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Urologie-Praxis in Hoyerswerda bleibt ein Streitfall

Nach rund eineinhalb Jahren sollten diese Woche wieder Patienten behandelt werden. Nun wird es etwas später.

Diese Tafel am Zugang zur Praxis zeigt an, dass alles startklar ist. Patienten müssen sich aber noch bis Ende Oktober gedulden.
Diese Tafel am Zugang zur Praxis zeigt an, dass alles startklar ist. Patienten müssen sich aber noch bis Ende Oktober gedulden. © Foto: Ralf Grunert

Hoyerswerda. Vor Wochenfrist hat das Lausitzer Seenland Klinikum über den Wechsel auf der Chefarzt-Position der Klinik für Urologie, Kinderurologie und onkologische Urologie informiert (TAGEBLATT berichtete). Unter anderem hieß es in der Pressemitteilung, dass der bisherige Chefarzt seine Tätigkeit am Klinikum beende und sich „die letzten Jahre seines Berufslebens anderen Interessen widmen“ werde.

Welche „anderen Interessen“ das sind, blieb offen. Unter Patienten der urologischen Praxis von MUDr. Ján Varga im Ärztehaus am Seenland Klinikum, die vor rund eineinhalb Jahren geschlossen wurde und trotz wiederholter Öffnungsversuche durch einen Nachfolger bis heute geschlossen ist, macht nun die Information die Runde, wonach der scheidende Chefarzt eine „lukrative Tagesklinik“ eröffnen wolle, wie es Bärbel und Jürgen Garten in einer E-Mail an unsere Redaktion formulieren. Dazu würde der 65-Jährige die Zulassung benötigen, um die sich die MVZ Dr. Varga Katarina GmbH seit geraumer Zeit bemüht und eigens dafür einen Facharzt für Urologie angestellt hat. „Das ist nicht zu verstehen, zumal in Hoyerswerda unbedingt eine weitere urologische Arztpraxis notwendig wäre“, sagen Bärbel und Jürgen Garten.

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Widerspruch stoppte Neustart

Im Juni war die bereits erfolgte Wiedereröffnung der Urologie-Praxis im Ärztehaus gestoppt worden. Viele der rund 3.000 Patienten waren entsetzt. Ein „unterlegener Mitbewerber für die Nachbesetzung der Praxis“ habe Widerspruch gegen die Auswahlentscheidung des Zulassungsausschusses Ärzte Sachsen eingelegt, war seinerzeit von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Sachsen zu erfahren. Beim Mitbewerber soll es sich um den nunmehrigen Ex-Chefarzt handeln. „Auch wenn die aktuelle Entwicklung der geltenden Rechtslage entspricht, ist die KV Sachsen damit keinesfalls glücklich“, wählte die KV Sachsen deutliche Worte. Der Fall landete beim Berufungsausschuss Ärzte Sachsen.

Sicherstellung für Jahrzehnte

Ohne dessen Entscheidung vorzugreifen, teilte die KV Sachsen in dieser Woche auf Nachfrage mit: „Sollte die Entscheidung des Berufungsausschusses gegen die vom Zulassungsausschuss (beides sind von der KV Sachsen unabhängige Gremien) erteilte Zulassung an einen Arzt, der sehr wahrscheinlich für mehrere Jahrzehnte die Sicherstellung im Fachgebiet Urologie in Hoyerswerda übernehmen könnte, fallen und das mit einer diesbezüglichen Rechtsprechung des Bundessozialgerichtes (verbotene Altersdiskriminierung) begründet werden, würden wir dies aus Sicht der ärztlichen Versorgung sehr bedauern. Insofern können wir zum jetzigen Zeitpunkt keine Prognose über die Fortführung der urologischen Praxis in Hoyerswerda geben.“

Die KV Sachsen, so deren Pressesprecherin Katharina Bachmann-Bux, sei bislang davon ausgegangen, dass für die ehemalige Praxis durch den Zulassungsausschuss eine Lösung im Sinne der vertragsärztlichen Versorgung getroffen worden ist. „Dies umfasste auch die recht zügige Wiederaufnahme der Versorgung in der Praxis nach der Entscheidung (des Zulassungsausschusses – Anm. d. Red.) in diesem Sommer.“ Daraus wurde aber aufgrund des bereits erwähnten Widerspruchs nichts. „Nun hoffen wir darauf“, so die KV-Sprecherin, „dass die dringend notwendige urologische Versorgung, gestützt auf die neueste Entscheidung in dieser Angelegenheit, alsbald zufriedenstellend wieder aufgenommen werden kann. Bis es soweit ist, muss die Versorgung der Patienten weiterhin durch die aktuellen Vertretungsregelungen gewährleistet sein.“

Vertretungsarzt in Kamenz

Ein weiterer in Hoyerswerda tätiger Urologe nimmt jedoch keine neuen Patienten auf. Die Vertretung samt Zugriff auf die Patienten-Unterlagen liegt bei einem Urologen in Kamenz. Für Patienten, die Mitte und Ende 80 sind, ist der Weg dorthin allerdings beschwerlich. Auch mit zeitnahen Terminen sieht es nicht gut aus, heißt es. Und mit 3.000 neuen Patienten wäre auch der Kamenzer Urologe überfordert.

Dabei war die urologische Praxis im Ärztehaus am Seenland Klinikum am Montag dieser Woche erneut startklar. Die Ablehnung des Widerspruchs gegen die Zulassungsentscheidung schien eine Formsache zu sein. Das war sie aber offensichtlich nicht, denn die im Vorfeld mit Terminen bedachten Patienten, die an diesem Tag bereits in der Praxis standen, mussten nach Hause geschickt werden. Nach dem Kenntnisstand des Rechtsanwaltes Jan Kregelin von der Hoyerswerdaer Kanzlei Noack, Weißbrodt & Kollegen, der die MVZ Dr. Varga Katarina GmbH vertritt, hat der Berufungsausschuss Ärzte Sachsen dem Widerspruch des Ex-Chefarztes stattgegeben.

Weiterführung als Privatpraxis

Auf Nachfrage erklärte Jan Kregelin am Freitag: „Die Entscheidung des Berufungsausschusses kommt sehr überraschend und dürfte nicht den gesetzlichen Regularien entsprechen. Demgemäß werden wir hiergegen auch Klage erheben.“ Passieren wird das am Sozialgericht Dresden. Im gleichen Atemzug kündigte er an: „Frau Dr. Varga wird die Praxis (ehemals MUDr. Ján Varga) als Privatpraxis weiterführen, und zwar in den Räumlichkeiten des Medizinischen Versorgungszentrum. Hierzu besteht ein Mietvertrag mit dem Lausitzer Seenland Klinikum.“ Die Weiterführung als Privatpraxis sei auch ohne Zulassung als Urologie möglich, aber mit einem ungleich höheren Aufwand – auch finanziell – verbunden, so der Hinweis von Rechtsanwalt Kregelin, der die Eröffnung der Praxis für Ende Oktober in Aussicht stellt.

Der Ex-Chefarzt war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Da konnte auch das Seenland Klinikum nach dessen Ausscheiden nicht helfen: Datenschutz!

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