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VBH-Chef macht den Nachbarn ein Angebot

Die Lausitzwerk GmbH soll ein gemeinsames Versorgungsunternehmen werden.

Der Chef der Versorgungsbetriebe, Wolf-Thomas Hendrich (links), sucht die Nähe zu den Nachbarkommunen der Stadt Hoyerswerda.
Der Chef der Versorgungsbetriebe, Wolf-Thomas Hendrich (links), sucht die Nähe zu den Nachbarkommunen der Stadt Hoyerswerda. © Foto: Versorgungsbetriebe

Hoyerswerda. So ungefähr haben dank der Städtischen Wirtschaftsbetriebe Hoyerswerda wohl auch Nicht-Experten zumindest eine Ahnung, womit Stadtwerke sich befassen. Im Internet-Lexikon Wikipedia heißt es, Stadt-, Gemeinde- oder Kommunalwerke seien Unternehmen in kommunalem Besitz, „die in öffentlichem Auftrag technische Dienstleistungen und Versorgungsleistungen, insbesondere im Bereich der Grundversorgung und der Daseinsvorsorge der Bevölkerung erbringen“.

In der Stadtregion besitzt nur Hoyerswerda mit den SWH ein größeres Konstrukt, dessen Grundidee es ist, dass mit Strom- und Gas-Versorgung, Datendienstleistungen oder auch dem Busverkehr nicht private Firmen Geschäfte machen, sondern die Allgemeinheit der Bewohner einer Kommune. Das Motto: Wertschöpfung vor Ort halten.

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Zuletzt war die SWH 2014 einen Schritt in diese Richtung gegangen. Die Stadt kaufte damals die envia Mitteldeutsche Energie AG und die Spreegas GmbH aus den Versorgungsbetrieben heraus. Seither gehören sie allein den SWH und seitdem liegt nicht nur die alleinige Entscheidungsgewalt über die VBH-Geschäfte in der Stadt, sondern ebenso das Recht, über die Gewinne zu bestimmen. Dass damit auch die anderen SWH-Töchter am Leben gehalten werden, ist kein Geheimnis.

„Kleinere Kommunen wie zum Beispiel Spreetal können so eine Rekommunalisierung alleine gar nicht leisten“, sagt Bürgermeister Mirko Pink (CDU) in seiner Eigenschaft als VBH-Aufsichtsrat. Und hier kommt nun etwas ins Spiel, das den Arbeitstitel Lausitzwerk GmbH trägt. Genau genommen heißt die im Oktober ins Handelsregister eingetragene Firma im Moment noch Promovia Einhunderteinundvierzigste Verwaltungsgesellschaft mbH.

Eine Firma im Tiefschlaf

Es handelt sich um eine sogenannte Vorratsgesellschaft. Wirtschaftsprüfungsgesellschaften – in diesem Fall PricewaterhouseCoopers – gründen so etwas ohne Geschäftsbetrieb, falls ein Kunde auf die Schnelle eine rechtlich arbeitsfähige Firma braucht. „Es ist eine lebendige GmbH im Tiefschlaf“, sagt VBH-Chef Wolf-Thomas Hendrich. Der Stadtrat hat am Dienstag bei Enthaltung von Detlef Degner, Marco Gbureck und Toni Schneider (alle AfD) den Kauf der GmbH durch die Versorgungsbetriebe gebilligt. „Der Umfirmierung der Promovia Einhunderteinundvierzigste Verwaltungsgesellschaft in die Lausitzwerk GmbH wird zugestimmt“ heißt es im Beschlusstext dazu weiter. Der Geschäftszweck: Hoyerswerdas Nachbar-Kommunen, die keine Kraft für eigene Kommunalwerke haben, sollen als Mitgesellschafter die Möglichkeit erhalten, stärker mitzubestimmen und auch mitzuverdienen.

„Es ist ein Angebot an das Umland, gemeinsam etwas zu tun und die Wertschöpfung in der Region zu erhöhen.“ Dass dafür nun mit dem Kauf einer Vorratsgesellschaft Tempo gemacht werden soll, habe damit zu tun, dass es schon konkrete Projekte gebe. „Über diese können wir aus Wettbewerbsgründen in der Öffentlichkeit aber noch nicht sprechen“, so der VBH-Chef. Der Zeitplan jedenfalls sieht vor, dass der Stadtrat im September über den Gesellschaftervertrag entscheiden und auch gleich die Geschäftsführung berufen soll.

Hendrich sagte am Dienstag vor Journalisten, es habe schon Gespräche mit Nachbarkommunen gegeben. Mit welchen, sagte er nicht. Wittichenaus Bürgermeister Markus Posch (CDU) jedenfalls war das Angebot am Mittwoch neu. Er verweist auf den Gasversorger EVSE, an dem neben der Stadt auch Lohsa, Ralbitz-Rosenthal, Nebelschütz, Königswartha und die Stadtwerke Bad Honnef Anteile halten. Ferner erwähnt Posch den Eigenbetrieb Abwasser, die Mitgliedschaft im Trinkwasserzweckverband Kamenz und den Umstand, dass die Stromkonzessionen gerade für 20 Jahre neu vergeben wurden: „Insofern fehlt mir etwas die Phantasie, welchen Inhalt die gemeinsamen Stadtwerke bearbeiten sollen.“

Gemeinsam und abgestimmt

Poschs Kollege Harry Habel (CDU) aus Bernsdorf ist offener, aber vorsichtig: „Es ist gut, wenn wir in der Region zusammenarbeiten.“ Man müsse sondieren, was gemeinsam gehe. Allerdings will er keinesfalls den langjährigen Partner aus Kamenz, nämlich die dortige Ewag, vor den Kopf stoßen. Ähnlich formuliert Elsterheide-Bürgermeister Dietmar Koark (CDU), indem er die Mitgliedschaft der Gemeinde im von der Ewag geführten Trinwasserzweckverband Kamenz erwähnt. Allerdings sagt er auch: „Die Strukturentwicklung wird in den nächsten Jahren ein bestimmendes Thema in unserer Region sein. Insofern halte ich es für wichtig, gemeinsam und abgestimmt für die Herausforderungen, die damit einhergehen, Vorbereitungen zu treffen.“ Die Elsterheide sehe Gespräche immer positiv. Zum Lausitzwerk habe es aber bisher nichts Konkretes gegeben.

Wolf-Thomas Hendrich ist jedenfalls der Überzeugung, im Strukturwandel brauche es so viele neue Lösungen, dass es eigentlich nur gemeinsam gehe.

Diese vom VBH-Chef im Stadtrat gezeigte Grafik skizziert, wie die Lausitzwerk GmbH etwa funktionieren soll. Wolf-Thomas Hendrich sagte aber auch, eine Erfolgsgarantie gebe es nätürlich nicht.
Diese vom VBH-Chef im Stadtrat gezeigte Grafik skizziert, wie die Lausitzwerk GmbH etwa funktionieren soll. Wolf-Thomas Hendrich sagte aber auch, eine Erfolgsgarantie gebe es nätürlich nicht. © Grafik: VBH

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