Hoyerswerda
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Tierische Forschungshelferin

Raubwanzen wurden erstmals im Zoo Hoyerswerda eingesetzt.

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Die Raubwanze wurde zur Blutentnahme angesetzt.
Die Raubwanze wurde zur Blutentnahme angesetzt. © Foto: Zoo Hoyerswerda

Hoyerswerda. Nur vier Zentimeter groß, aber dennoch eine wichtige Helferin der Forschung: Die Raubwanze. Letzte Woche wurde im Zoo Hoyerswerda erstmals eine Blutprobe durch eine Raubwanze entnommen. Ihr Patient: Galápagos-Riesenschildkröte Bert.

Zur Kontrolle und aber vor allem zur Artbestimmung wurde das Blut entnommen. Eingesetzt werden Raubwanzen in der Zoowelt schon bei mehr als 40 Arten zum Nachweis von Parasiten und zur Hormonanalytik. Ein genetischer Nachweis der Art wurde noch nicht getestet und soll nun mit Berts Blut erprobt werden.

Kaum spürbar

„Ob die geringe Menge von knapp 4 Millilitern ausreichend ist, wird sich noch herausstellen. Eine Vergleichsprobe wurde zusätzlich vom Tierarzt bei beiden Riesenschildkröten Bert und Jolante entnommen“, erklärt Eugène Bruins, Zoologischer Leiter des Zoo Hoyerswerda. Beim ersten Versuch vor zwei Wochen wollte die Raubwanze noch nicht anstechen. Letzte Woche hingegen waren die Voraussetzungen wohl optimal. Galápagos-Riesenschildkröte Bert saß unter der Wärmelampe und die Wanze fühlte sich bei 27 Grad Celsius Hauttemperatur wohl genug, um sofort mit der Blutentnahme anzufangen. Ob diese Weise der Blutentnahme auch geeignet ist für genetische Forschung, wird sich in den kommenden Wochen herausstellen.

Der Stich der Raubwanze ist viel feiner als der einer Kanüle und durch den betäubenden Speichel spürt der Wirt weder das Stechen mit dem Saugrüssel noch die bis zu 20 Minuten andauernde Blutentnahme.

Eine bewährte Methode

Eine besonders stressfreie und angenehme Methode für das Tier, die der Zoo, wenn sie sich bewährt, jetzt häufiger anwenden möchte. Die Raubwanze Dipetalogaster maxima ist die am häufigsten eingesetzte Art. Nur während ihres Larvenstadiums ernährt sie sich ausschließlich von Blut. Nach dem Saugprozess wird der Wanze das Blut mittels einer Kanüle aus dem Abdomen abgezogen. Erst nach vier Tagen setzt im Magen-Darm-Trakt der Wanze der Verdauungsprozess ein. Bis dahin ist das Blut frei von Verunreinigungen. Beim Menschen findet diese Variante der Blutentnahme zur Bestimmung von Krankheitserregern schon seit über hundert Jahren Anwendung. Diese Raubwanzen kommen ausschließlich in Lateinamerika vor. (pm/JuM)