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Umgehungsstraße soll zur Milau führen

Dieser Wunsch in Bernsdorf und Wiednitz findet auch bei Landräten Unterstützung. Verkehrsexperten planen derzeit aber anders.

Die rot markierte Trasse einer möglichen Umgehungsstraße (S 92) von Bernsdorf und Wiednitz ist die Variante, die sich in Bernsdorf und Wiednitz niemand wünscht.
Die rot markierte Trasse einer möglichen Umgehungsstraße (S 92) von Bernsdorf und Wiednitz ist die Variante, die sich in Bernsdorf und Wiednitz niemand wünscht. © Archivfoto: SZ

Bernsdorf. Wenn es um künftige Verkehrsprojekte im Großraum Hoyerswerda geht, kommt man unweigerlich auf die Milau zu sprechen. Dahinter verbirgt sich eine leistungsstarke West-Ost-Straßenverbindung zwischen Mitteldeutschland und der Lausitz, die durch den Ausbau vorhandener Bundes- und Staatsstraßen den Anschluss an das vorhandene Autobahnnetz im Westen und an einen neuen Grenzübergang nach Polen im Osten herstellen – und unterwegs auch Hoyerswerda tangieren soll.

In einer „Torgauer Erklärung“ haben bereits im November 2017 neun Landräte bzw. ihre Stellvertreter aus drei Bundesländern, darunter auch der Bautzener Landrat Michael Harig (CDU), die Bundesregierung und die betroffenen Länderregierungen dazu aufgefordert, den Bau einer neuen Ost-West-Straßenverbindung voranzutreiben, um die infrastrukturellen Voraussetzungen für wirtschaftliche Neuansiedlungen in den vom Ende des Braunkohleabbaus betroffenen Revieren Mitteldeutschland und Lausitz zu schaffen. Große Fortschritte scheint dieses Projekt seither allerdings noch nicht gemacht zu haben.

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„Die Landesregierungen von Sachsen und Brandenburg haben sich zur Milau bekannt. Es bedarf jedoch weiterer Abstimmungen auf Landesebene über die möglichen Verlaufsvarianten, bevor nähere Aussagen zur Linienführung getroffen werden können“, war jetzt aus dem sächsischen Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) zu erfahren. Das Amt ist aktuell unter anderem mit det Planung der Ortsumfahrung von Bernsdorf und Wiednitz befasst und hat dabei auch die Milau im Blick.

Das gilt ebenfalls für den Bernsdorfer Bürgermeister Harry Habel (CDU). „Es gab im letzten Jahr ein Treffen im Bernsdorfer Rathaus mit den Landräten aus Bautzen und aus dem OSL-Kreis und einer verantwortlichen Lasuv-Mitarbeiterin“, ließ er auf TAGEBLATT-Anfrage wissen. „Beide Landräte und ich haben sich unisono dafür ausgesprochen, dass ein Neubau der S 92 auf die Milau-Trasse eingebunden werden soll.“ Sofern das Milau-Projekt noch nicht soweit vorangeschritten sein sollte, könne er sich aber auch vorstellen, als Laie, wie er betont, die Umgehungsstraße (S 92) im Bereich von Lauta auf die B 96 einzubinden.

Überlegungen für eine solche Querverbindung sind nicht neu, wie sich mancher sicherlich noch erinnert. „Diese Verbindung der Bundesstraßen B 96 und B 97 entstand im Zuge der Planung der Neubautrasse B 96n von Hoyerswerda nach Ruhland“, weiß man beim Lasuv. „Mit der Verbindung hätten die Süd-Nord-Verkehre der S 94 (A4 Anschluss Burkau – Kamenz – B 97 – B 96) weiter zur Anschlussstelle Ruhland geleitet werden können. Das hätte unter anderem zu einer Entlastung der Ortsdurchfahrt Bernsdorf und der S 92 geführt.“ Ohne die B 96n, die seit 2013 nicht mehr Bestandteil des Bundesverkehrswegeplanes ist, sei eine solche Verbindung jedoch nicht verkehrswirksam, da die Verbindung über die S 92 kürzer und schneller für die Verkehrsteilnehmer ist, so die Auskunft aus dem Lasuv. Mit der Milau könnte sich die Lage aber wieder ändern. „Unter Umständen kann dann auch die Ortsumfahrung Bernsdorf eine Rolle spielen.“

Für den Fall, dass die beschriebene Achse zwischen den beiden Bundesstraßen nicht infrage kommt, favorisiert der Bernsdorfer Bürgermeister eine Variante, bei der die Umgehungsstraße Bernsdorf-Wiednitz (S 92) über das Kippengelände hinter Heide geführt wird. „Hier böte es sich geradezu an, Strukturwandel-Gelder in die Hand zu nehmen, um die vom Bergbau zerstörten Strukturen neu zu gestalten“, findet er.

Aktuell gibt es aber weder in Sachen Milau konkrete Aussagen noch zur Umgehungsstraße Bernsdorf-Wiednitz. Mit Letztgenannter befassen sich die Planer schon seit einiger Zeit. Dass die Bürger in Bernsdorf und Wiednitz vor vollendete Tatsachen gestellt werden, braucht niemand zu befürchten, wird der Bürgermeister nicht müde, zu versichern. „Fakt ist aber, dass das Lasuv alle möglichen und unmöglichen Trassen untersuchen muss. Im Ergebnis gibt es eine Vorzugstrasse, die dann öffentlich vorgestellt wird“, kündigt er an.

Überhaupt keine Rolle spielt die Milau momentan bei den Untersuchungen hinsichtlich des ins Auge gefassten Brücken-Bauwerks über den Bahngleisen zwischen Schwarzkollm-Waldesruh und Lauta-Süd. Das war auf Anfrage ebenfalls vom Lasuv zu erfahren. Lautas Bürgermeister Frank Lehmann hatte diesbezüglich Ende vergangenen Jahres noch die Erwartung geäußert, dass bei den Untersuchungen zur Brücke auch mögliche Synergien mit der Milau berücksichtigt werden sollten.

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