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Unfall-Gegner in der Aufregung verwechselt

So verteidigt sich – erfolgreich – ein wegen Unfallflucht bei Bernsdorf belangter Mann.

Von Mirko Kolodziej
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Amtsgericht Hoyerswerda
Amtsgericht Hoyerswerda © Symbolfoto: Mirko Kolodziej

Hoyerswerda. Im Gegenzug für die Zahlung von 1.500 Euro an die Kinder- und Jugendfarm hat das Amtsgericht ein Verfahren wegen Unfallflucht gegen einen 49-Jährigen aus dem benachbarten Kreis Oberspreewald-Lausitz eingestellt. Es ging um einen Zwischenfall vor zwei Jahren auf der Ortsumfahrung Straßgräbchen - Bernsdorf.

Der Mann hatte in voller Fahrt mit seinem Motorrad seitlich ein Auto gestreift, als beide Fahrzeuge zeitgleich einen Lkw überholen wollten. Der mittlerweile von der Versicherung beglichene Schaden am Pkw belief sich auf knapp 3.500 Euro. Unterschiedliche Ansichten gab es dazu, was hinterher passierte. Der Brandenburger gab an, bei der nächsten Gelegenheit gehalten zu haben. Dabei sei sein vermeintlicher Unfallgegner, ein dunkler Audi Q 4, an ihm vorbei gefahren, er hinterher. An der Kreuzung mit der B 97 habe er das an der damaligen temporären Ampel bei Rot stehende Auto gesehen, an die Scheibe geklopft und gesagt bekommen, es sei nichts passiert. Den Schilderungen zufolge hat der Mann also den Unfallwagen verwechselt. Allerdings hatte er kein Kennzeichen parat.

Im Zweifel für den Angeklagten

Seine Frau, die mit ihm auf einem eigenen Motorrad unterwegs war, stützte die Schilderung im Wesentlichen. Der Mann im tatsächlichen Unfallauto hingegen sagte, er habe den Motorradfahrer zwar in der Tat bei TDDK stehen sehen. Als er ebenfalls anhalten und aussteigen wollte, habe sich der Andere jedoch wieder aufs Motorrad gesetzt und sei weitergefahren. Das Kennzeichen des Zweirades habe er dann an der Ampel gesehen, nicht aber eine Unterhaltung mit einem anderen Autofahrer. Zwar war der 63-jährige Pkw-Besitzer recht einsilbig und Richter Daniel Lakomy merkte am Ende der Verhandlung an, man habe ihm jedes Wort abringen müssen. Allerdings fand Staatsanwalt Mirko Krüger die Schilderungen des Ehepaars zweifelhaft. Er sagte, er halte den Audi für erfunden, und: „Es passt zeitlich von den Abläufen nicht.“ Antwort der Ehefrau: „Aber so war es.“

Der Richter urteilte, wohl im Sinne der Regel „In dubio pro reo“, es stehe nicht zweifelsfrei fest, dass das Ehepaar die Unwahrheit gesagt hat. Zudem sei der Mann nicht nur bisher weder straf- noch verkehrsrechtlich auffällig geworden. Er habe obendrein zeitnah gehandelt, indem er sofort nach der Heimkehr das Polizeirevier Lauchhammer anrief und den Unfall meldete. Daher folgte der Richter dem Vorschlag von Verteidiger Armin Krahl, womit der Motorradfahrer nach der Zahlung an die Jugendfarm weiterhin als straffrei gilt.