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Vom Familienpaddeln zu Olympiagold

100 Jahre Kanu in Spremberg sind die wohl stolzeste Sport- Bilanz der Nachbarstadt. Das Museum zeigt eine Schau – wohl erst im Dezember wieder.

Ein Blick in die Ausstellung im Spremberger Schloss – Gästen wird er allerdings frühestens im Dezember wieder möglich sein. Corona hat wieder alles lahmgelegt ...
Ein Blick in die Ausstellung im Spremberger Schloss – Gästen wird er allerdings frühestens im Dezember wieder möglich sein. Corona hat wieder alles lahmgelegt ... © Foto: Jost Schmidtchen

Von Jost Schmidtchen

Spremberg. Am 27. Oktober 1920 wurde der Verein für Kanusport Spremberg (VKS) gegründet. Das erste Bootshaus wurde 1921 rechts der Spree eingeweiht. Es überstand alle Zeiten und präsentiert sich seit der Sanierung 2004 in voller Schönheit. Zunächst stand der Wasserwandersport im Vordergrund der Vereins-Aktivitäten. Ostern 1921 fuhren Spremberger Paddler erstmals flussaufwärts nach Tzschelln. Dort wurden sie freundlich aufgenommen, 1928 wurde das Gasthaus offizielle DKV (Deutscher Kanu-Verband-) Station – bis zur Abbaggerung 1978. Seither ist das Gasthaus „Zum Hammer“ Neustadt DKV-Station.

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Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges dominierte der Wandersport: gemeinsame Urlaubsfahrten auf Elbe, Havel, Saale und Spree; dabei hatte der Spreewald bis Goyatz mit dem Schwielochsee große Bedeutung. Als größte Wanderfahrt dieser Zeit ist die Donaubefahrung von Ingolstadt bis Wien in der zweiten Augusthälfte 1939 in die Geschichte eingegangen. Am 27. August wieder zu Hause, warteten auf die Sportler die Einberufungsbefehle. Der Zweite Weltkrieg begann ...

1946 fanden sich Kanu-Idealisten zum Wiederaufbau von Bootshaus und Sport. An Wettkämpfen im Rennsport nahmen bereits vor 1939 Spremberger Kanuten teil, wie es eine Siegerurkunde von einer Regatta 1938 auf der Talsperre Marklissa in der Ausstellung zeigt. Ab 1950 begann in Spremberg der Kanu-Slalom zu dominieren. Der Zwickauer Rudi Landgraf hatte 1936 den ersten Slalom-Wettkampf in Deutschland veranstaltet. Am Spremberger Weißen Wehr fand er gute Bedingungen für diese Kanudisziplin und bei den Verantwortlichen im Bootshaus offene Ohren. Die Erfolge blieben nicht aus: Seit 1957 stellt die SG „Einheit Spremberg e. V.“ bis heute Weltmeister- und Olympiasieger.

Slalomwettkämpfe erfreuen sich seit 70 Jahren entlang der Kleinen Spree hoher Zuschauergunst. Auch der Rennsport wurde gefördert. In den 1950er-Jahren wurde die Rennsportentwicklung im DKSV (Deutscher Kanusportverband) der DDR ehrenamtlich aus Spremberg geleitet. Vor allem ging es darum, vor den Olympischen Spielen bei den Ausscheidungswettkämpfen in der gesamtdeutschen Mannschaft mehr DDR-Kanuten zu etablieren als aus der BRD. Das gelang recht gut.

Neue Strecke am Knappensee

Dazu brauchte man aber auch neue Regattastrecken. Eine solche entstand 1957 am Knappensee in der Neubuchwalder Bucht mit dem Zielturm auf der Inselspitze in Groß Särchen. Die materiellen Belange hatte das BKW (Braunkohlenwerk) Knappenrode abzusichern. So gingen viele sportliche Signale von Spremberg aus in die Republik und noch weiter. Auch im Rennsport blieben die Goldmedaillen nicht aus. Lange Zeit war es in Deutschland einmalig, dass ein Kanu-Verein in beiden olympischen Sparten so erfolgreich ist.

An all das erinnert die Ausstellung „100 Jahre Kanusport“ im Niederlausitzer Heidemuseum Schloss Spremberg – allerdings ist das Schloss, wie alle Brandenburger Museen, corona-halber vorerst bis Dezember geschlossen, eine Verlängerung in 2021 wird erwogen. 

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