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Uhyst soll ein Zentrum sorbischer Sprache sein

Das ist das ehrgeizige Ziel des Vereins Zahrodka 1921 und seiner Partner. Der Ort könnte im Strukturwandel ein Bildungsstandort werden.

Von Andreas Kirschke
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Frank Knobloch in Uhyst an der Spree ist Vorsitzender des seit 2021 bestehenden Vereins Zahrodka 1921 e. V. Zudem ist er seit 2014 Ortsvorsteher. Das Foto zeigt ihn in der neuen ständigen Ausstellung „Sorbisches Leben in und um Uhyst“.
Frank Knobloch in Uhyst an der Spree ist Vorsitzender des seit 2021 bestehenden Vereins Zahrodka 1921 e. V. Zudem ist er seit 2014 Ortsvorsteher. Das Foto zeigt ihn in der neuen ständigen Ausstellung „Sorbisches Leben in und um Uhyst“. © Foto: Andreas Kirschke

Uhyst. Die sorbische Sprache soll in Uhyst an der Spree und im Umland im Alltag wieder sichtbar sein. „Sie ist ein großer Schatz, den es zu schützen, zu fördern und zu bewahren gilt“, meint Ortsvorsteher Frank Knobloch. Er ist Vorsitzender des seit knapp einem Jahr bestehenden Vereins Zahrodka 1921 e. V. Im TAGEBLATT zieht er Bilanz über die Arbeit des Vereins 2021 und spricht über Vorhaben für 2022.

Herr Knobloch, die ständige Ausstellung „Sorbisches Leben in und um Uhyst“ wurde im November eröffnet. Wie ist das Echo bislang?

Die Eröffnung im Uhyster Rathaus fand bei Einwohnern, Interessierten, der Domowina, dem Sorbischen Institut sowie der Stiftung für das sorbische Volk große Resonanz. Jetzt ist es pandemiebedingt ruhiger geworden. Wir öffnen die Ausstellung derzeit nur nach vorheriger Absprache. Wir werden aber gezielt Kulturgruppen, Vereine und Vertreter von Institutionen aus der gesamten Lausitz nach Uhyst einladen. In den Räumlichkeiten soll es auch wieder Vorträge geben, beispielsweise zu „Fürst Pückler und Graf Gersdorf“, organisiert durch den Förderverein Adelspädagogium-Dannenberghaus, sowie Lesungen im Rahmen des Lesewinters des Uhyster Heimatvereins. Das hat zwei Effekte. Besucher lernen die Ausstellung kennen, und wir kommen dabei miteinander ins Gespräch.

Welches Fazit zieht der Verein Zahrodka für 2021?

Trotz Pandemie war es ein intensives, erfolgreiches Jahr. Wir konnten einiges umsetzen. Die Ausstellung ist eröffnet, der Sorbisch-Kurs etabliert. Viel Resonanz fand das zweisprachige Chortreffen im August anlässlich „140 Jahre Männergesangverein Uhyst“. Im September durften wir die Malerwerkstatt um Maja Nagel in Uhyst begrüßen. Von Januar bis Dezember veröffentlichten wir mit Mitgliedern der Bürgerinitiative und des Fördervereins Adelspädagogium-Dannenberghaus eine deutsch-sorbische Serie im Amtsblatt der Gemeinde Boxberg. Unsere Vereinsfahne wurde durch eine Fahnenstange komplettiert.

Der Verein setzt sich auch für zweisprachige Beschriftungen ein ...

Eines unserer ersten Teilprojekte war es, alle gemeindlichen Straßenschilder in den 18 Ortsteilen der Gemeinde Boxberg auf Zweisprachigkeit umzustellen. Und das in gleichberechtigter Schriftgröße. Im Herbst 2020 reichte die Bürgerinitiative Zahrodka, der Vorläufer unseres Vereins, den Antrag bei der Gemeindeverwaltung Boxberg ein. Es geht um etwa 140 Straßenschilder. Nach der Recherche durch die Mitglieder der Bürgerinitiative haben Franziska Grajcarekec und Jan Kral vom Servicebüro für sorbische Sprache in Hoyerswerda sämtliche Straßennamen ins Obersorbische übersetzt. Danach wurden Angebote für die ersten Schilder eingeholt – für die für 2021 geplante Umsetzung in Drehna, Mönau und Rauden sowie Uhyst/Spree südlich der Bahnlinie. Die auftragsfertigen Unterlagen wurden rechtzeitig der Gemeinde zugeleitet. Was folgte, macht uns bis heute traurig und fassungslos. Ein „klein-klein“ um Nichtigkeiten durch das Hauptamt. Bis heute wissen wir nicht, ob der Auftrag rechtzeitig durch die Gemeinde ausgelöst wurde. Jedenfalls wird sich der Umstellungsprozess aufgrund der finanziellen Größenordnung voraussichtlich bis Ende 2024 hinziehen.

Seit Anfang 2021 besteht der Sorbisch-Kurs mit Marek Krawc. Wie kommt er voran?

Die Sprache zu lernen, ist unser Hauptanliegen. Der Kurs startete im Januar rein digital. Am Anfang waren wir zwölf Teilnehmer. Seit September trafen wir uns vor Ort in Uhyst. Im Durchschnitt sind es jetzt sieben Teilnehmer mit verschiedensten Wissensständen, Zugängen und Voraussetzungen, die per Videokonferenz lernen. Darauf nehmen wir natürlich Rücksicht. Denn wir wollen ja Jeden beim Lernen mitnehmen. Alle sollen Freude beim Sorbisch-Lernen empfinden. Ergänzt wird der reguläre Unterricht durch eine WhatsApp-Gruppe, in der wir täglich kommunizieren.

Um welche Inhalte geht es?

Wir lernen grundlegende Vokabeln und Redewendungen. Wir behandeln Themen rund um Wohnung, Beruf, Freizeit und Hobbys. Marek Krawc gestaltet den Unterricht sehr lebendig und abwechslungsreich. Für die Woche gibt er uns stets kleine Hausaufgaben. Das spornt zusätzlich an.

Was motiviert die Teilnehmer?

Es ist vor allem die Gemeinschaft, das Miteinander, die Neugier und Offenheit für andere. Die Teilnehmer fühlen sich stark mit der Lausitzer Heimat verbunden und erkennen hier ihre Wurzeln. Sie sehen die sorbische Sprache als großen Schatz an, den es zu schützen, zu pflegen und zu bewahren gilt. Die Teilnehmer sind aktuelle und ehemalige Uhyster, Rückkehrer, Neuzugezogene, Auswärtige und sonstige Interessierte. Sie kommen aus verschiedensten Berufsgruppen. Das Spektrum reicht vom Sozialpädagogen, Agraringenieur und Bauhof-Mitarbeiter bis hin zur Erzieherin, Musiklehrerin, Ärztin und zwei Studierenden in Medizin und Maschinenbau.

Können Interessierte hinzukommen?

Selbstverständlich. Wir heißen alle Lerninteressierten jederzeit herzlich willkommen.

Hat der Kurs langfristig Bestand?

Unbedingt. Letztlich geht es doch darum, ein kontinuierliches Angebot zu etablieren, was bestenfalls zur gelebten Anwendung im Alltag führt.

Was nimmt sich der Verein 2022 vor?

Das sprachliche Angebot soll nicht nur weitergeführt, sondern breiter aufgestellt werden. Wenn möglich gibt es ab Sommer 2022 einen Kurs für Anfänger und einen Kurs für Fortgeschrittene in Uhyst. Wir bleiben konsequent dran am Projekt zweisprachige Straßenschilder. Dauerhafte Aufgabe ist die Kinder- und Jugendarbeit. Da sei ein kleiner Exkurs erlaubt: Die Schließung der Uhyster Schule, der POS Wilhelm Koenen, im Jahre 1995 war einer der gravierendsten Einschnitte in das soziale und kulturelle Leben unseres Heimatortes. Die Auswirkungen sind dauerhaft spürbar. Es ist dadurch wesentlich schwieriger geworden, unsere Kinder und Jugendlichen an die Themen des Dorfes und der gesamten Region heranzuführen. Überwiegend passiert dies jetzt im Rahmen der Vereinsarbeit, welche jedoch nicht die gesamte Bandbreite abdecken kann. Auch durch den Umstand bedingt, dass weniger Lehrer bei uns wohnen.

Woran arbeiten Sie noch?

Es ist uns gelungen, ein Gefühl des Zusammenhaltes und des Miteinanders in den vier Ortsteilen – Drehna (Tranje), Mönau (Manjow), Rauden (Rudej) und Uhyst (Delni Wujězd) – herzustellen. Wir helfen einander, ergänzen uns. Sorben, Deutsche, Polen, Esten und Ukrainer leben und arbeiten hier. Und das macht Hoffnung und Mut. Aktuell arbeiten wir gemeinsam mit Vertretern der sorbischen Institutionen und der Gemeinde Boxberg daran, Uhyst wieder zu einem Lausitzer Zentrum der sorbischen Sprache, Kultur, Kunst- und Heimatpflege zu machen und im Rahmen des Strukturwandels als Bildungsstandort zu entwickeln. Dabei sehen wir uns als Teil des Ganzen und wollen diesen Prozess gemeinsam und partnerschaftlich gestalten.

Verein Zahrodka 1921 e. V.

Ziele: Wiederbelebung und Pflege der sorbischen Sprache in Uhyst/Spree und im Umland, Geschichte erforschen und aufarbeiten, Kooperation auf allen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens in und außerhalb von Uhyst, Projekte mit Theater, Chor und Malern. Entwicklung von Uhyst zu einem Bildungsstandort mit sprachlicher Prägung.

Mitglieder: 15 Mitglieder mit verschiedensten Berufen und Interessen. Weitere Mitstreiter sind willkommen.

Vorstand: Frank Knobloch (Uhyst/Vorsitzender), Angela Kubicki (Lippen /zweite Vorsitzende), Simon Rose (Dresden/Kassenwart), Kirsten Namokel (Uhyst/Schriftführerin), Alexandra Kasimir (Uhyst/Beisitzerin), Karsten Herden (Weißwasser/Beisitzer)

Kontakt: über den Vorsitzenden Frank Knobloch Tel. 0171 4138016 und e-mail: [email protected]: Verein Zahrodka 1921 e. V.