merken
PLUS Hoyerswerda

Tiefe Freundschaften und Glaube tragen in schwierigen Lebenslagen

Ursula und Hubert Klein feierten in Hoyerswerda ihre Eiserne Hochzeit.

In Hoyerswerda leben Ursula und Hubert Klein seit 1969. Sie stammen ursprünglich aus Ostpreußen. Am 28. August feierten sie ein seltenes Jubiläum - die Eiserne Hochzeit.
In Hoyerswerda leben Ursula und Hubert Klein seit 1969. Sie stammen ursprünglich aus Ostpreußen. Am 28. August feierten sie ein seltenes Jubiläum - die Eiserne Hochzeit. © Foto: Andreas Kirschke

Hoyerswerda. Berührende Erinnerungen weckt das Hochzeitsfoto. Es zeigt Ursula und Hubert Klein 1956. In Liebe und Demut vereint gingen sie mit Kerzen zum Altar. „War das eine Hochzeit! Zehn Pferdekutschen fuhren vor. Verwandte, Bekannte und Freunde kamen mit“, erzählt Ursula Klein von der Trauung mit ihrem Mann Hubert. Im masurischen Dorf Liebenberg (Klon) heirateten sie in der Kirche. „Die staatliche Trauung kam erst zwei Jahre später. „Da fuhren wir nur kurz mit dem Fahrrad hin“, entsinnt sich das katholische Paar.

Ursula Kleins Eltern besaßen im Dorf Schützengrund (Orszeski) 27 Hektar Landwirtschaft: Wald, Wiesen, Weiden, Felder. Die Eltern bauten Roggen, Gerste, Kartoffeln, Buchweizen und mehr an. Brennholz holten sie im Wald. Frühzeitig musste Ursula Klein auf dem Hof mithelfen. An einen Beruf konnte sie kaum denken.

Küchenzentrum Dresden
Küchen-Profis aus Leidenschaft
Küchen-Profis aus Leidenschaft

Das Team des Küchenzentrums Dresden vereint Kompetenz, Erfahrung und Dienstleistung – und punktet mit besonderen Highlights.

Flucht vor dem Kriegsgeschehen

Ihr Mann Hubert stammt aus Liebenberg. Mitten in seiner Schulzeit kam der Krieg. „Wir mussten fliehen. Und das im Januar 1945 im tiefsten Winter bei Eiseskälte. Ich war damals erst 13. Die Front rückte immer näher“, erzählt der 89-Jährige. „Viele Gehöfte brannten aus im Dorf. Überall war Zerstörung und Leid zu spüren. Die Frauen mussten im Ort Schützengräben ausheben. Die jungen Mädchen aus der Stadt mussten bei den Bauern helfen.“ Nur die Betten standen bei der Rückkehr der Familie noch im Wohnhaus. Sonst bot sich ein Bild brutaler Zerstörung, Verwüstung, Plünderung. Wohnhaus und Ställe standen offen. Dort lebten inzwischen Flüchtlinge.

Wie seine Familie kehrte auch Ursula Kleins Familie mit nur wenig Hab und Gut wieder zurück. „In einem Kinderwagen hatten wir das Nötigste verstaut“, sagt Ursula Klein mit zittriger, bewegter Stimme. „Der Glaube hielt uns am Leben. Ebenso das tägliche Gebet. Solches Leid, solche Strapazen wünsche ich keinem.“

Hubert Klein wurde 1953 in die polnische Armee eingezogen. Die ersten Wochen war für ihn Ausbildung an der Waffe. Daraufhin diente er fast zwei Jahre als Bausoldat. „Auf dem Flughafen Warschau mussten wir Ziegel und Zement entladen. Das war harte Knochenarbeit“, erinnert er sich. „Das Baumaterial wurde für Kasernen benötigt.“ Mit einem Mal – durch die Grenzverschiebung nach 1945 – gehörten die Masuren zu Polen. Seit 1954 trug Hubert Klein, zusammen mit einem anderen Deutschen, Post aus. Noch in der Zeit vor der Armee lernte er seine heutige Frau kennen. An der Kirche, auf dem Dorfanger, am Friedhof und anderswo liefen sie sich immer wieder über den Weg. Eine zärtliche Freundschaft entstand und wuchs. Daraus wurde bald mehr. „Ich war jung, ich war hübsch. Ich wollte keinen anderen“, meint Ursula Klein und fügt an: „Das mit uns hat sich langsam entwickelt. Wir haben dann nicht mehr voneinander gelassen.“ Hubert Klein heiratete nach Orszeski in den Hof der Schwiegermutter ein. Von da an trug er die meiste Last der Arbeit. Mehrfach versuchte das junge Paar, nach Deutschland auszureisen. Die polnischen Behörden verweigerten dies. „Vermutlich, weil wir eine große Wirtschaft hatten“, so Hubert Klein. „Wir waren nützliche Lieferer von Lebensmitteln. Einen großen Teil mussten wir an den polnischen Staat abtreten.“

Von Freunden begrüßt

Erst 1969 durfte das junge Paar ausreisen. Befreundete Ehepaare wie Waltraud und Siegfried Kipar (seit 1961) und Adelheid und Werner Tretziak (seit 1968) lebten bereits in Hoyerswerda. „Wir wollten zu ihnen. Seit der Schulzeit kannten wir uns. Jetzt halfen sie uns, in Hoyerswerda Fuß zu fassen“, meint Ursula Klein dankbar. „Sie haben uns damals mit so vielem unterstützt: mit Kleidung, mit Lampen, mit Gardinen, auch beim Möbelkauf und Einrichten der Wohnung“, erinnert sich die 85-Jährige. „Die ersten drei Wochen wohnten wir noch bei Kipars, später in einer Baracke – wo heute Eis-Uli ist.“ Erst mit der Zeit fanden sie eine Wohnung. Sie fingen faktisch bei Null an und erfuhren viel Hilfsbereitschaft und gute Nachbarschaft. Heimweh kam selten auf. Nach und nach wurden sie mit ihren drei Kindern in der Stadt heimisch. Hubert Klein arbeitete als Rangierer auf dem Güterbahnhof in Hoyerswerda. „Hier war damals ein wichtiger Eisenbahn-Knotenpunkt“, erinnert er sich. „Die Arbeit füllte mich stark aus.“ Seine Frau Ursula blieb zu Hause. Sie verzichtete zeitlebens um der Kinder willen auf einen Beruf. Freude und Abwechslung gab ihr der Garten.

Ihre geistliche Heimat fanden die Eheleute in der Katholischen Pfarrgemeinde Heilige Familie Hoyerswerda. Dort sind sie bis heute verwurzelt. Zahlreiche Bekannte aus der Zeit in Ostpreußen trafen sie in Hoyerswerda wieder. Sie alle halfen dem jungen Paar, in der Stadt heimisch zu werden. „Mancher lebt bereits nicht mehr“, sagt Ursula Klein nachdenklich. „Wir werden ihre Hilfsbereitschaft nie vergessen.“

Rückkehr in die alte Heimat

Einmal noch, im Jahr 2000, fuhr sie mit den Kindern in die ursprüngliche Heimat in die Masuren zurück. Dort sah sie das Haus ihrer Eltern und Großeltern wieder. „In der Spitze, im Giebel, ließen meine Großeltern einst den Heiligen Antonius, einbauen. Auf der anderen Seite ließen sie ein Christus-Kreuz einfügen. Beides war im Jahr 2000 noch da.“

Vor kurzem erst, am 28. August, feierten Ursula und Hubert Klein ihren 65. Hochzeitstag, die Eiserne Hochzeit. Was sie im Leben trägt? Was sie im Leben bis heute vereint? „Schwierige Zeiten durchzustehen, das schweißt zusammen“, meint das Eiserne Ehepaar, das heute Deutsch und Polnisch fließend spricht. „Wichtig ist, stets einander treu und liebevoll zu begegnen. Man muss das Leben so nehmen, wie es kommt.“

Mehr zum Thema Hoyerswerda