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„Superhelden“-Orden für Tony Ziesche

Der Bernsdorfer spendete kürzlich Knochenmark für eine krebskranke Teenagerin.

Nach der erfolgreichen Spende hat Tony Ziesche diese Ehrenurkunde vom Verein für Knochenmark- und Stammzellspenden e. V. erhalten.
Jetzt hofft er, dass seine Spende zur Genesung eines Mädchens aus Großbritannien beiträgt.
Nach der erfolgreichen Spende hat Tony Ziesche diese Ehrenurkunde vom Verein für Knochenmark- und Stammzellspenden e. V. erhalten. Jetzt hofft er, dass seine Spende zur Genesung eines Mädchens aus Großbritannien beiträgt. © Foto: Susann Metasch

Von Susann Metasch

Bernsdorf. Wenn Tony Ziesche aus Bernsdorf derzeit unbeschwert mit seiner Tochter zuhause herumalbert, schweifen seine Gedanken gelegentlich auch mal über tausend Kilometer gen Westen. In Großbritannien nämlich lebt ein weiteres Kind, dessen Schicksal ihm nicht gleich ist. Er hofft sehr, dass das Mädchen, das dringend auf seine Spende wartete, bald wieder genauso sorgenfrei leben und ausgelassen lachen kann wie seine kleine Eny. Denn Tony Ziesche ist ihr Knochenmarkspender.

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Vor viereinhalb Jahren ließ er sich bei einer Sommeraktion im Waldbad Bernsdorf vom VKS, dem Verein für Knochenmark- und Stammzellspenden e. V., typisieren. Seine Frau Kira hatte ihm den Anstoß dazu gegeben, weil sie schon länger als potenzielle Spenderin registriert war und generell sozial sehr engagiert ist. Es tut ja auch nicht weh: Ein paar Sekunden ein Wattestäbchen im Mundraum gedreht und schon kann man sich als Lebensretter vormerken lassen. Auf diesem Weg hat der VKS bisher 121.804 Typisierungen vorgenommen und liefert wie jede der 26 bekannten Spenderdateien diese Daten an das Zentrale Knochenmarkspender-Register Deutschlands weiter. Mit einem Pool von über achteinhalb Millionen potenziellen Spendern versucht man, so vereint gegen den Blutkrebs vorzugehen.

Nur zehn Prozent dieser Menschen werden zu weiteren Untersuchungen gebeten. Tony Ziesche hat scheinbar sehr gute und kompatible Werte. In den letzten Jahren wurde er insgesamt dreimal kontaktiert und zu weiteren Bluttests eingeladen. Allerdings zweimal mit dem ernüchternden Ergebnis, dass es am Ende doch nicht passt. Das ist nicht untypisch. Denn die Forschung nach dem passenden genetischen Zwilling ist sprichwörtlich wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

Gewissenhafte Vorbereitung

Im Herbst letzten Jahres sollte die Suche allerdings von Glück gekürt sein: Auch die weiterführenden Untersuchungen waren positiv. Ein vorheriger, aufwendiger Check-Up im Uni-Klinikum Leipzig lieferte grünes Licht für eine Knochenmarktransplantation. „Meine Euphorie habe ich anfangs trotzdem gezügelt. Wenn man schon zweimal in der Sackgasse gelandet ist, freut man sich lieber nicht zu früh und erst, wenn die Spende doch tatsächlich erfolgt ist“, sagt der 30-Jährige. Auf den 12. Januar 2021 hat er sich deshalb besonders gewissenhaft vorbereitet: An Silvester wurde das letzte Mal angestoßen, dann war Alkohol für ihn tabu. Dafür wurde die tägliche Ration an Obst und Gemüse sowie gesunder Tees hochgeschraubt. „Nicht nur Corona, auch anderen Infekten habe ich versucht, aus dem Weg zu gehen, damit ja nichts schief geht“, erzählt Tony Ziesche rückblickend. Mit Erfolg. Der Termin fand statt.

Etwa einen Liter Knochenmarkblut konnten die Mediziner bei der minimalinvasiven Operation gewinnen. „Als der Arzt am gleichen Tag um 16 Uhr noch zur Visite kam, sagte er, die Spende sei schon auf dem Weg zum Patienten. So schnell ging es alles“, berichtet Tony Ziesche. Leichte Rückenschmerzen beim Aufstehen, Drehen und Bewegen begleiteten ihn noch ein paar wenige Tage danach.

Heute sieht man jedoch nur noch acht winzige Einstiche auf dem Rücken von dem punktuellen Eingriff. Auch die werden bald komplett verblassen. Was bleibt, ist die Hoffnung auf ein positives Anschlagen der Spende bei der jungen Leukämie-Patientin.

Kontaktaufnahme denkbar

„Wenn wir bei einem Spender Knochenmark unter Vollnarkose aus dem Beckenkamm entnehmen, ist dieses zu 90 Prozent für ein krankes Kind, weil diese Zellen einfach schneller nachwachsen. Wir sind froh, dass Tony Ziesche, ein so sympathischer junger Mann, diesen Weg mit uns zusammen gegangen ist. Bei anderen Spenden reicht sonst meistens eine einfache Blutspende ohne große Operationen aus“, erklärt VKS-Pressesprecherin Carolin Köhler. Der VKS hat den Bernsdorfer zum Helden gekürt, eine Ehrenurkunde überreicht und ihm in der sonst viel zu stillen Faschingssaison des Bernsdorfer Karnevalsclubs symbolisch den „Superhelden“-Orden an die Uniform geknüpft.

In etwa einem halben Jahr, kann er sich beim VKS erkundigen, ob die Transplantation zur fortschreitenden Genesung der Teenagerin geführt hat. Im Januar 2023 hätte Tony Ziesche darüber hinaus die Möglichkeit, im gegenseitigen Einvernehmen Kontakt zu der Patientin aufzunehmen. Er ist dem offen gegenüber eingestellt: „Auch wenn ich nicht aktiv auf sie zugehen würde, eine Kontaktaufnahme von dem Mädchen und seiner Familie würde ich definitiv nicht ablehnen. Im Gegenteil: Ich würde mich darüber freuen.“

Weitere Informationen

Alle 16 Minuten erhält in Deutschland ein Patient die Diagnose Leukämie. Nur etwa 30 Prozent der Patienten finden allerdings ihren „genetischen Zwilling“ in der Familie, viele sind auf eine Spende auf anderem Weg angewiesen. Im letzten Jahr wurden allerdings 60 Prozent weniger Spender-Neuregistrierungen verzeichnet. Dabei kann Helfen so einfach sein, indem man sich zum Beispiel das Test-Set kostenlos nach Hause bestellt. Weitere Infos unter: www.vks-deutschland.de

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