind derzeit rund 1.000 Mitarbeiter tätig. Sie erbringen etwa zehn Prozent der Steuereinnahmen für die Region. Wenn deren Arbeit verloren geht, wandern sie ab und kommen nicht zurück.“ Die LEAG sieht er auf den Strukturwandel vorbereitet, indem er sagt: „Wir können Energie. Wir bilden weiterhin Industriemechaniker und Elektroniker aus, die in der Zukunft mit neuen Technologien arbeiten können.“

Erste greifbare Ergebnisse

Norbert Menke verwies auf die ersten, bereits greifbaren Ergebnisse – wie die Ertüchtigung der Verkehrsanbindungen nach Dresden. Verwiesen wurde auch auf die ersten genehmigten Projekte für die Stadt, wie die weitere energetische Sanierung der Lausitzhalle, die Qualifizierung des Lausitzbades oder, als Projekt der VBH, die Erweiterung der Aufbereitungskapazität des Wasserwerkes Zeißig.

Das kann aber nur ein allererster Anfang sein. Norbert Tschense machte klar: „Künftig werden Pläne, bei denen hinten keine Arbeitsplätze rauskommen, in ihrer Bewertung runterfliegen.“

Wenig zufrieden mit dem Prozedere der Antragstellung äußerte sich Frank Großmann von der IHK: „Wir haben keine beschließende Stimme in den Gremien. Antragsberechtigt sind die Landkreise und Ministerien. Die Kommunen werden befragt, wir nicht.“ Sowohl Großmann als auch Torsten Ruban-Zeh ärgern sich außerdem über die noch viel zu langen Wege, die beispielsweise das Planungsrecht oder andere Bundesgesetze vorgeben – oder die von den antragsbearbeitenden Stellen torpediert werden, weil die technischen Voraussetzungen noch nicht vorlagen.

Sehr vieles muss bis spätesten 2038 auf den Weg gebracht werden, darüber waren sich alle im Podium einig. Zu diesem Zeitpunkt sieht Torsten Ruban-Zeh die Stadt Hoyerswerda als Herz der Region, als florierende mittelständische Kommune, die LEAG beginnt nach den Vorstellungen von Jens Dubrau mit den Sanierungsarbeiten, und die IHK vertritt einen stabilen, erfolgreichen Mittelstand mit der notwendigen Anzahl von Arbeitskräften.

Weitere Abende sollen folgen

Der Zeitraum ist kurz, und es darf keine Zeit verschenkt werden. Die Bevölkerung muss mitgenommen werden, damit erneute Abwanderung vermieden wird.

Solche Diskussionsabende wie den am vergangenen Montag soll es deshalb in regelmäßigen Abständen geben, den nächsten in etwa einem halben Jahr.

Informationen zu konkreteren Ergebnissen sind dann hoffentlich schon etwas greifbarer. Ziel muss es sein und bleiben, die Bevölkerung in dem für alle so wichtigen Prozess mitzunehmen. Der Abend in der Lausitzhalle war da ein Anfang.

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