merken
PLUS Hoyerswerda

Und immer noch boomt im WK I das Leben

Bärbel Rosenberg aus Hoyerswerdas letztem Zeitungs-Kiosk hatte jetzt Besuch von einer „alten Bekannten“.

Laura Quosdorf (links) hat Bärbel Rosenberg (rechts) vor zwölf Jahren durch eine Filmkamera beobachtet.
Laura Quosdorf (links) hat Bärbel Rosenberg (rechts) vor zwölf Jahren durch eine Filmkamera beobachtet. © Foto: Mirko Kolodziej

Hoyerswerda. Aus Kindern werden recht schnell Leute, aber manche Dinge sind doch hartnäckige Konstanten. „Guck mal, das Fahrrad ist auch noch dasselbe“, weist Bärbel Rosenberg auf ein Minifahrrad, das sie an die Seite des Zeitungs-Kiosks gelehnt hat, den sie in Hoyerswerdas WK I führt. „Krass“, findet das Laura Quosdorf. Die junge Frau ist zu einem Schwatz an die Bautzener Allee gekommen, der sie auf eine Zeitreise in die früheste Jugend führt.

Die Hoyerswerdaerin war 13, als sie im Juli des Jahres 2009 an einem Feriencamp der KulturFabrik teilnahm. Die Mädchen und Jungen sollten – angeleitet von Profis – den Umgang mit Filmkamera und Mikrofon erlernen. Ihre Aufgabe war es, unter dem Motto „Verwunschene Orte – entdecken und verwandeln“ die Stadt zu erkunden.

Küchen-Profi-Center Hülsbusch
Nichts anbrennen lassen und ab nach Weinböhla!
Nichts anbrennen lassen und ab nach Weinböhla!

Schon Goethe wusste: Essen soll zuerst das Auge erfassen und dann den Magen. Das gelingt besonders gut in einer schicken neuen Küche. Jetzt zum Küchen-Profi-Center Hülsbusch und sich beraten lassen.

Laura Quosdorf und Jennifer Kaiser verbrachten eine Woche lang die Vormittage mit Bärbel Rosenberg, beobachteten durch die Kameralinse die Aktivitäten im und am letzten gelben Zeitungs-Kiosk, der in Hoyerswerda noch aus DDR-Zeiten übrig ist. Bärbel Rosenberg hat ihn wohl gerettet, als sie ihn 1995 von einer Bekannten kaufte. Er ist für sie mehr oder weniger ein Zeitvertreib. Das Hobby deckt gerade so die Betriebskosten, was sie nicht schreckt. Es geht ihr, hat sie nun schon öfter erzählt, im Grunde um den Kontakt zu ihren Kundinnen und Kunden: „Was soll ich heeme? Hier habe ich bis Mittag alles erfahren, was ich wissen muss.“ Denn geöffnet ist montags bis sonnabends von 7 bis 11 Uhr.

Mehrfache Filmvorführung

Ergebnis der sommerlichen Dreh-Woche vor zwölf Jahren war ein sechseinhalbminütiger Film, sein Titel ein Zitat aus dem Munde der Kiosk-Betreiberin: „Komm ’Se ran! Hier boomt das Leben!“ Gleich in der ersten Sequenz sieht man besagtes Minifahrrad. Es lehnt tatsächlich an derselben Stelle wie heute. Die Kurz-Dokumentation der zwei Teenager fand über die letzten Jahre ein vergleichsweise großes Publikum. „Der Film wurde mehrfach eingesetzt“, sagt Karsten Held von der KulturFabrik. Er erinnert sich zum Beispiel noch an eine Advents-Aktion im Jahr 2019. Und im Jahr davor warf ein Projektor die Kiosk-Doku beim Draußen-Kino „A Wall Is A Screen“ an eine der weißen Treppenwände der Lausitzhalle. Auf dem KuFa-Youtube-Kanal gab es seit Veröffentlichung im Jahr 2010 mehr als 1.000 Klicks. Held kann das gut nachvollziehen, nicht nur, weil da ein Stück Heimat ganz nah unter die Lupe genommen wird: „Er ist auch nicht so bierernst und erzeugt damit auch immer eine gewisse Heiterkeit.“ Irgendwie haben Laura und Jennifer es wohl geschafft, durch Bildauswahl und Schnitt den richtigen Ton zu treffen. Denn der Sechsminüter ist eigentlich nur abgefilmtes Leben, kommt völlig ohne Kommentar aus dem Off aus. Bärbel Rosenberg erzählt von sich und ihrer Arbeit, unterhält sich mit der Kundschaft, und im Hintergrund singen die Vögel.

„Ich werde immer noch auf den Film angesprochen“, berichtet die Frau vom Kiosk. „Das hätte ich nicht gedacht“, erwidert Laura Quosdorf. Sie ist inzwischen 25, lebt in der Altstadt und arbeitet im Jobcenter des Kreises Spree-Neiße in Cottbus. Sie hat sich vor ein paar Tagen auf den Weg in den WK I gemacht, weil sie wissen wollte, wie es Bärbel Rosenberg seit 2009 ergangen ist. Das erste Gesprächsthema: Laura Quosdorfs Großvater. Was beim Dreh keine Rolle spielte, zeigte sich, als der Film fertig war: Die Welt ist ein Dorf, und der Opa lebte im selben Haus wie Bärbel Rosenberg. Inzwischen ist er schon viele Jahre tot.

Planung bis 2031

Und während Laura Quosdorfs Stippvisite zu Anfang dieser Woche stellte sich dann auch noch heraus, dass sie just zu einem Jubiläum stattfand. Die Kiosk-Frau hatte tatsächlich gerade Geburtstag. Dass die einstige Jung-Filmerin ausgerechnet und ohne das vorher zu ahnen zum 69. vorbei schaute, freute Bärbel Rosenberg besonders. Und sie versicherte: Das gelbe Häuschen an der Bautzener Allee wird so bald nicht verwaisen. „Ich bin in zehn Jahren auch noch hier“, sagt sie. Es soll aber unter keinen Umständen so lange dauern, bis sie den nächsten Schwatz mit Laura Quosdorf hält. Denn die beiden Frauen haben mittlerweile ihre Telefonnummern ausgetauscht.

Mehr zum Thema Hoyerswerda