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Volle Frauenpower beim Liederfest

Die 24. Ausgabe der Hoyerswerdaer Veranstaltung fand online statt – und hatte drei Gewinnerinnen.

Die Nowak heißt eigentlich Rebekka Maier. Die Oberpfälzerin bekam am Sonnabend den Jury-Preis zugesprochen und belegte in der Online-Abstimmung der Zuschauer Platz zwei.
Die Nowak heißt eigentlich Rebekka Maier. Die Oberpfälzerin bekam am Sonnabend den Jury-Preis zugesprochen und belegte in der Online-Abstimmung der Zuschauer Platz zwei. © Foto: KuFa / Torsten Lützner

Hoyerswerda. Ungewöhnliches Ergebnis eines ungewöhnlichen Liederfestes: Wegen des Anti-Viren-Schutzes gab es die offene Bühne am Freitag nur mit Ton via Online-Stream bei Radio Slubfurt und ein Wettbewerbskonzert am Sonnabend, bei dem die Zuschauer die Künstler dank Internet-Aufzeichnung aus unterschiedlichen Perspektiven sahen – ohne den Platz zu wechseln.

Und so etwas gab es auch noch nie: Die Gewinner aller drei Wertungen sind weiblich. „Volle Frauenpower“, sagt Uwe Proksch von der KulturFabrik Hoyerswerda, die das Liederfest nun fast ein Vierteljahrhundert lang gemeinsam mit Gundermanns Seilschaft und dem Pro Folk e.V. ausrichtet. Am Freitag überzeugte die Radio-Slubfurt-Zuhörer eine Cottbuserin. Clara alias Kathrin Clara Jantke hat vor ein paar Tagen ihre neue Single „Das Beste“ veröffentlicht. Sie stellte außerdem ihr Lied „Meine Politik“ vor, eine Art Appell für Friedfertigkeit im öffentlichen Diskurs.

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Unter normalen Umständen hätte sie dann am Sonnabend im Wettbewerb gespielt – aber dieser war ja voraufgezeichnet. „Das morgige Konzert hat bereits stattgefunden. Das ist ein Satz, den muss das Gehirn erst einmal verarbeiten“, meinte der Radio-Slubfurt-Moderator. Bei besagtem Konzert waren die danach per Zoom zusammengeschaltete Jury und die per Web-Abstimmung beteiligten Zuschauer sich ziemlich einig.

Die Jury-Hoyschrecke geht an Die Nowak. Hinter dem Kunstnamen verbirgt sich Rebekka Maier aus Sinzing bei Regensburg. Unter anderem, wie sie am Klavier hinreißend bösartig gegen den „Schottergärtner“ mit Stein-Vorgarten ansang oder ein „Gebäude-Kind“ mit überengagierten Eltern besang, überzeugte auch die Zuseher. Sie wählten die Oberpfälzerin auf Platz zwei. Die Publikums-Hoyschrecke dagegen bekommt die Zweite der Jury-Wertung. Paula Linke aus Leipzig war ursprünglich gar nicht eingeladen worden, als die Auswahl-Kommission die rund 30 Bewerbungen sichtete. Aber weil die Berlinerin Marlene Colle in Quarantäne musste, rückte die Leipzigerin nach. Sie hatte unter anderem ein Lied im Repertoire, das sich um einen traurigen, alten Kraken im Mittelmeer dreht: Das Tier sieht dort Flüchtling um Flüchtling ertrinken und kann nichts weiter tun, als die Toten ans Ufer zu tragen.

Platz drei in beiden Wertungen ging an einen Chemie-Doktor aus Jena. Dr. Tim Liebert – mit Glatze, Rauschebart und Hosenträgern ist beinahe seit Ewigkeiten Liedermacher. Der Thüringer nennt sich Doc Fritz und kann zum Beispiel faszinierende Lieder über Zugfahrten singen. Laut Uwe Proksch schauten am Sonnabend im Schnitt um die 180 Musik-Freunde zu. Und weil sie immer mal ab- und wieder anschalteten, werden es zum Schluss mehr als 200 gewesen sein – so viele Menschen hätte man schwerlich im Saal des Bürgerzentrums unterbringen können. Wohl dort sollen aber die Hoyschrecken übergeben werden – so es denn geht, bei einem Preisträgerkonzert am 20. Februar, einen Tag vor dem 66. Geburtstag von Liederfest-Mitbegründer Gerhard Gundermann († 1998). Die Hoyschrecken stehen parat. Helge Niegel hat wieder zwei Skulpturen angefertigt. Sie warten auf bessere Zeiten.

Die offene Bühne ist auf der Radio-Slubfurt-Seite nachzuhören, bei Youtube findet man das Samstags-Konzert.

Mitwirkende

Wettbewerb: Doc Fritz alias Dr. Tim Liebert (Jena), Masha Potempa (Leipzig), Johannes Molz (Regensburg), Elena Seeger (Stuttgart), Die Nowak alias Rebekka Maier (Sinzing), Miro alias Mirko Seifert (Dresden), Paula Linke (Leipzig), Josef Hien (München)

offene Bühne: Maik Pistiak (Frankfurt/Oder), Truckenbrot & Schenk (alias Mathias Klement und Daniela Schenk), Samuel Beck (Berlin), Klaus Beirich (Radebeul), Johan Meijer (Holland), Dito (alias Dieter Krüger und Torsten Rose), Die Seentaucherin (alias Christine Ratei), Maria Schüritz (Leipzig), Anne Dietlind Wauer (Berlin), Björn Reich (Gießen), Clara (alias Kathrin Clara Jantke)

In der Publikumsgunst die Nase vorn hatte Paula Linke. Die Jury wiederum sprach der Leipzigerin den Silber-Rang zu. Platz drei jeweils: Doc Fritz.
In der Publikumsgunst die Nase vorn hatte Paula Linke. Die Jury wiederum sprach der Leipzigerin den Silber-Rang zu. Platz drei jeweils: Doc Fritz. © Foto: KuFa / Torsten Lützner
Clara ist die Siegerin der Publikumsabstimmung am Freitag.
Clara ist die Siegerin der Publikumsabstimmung am Freitag. © Foto: PR

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