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Uhyster Kabelbaufirma erhält Unternehmerpreis

Der Betrieb wurde für sein Handeln in der Corona-Krise geehrt. Dabei war selbst der Start alles andere als einfach.

Mit der Fräse hat Dirk Winterlich auf dem Amselweg in Reichwalde 200 Meter Kabelgraben ausgehoben. Norbert Scheer (links) musste mit der Schaufel nur noch Kleinigkeiten nacharbeiten. Danach werden das Glasfaserkabel eingeblasen und etwa 20 Hausanschlüss
Mit der Fräse hat Dirk Winterlich auf dem Amselweg in Reichwalde 200 Meter Kabelgraben ausgehoben. Norbert Scheer (links) musste mit der Schaufel nur noch Kleinigkeiten nacharbeiten. Danach werden das Glasfaserkabel eingeblasen und etwa 20 Hausanschlüss © Foto: Constanze Knappe

Uhyst. Eine Überraschung, wie man sie sich in Uhyst hätte nie träumen lassen: Die Schubert Kabel- und Tiefbau GmbH ist einer der zehn Preisträger des Oberlausitzer Unternehmerpreises 2020. Das verschlug den Geschäftsführern David Schubert (44) und Daniel Rentsch (39) die Sprache. Denn wenn es in der Pandemie Überraschungen gab, waren die meist unangenehm. Umso größer die Freude über die Auszeichnung. Und darüber, „dass unsere Arbeit in der Gemeinde geschätzt wird“, sagt David Schubert. Vorgeschlagen hatte sie Boxbergs Bürgermeister Achim Junker (CDU).

Der Oberlausitzer Unternehmerpreis wird von den Landkreisen Görlitz und Bautzen gestiftet und seit 1996 jährlich an drei Firmen vergeben. Dass es diesmal zehn Preisträger gibt, hat mit der Pandemie und ihren Hürden als eine der größten aktuellen Herausforderungen zu tun. „Wir wissen um die Kraft und den Fleiß, der in solchen Ausnahmezuständen aufzubringen ist. Unser Respekt gilt den Unternehmerinnen und Unternehmern und ihrer Arbeit“, erklärte Landrat Bernd Lange.

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Viel Wirbel selbst um kleine Sachen

In Corona-Zeiten seien viele ihrer normalerweise Zwölf-Stunden-Arbeitstage noch länger gewesen, erzählen die zwei Geschäftsführer. Die Verfügungen und Vorschriften seien meist am Freitagnachmittag bekannt geworden. Da galt es zu rudern, um den Arbeitsbeginn am frühen Montagmorgen zu sichern. Dazu kam die Ungewissheit der Kinderbetreuung. Die beiden Chefs haben selber je zwei schulpflichtige Kinder und wissen aus eigenem Erleben nur zu gut, was Eltern während der Lockdowns abverlangt wurde. „Wir haben versucht, die Probleme so weit wie möglich von unseren Leuten fernzuhalten. Die Verunsicherung war so schon groß genug“, sagt Daniel Rentsch. In der vorigen Woche wären bei drei Mitarbeitern die Führerscheine für Lkw ausgelaufen. Termine für die erforderlichen Untersuchungen zu kriegen, sei derzeit äußerst schwierig. Inzwischen ist klar: Die Führerscheine werden wegen Corona für eine gewisse Zeit verlängert. „Es sind scheinbar kleine Sachen, die trotzdem großen Wirbel machen“, so Daniel Rentsch.

Ein bisschen fühlen er und David Schubert sich von der Politik im Stich gelassen. Vieles von den Verordnungen sei schwammig formuliert, die Verantwortung werde auf die Firmen abgewälzt, die sehen müssten, wie sie klar kämen. Und auch das Gesundheitsamt sei nicht immer eine Hilfe. Zwar sei die Schubert Kabel- und Tiefbau GmbH für den Breitbandausbau als systemrelevant eingestuft worden, weshalb Anspruch auf Notbetreuung in den Kitas bestand, doch damit waren längst nicht alle Fragen geklärt. Man habe sich um individuelle Lösungen bemüht, damit Mitarbeiter nicht wochenlang ausfallen. Ausdrücklich bekräftigen die beiden Chefs, dass sie dankbar sind, wie ihre Leute trotz allem durchgezogen haben. „Nur durch das große Engagement des kompletten Teams konnte dieses außergewöhnliche Jahr gemeistert werden“, sagen sie. 35 Mitarbeiter beschäftigt die Schubert Kabel- und Tiefbau GmbH, davon 28 im gewerblichen Bereich.

Das Uhyster Unternehmen ist in einer Nische zwischen Tiefbau und Kabelzug tätig, mit dem Schwerpunkt Breitbandausbau. Kabel in Rohre einschießen, das könne nun mal nicht jeder. Wie sehnsüchtig das schnelle Internet erwartet wird, weiß Daniel Rentsch aus dem Homeschooling seiner Kinder. Mitunter sei da die Brieftaube schneller gewesen, fügt er hinzu.

Durch Lockdown unter Druck

In der ersten Corona-Welle 2020 musste von jetzt auf gleich umdisponiert werden, weil Mitarbeiter nicht mehr in die Häuser durften, um Hausanschlüsse zu legen. Dadurch habe sich der Bauablauf teilweise verzögert. In der dritten Welle wurde kurzerhand die Winterruhe vorgezogen. Dennoch erwarte der Auftraggeber, dass Leistungen pünktlich erbracht werden. „Wenn bei einer Bauzeit von einem Jahr vier Monate durch Corona wegfallen, macht das noch mehr Druck“, erklärt David Schubert.

Gegründet wurde das Unternehmen 1990 von Christian Schubert. Er ging 2013 in den Ruhestand und legte die Geschäfte in die Hände seiner Schwiegersöhne: David Schubert, ein gelernter Straßenbauer und studierter Tiefbauingenieur, und Daniel Rentsch, der als gelernter Kfz-Mechaniker vor allem ein Auge auf die Technik hat.

Im Sommerloch 2013 mussten sie ihre Leute in Kurzarbeit schicken. Zu jener Zeit begann die Umstellung von Kupfer- auf Glasfaserkabel, die Auftragslage aber war alles andere als rosig. Mit kleinen Sachen versuchte man, sich über Wasser zu halten. Zudem wurden Anfang 2014 zwei Großprojekte verschoben. Alles in allem war es ein Start für die Jungunternehmer, wie er ungünstiger kaum sein konnte. Schritt für Schritt aber ging es dann bergauf. Die Auslastung stieg, es konnte in Büro und Lagerflächen in Uhyst wie auch in diverse Technik investiert werden. Parallel dazu wurde der Kundenstamm ausgebaut.

Die Schubert Kabel- und Tiefbau GmbH ist zwischen Dresden, Görlitz und Cottbus tätig. Und das soll möglichst auch so bleiben, schließlich sei man hier verwurzelt. David Schubert betont, wie wichtig ihnen regionale Wirtschaftskreisläufe sind. Sie lassen sich von dem Motto „Mit der Region für die Region“ leiten, vergeben eigene Aufträge hierzulande, „damit die Gelder in der Region bleiben“. Seit zwei Jahren beschäftigen sie fünf Firmen als Nachauftragnehmer beispielsweise für Spülbohrungen und Kabelmontagen. Wenn es die Zeit zulässt, werden auch Kleinaufträge eingeschoben, beispielsweise wurde am Sportplatz in Uhyst eine Fläche gepflastert. Für 2021 stehen Aufträge über 120 Kilometer reinen Tiefbau zu Buche, außerdem sollen 600 bis 800 Kilometer Glasfaserkabel eingeblasen werden. Aktuell seien je zwei Trupps in den Boxberger Ortsteilen Reichwalde und Kringelsdorf zugange, werde auch in Schleife und Weißwasser gearbeitet. In Kürze beginnt der Breitbandausbau in Groß Düben.

„Wir nehmen mit Stolz den Oberlausitzer Unternehmerpreis stellvertretend für unsere gesamte Belegschaft entgegen“, betonen David Schubert und Daniel Rentsch. Er sei auch Beleg dafür, dass ihr Schwiegervater das Unternehmen in die richtigen Hände gelegt hat. Er habe ihnen viel Vertrauen gegeben und nie reingeredet. Überreicht werden soll der Preis am 4. November zum „Wirtschaftstag Oberlausitz“. Der Landrat betonte, dass es ihm wichtig sei, die Preisträger persönlich zu beglückwünschen. Eingeladen sind sie ja schon mal.

© Foto: Constanze Knappe
Passend zu Weihnachten 2020 nahmen Daniel Rentsch (links) und David Schubert zwei neue Minibagger entgegen – eine Investition über 70.000 Euro.
Passend zu Weihnachten 2020 nahmen Daniel Rentsch (links) und David Schubert zwei neue Minibagger entgegen – eine Investition über 70.000 Euro. © Foto: privat

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