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Übelstand im Märchenland

Die Lohsaer Kindertagesstätte hat ein Schimmel-Problem, befürchten Eltern. Warum Abhilfe schwierig ist – oder scheint.

Die Probleme liegen wohl eher im Inneren des Gebäudes in der Kita „Märchenland“ in Lohsa.
Die Probleme liegen wohl eher im Inneren des Gebäudes in der Kita „Märchenland“ in Lohsa. © Foto: CSB

Lohsa. Ganz und gar nicht märchenhaft scheint es derzeit in der Lohsaer Kindertagesstätte „Märchenland“ zuzugehen, schildern besorgte Eltern. Nein; damit sei absolut nichts gesagt gegen die Arbeit der pädagogischen Fachkräfte oder die Bildungs-, Erziehungs- und Erlebnis-Angebote, die der Träger, das Christlich-Soziale Bildungswerk Sachsen e. V. (nachfolgend CSB) unterbreitet – aber die baulichen/bautechnischen Zustände seien besorgniserregend. 

Besonders zwei Vorwürfe stehen im Raum: Seit nunmehr 16 Jahren gebe es Schimmel in den Räumen; eine nicht unerhebliche Gesundheitsgefährdung für die Kinder könne die Folge sein – und es gebe kein brandschutztechnisches Konzept.

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Da der Träger und die Gemeinde, insbesondere der Gemeinderat, sich nicht auf eine gemeinsame Vorgehensweise haben verständigen können, sei die Situation mittlerweile derart eskaliert, dass das CSB seinen Vertrag mit Lohsa (nicht nur für das „Märchenland“, sondern auch für die anderen Lohsaer Kindertagesstätten, das „Koboldland“ Groß Särchen, die „Koboldland“-Außenstelle im Lohsaer Ortsteil Steinitz und die Kita „Spreemäuse“ im Lohsaer Ortsteil Weißkollm) form- und fristgerecht zum 31. Dezember 2021 gekündigt hat.

Da unter diesen Umständen natürlich weitergehende Investitionen in die Gebäude seitens des CSB nicht zu erwarten sind, bleiben auf der Strecke: die Kinder und das Personal der Häuser; besonders im Lohsaer „Märchenland“.

Kündigung als Notbremse

CSB-Geschäftsführer Peter Neunert bestätigt mit großer Betrübnis, dass es ein Zerwürfnis mit Lohsa in persona Gemeinderat gebe: „Darum haben wir gekündigt“, gewissermaßen ein Notsignal, weil es momentan keine Aussicht gebe, etwas zu bessern, ohne dass auch das CSB Schaden nehmen könne. „Wir hatten angeboten, über das sächsische Förderprogramm «Vitale Dorfkerne» Mittel einzuwerben, um die unbefriedigenden Zustände in Lohsa abstellen zu können. In Wittichenau, Bautzen, Königswartha und Wiednitz, wo wir ebenfalls Kindertagesstätten betreiben, haben wir das so gehandhabt. Es hat zum Nutzen aller Beteiligten funktioniert.“ Ähnliches habe das CSB auch Lohsa angeboten; in persönlichen Gesprächen und Schreiben, in denen Angebote und Lösungsvorschläge übermittelt worden waren – ergebnislos. Denn wirtschaftliche Voraussetzung für die Inanspruchnahme des „Dorfkern“-Programms durch das CSB ist ein längerfristiger Betreibungsvertrag für die Objekte, in die investiert werden soll: 15 Jahre Laufzeit weisen die Fördermittel aus; für 15 Jahre also hätte das CSB gerne die Gewissheit, in Lohsa bleiben zu dürfen. Doch stattdessen gab es immer nur Zwei-Jahres-Angebote.

Der alte, scheidende Gemeinderat hatte zuletzt die Entscheidung an seinen Nachfolger delegiert – und der hatte von der Zwei-Jahres-Klausel auch nicht abrücken wollen. Sodass Peter Neunert und das CSB die aus ihrer Sicht Notbremse gezogen haben und kündigten. Neunert betonte jedoch, dass das CSB „jederzeit gesprächsbereit“ sei; Lohsa mit ausgestreckter Hand entgegenkomme und nichts sehnlicher wünsche als eine einvernehmliche Lösung, die allen Beteiligten zugute käme; allen voran den Lohsaer Kindern.

Lohsas Bürgermeister Thomas Leberecht ist einerseits erstaunt über die geballten Vorwürfe; andererseits ist er es aber auch wieder nicht: Dass es Differenzen zwischen dem CSB und dem Gemeinderat gebe, sei ihm wohl bekannt; allerdings könne er, könne die Verwaltung nichts gegen den Willen der Volksvertretung tun.

Ganz anders sei es hingegen, wenn die ins Feld geführten baulichen Mängel im „Märchenland“, die ihm so in ihrer drastischen Dringlichkeit allerdings bisher nicht bekannt gewesen seien, ein unverzügliches Handeln zur Gefahrenabwehr erforderten. Er werde daher jetzt zeitnah das „Märchenland“ in Augenschein nehmen und durch Experten begutachten lassen, was unbedingt notwendig sei, um Gesundheitsgefährdungen auszuschließen und Sicherheitsmängel abzustellen. „Das soll und muss mit dem CSB geschehen, das ja noch bis Ende 2021 als Träger in der Verantwortung steht.“ Leberecht sagte, nach der Kündigung des CSB für die Kitas werde man Anfang 2021 eine Ausschreibung für die künftige Betreibung vorbereiten, die im II. Halbjahr veröffentlicht werden soll und an der sich auch sehr gern das CSB wieder beteiligen könne und solle. Unabhängig davon werde Lohsa die Bedingungen schaffen, dass es einen Neuanfang mit einem anderen Träger gebe – oder eine „nahtlose Weiterführung“ mit dem CSB.

Vernässten Eingangsbereich saniert

Den Vorwurf, Lohsa habe in seinen Kindertagesstätten, insbesondere im „Märchenland“, nichts unternommen, wollte Thomas Leberecht so freilich nicht stehen lassen: „Wir haben zuletzt den Eingangsbereich der Kindertagesstätte saniert – das war am allerdringlichsten, weil dort eine Vernässung vorlag.“ Dieses Vorhaben habe man 2020 abschließen können.

Leberecht räumte ein, dass es an allen kommunalen Gebäuden in Lohsa erheblichen Investitionsstau gebe – bedingt durch die Finanznot der Gemeinde einerseits, andererseits durch die Tatsache, dass man sich auf Grund dieses Engpasses habe entschließen müssen, Prioritäten zu setzen, „und das waren letztlich die Schule Groß Särchen und das Abwasserkonzept der Gemeinde“. Jedoch: „Wenn es die behaupteten erheblichen Mängel am «Märchenland» gibt, wären das unabweisbare Ausgaben, für die wir gemeinsam mit dem CSB einen Weg suchen und finden werden.“ Schon 2018 habe man dem (alten) Gemeinderat mitgeteilt, wo in Sachen Kindertagesstätten dringlichster Handlungsbedarf bestehe. Man hoffe, dass sich das neue Gremium einer wiederholten Darstellung des Ist-Zustandes nicht verschließen werde.

Zwei Extra-Erschwernisse

Leberecht gibt zu bedenken, dass es beim „Märchenland“ noch zwei Erschwernisse gäbe: Einerseits stehe das Haus unter Denkmalsschutz: man könne also nicht nach nur ökonomischen Gesichtspunkten sanieren, sondern müsse stets auch die Forderungen der Geschichtsbewahrer berücksichtigen. Zweitens könne Lohsa nicht auf Fachförderungen für seine Kindertagesstätten zurückgreifen. (Aber da gibt es ja sicher, analog der „vitalen Dorfkerne“; Möglichkeiten, seitens des Trägers Abhilfe zu schaffen; d. Red.).

Soforthilfe scheint dennoch möglich

Was bleibt nun aber für die Kinder und deren Eltern als Soforthilfe? Erst einmal das genannte Versprechen von Bürgermeister Thomas Leberecht, sich jetzt der Sache vorrangig anzunehmen.

Die Eltern selbst würden gewiss im Rahmen ihrer Möglichkeiten, vielleicht mit Arbeitsleistungen, eine eventuelle Sanierung unterstützen. Wenn alle, also Gemeinde und Gemeinderat Lohsa, der Träger CSB und Eltern sich auf dieses Ziel verständigen könnten, wäre dauerhafte Abhilfe wohl bald geschaffen.

KiTa „Märchenland“ Lohsa

Die Kindertagesstätte hat eine Kapazität von 70 Kindern vom vollendeten ersten Lebensjahr bis zum Eintritt in die Schule. Davon sind maximal 24 Krippenplätze und sieben Integrationsplätze möglich.

Seit 1995 besteht die Betriebserlaubnis zur Integration von Kindern mit Entwicklungsverzögerungen und Behinderungen.

Personal: Im „Märchenland“ arbeiten zurzeit acht staatlich anerkannte Erzieher/-innen, davon drei Fachkräfte mit einer heilpädagogischen Zusatzqualifikation. Alle pädagogischen Fachkräfte haben das „Bildungscurriculum“ absolviert.

Geöffnet ist das „Märchenland“ montags bis freitags von 6 bis 16.30 Uhr

Adresse: Am Park 36 (Hauptstraße 36), 02999 Lohsa, Tel. 035724 50406

[email protected] 

Quelle: https://www.csb-miltitz.de

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