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Vom Geben, Teilen und Danken

Der Kulturverein Zeißig lud Sonnabend zum Erntedankfest auf den Zeißighof ein. Es gab wieder Original-Holzofenbrot.

Zum Erntedankfest gab es Holzofenbrot. Nico Thäle, gelernter Bäcker, sorgte dafür gemeinsam mit Wolfgang Finger.
Zum Erntedankfest gab es Holzofenbrot. Nico Thäle, gelernter Bäcker, sorgte dafür gemeinsam mit Wolfgang Finger. © Foto: Andreas Kirschke

Zeißig. Heißer Teigduft steigt aus dem Ofen. In der Backstube im Zeißighof „reifen“ am Sonnabend die original Zeißiger Holzofenbrote heran. Aus Roggenmehl, Weizenmehl, Roggen-Sauerteig, Hefe, Salz und Wasser entstehen sie. „Ganz natürlich. Ohne Zusatzstoffe“, erläutert der gelernte Bäcker Nico Thäle beim Erntedankfest des Kulturvereins Zeißig. Zusammen mit Wolfgang Finger bäckt er 60 bis 70 Brote.

Sorbische Backtradition leben

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Durch die Bäckerei Stefan Krause aus Lauta ist das möglich. Sie stellt den kompletten Teig und alle Zutaten bereit. „Ihr gilt herzlicher Dank“, sagt Nico Thäle und unterstreicht: „Wichtig ist uns, die sorbische Backtradition weiterzugeben und zu leben. Sie soll nicht eines Tages nur noch in Büchern stehen.“ Gern bringt er sich zum Erntedankfest mit ein. Es ist die erste große Veranstaltung im Zeißighof seit dem Weihnachtsmarkt 2019. „Erntedank heißt für mich: dankbar sein, dass wir von Missernte und Hochwasser verschont bleiben; dankbar sein für die Früchte im Garten; dankbar sein, dass sich die Arbeit gelohnt hat, die wir im Frühjahr begonnen haben“, sagt Wolfgang Finger.

Erntedank gehört zum Jahreslauf

Viel Kreativität spüren die Besucher Sonnabend im Zeißighof. Die Kinder können im einstigen Kuhstall basteln. Einwohner selbst haben kleine Verkaufsstände. Jasmin Ludwig aus Zeißig bietet Seife aus Ziegenmilch an. Sandra Herrmann aus Zeißig verkauft Schmuckbasteleien. Alain Caban aus Zeißig zeigt Holzarbeiten und Holzkunst. Gisela Stein verkauft ihre Produkte aus Keramik und Geklöppeltes. „Uns macht es stolz. Wir konnten kurzfristig viele Einwohner motivieren“, freut sich Tina Schubert, seit 2019 Vorsitzende des Kulturvereins Zeißig. „Handwerkliches bereichert das Fest. Es ist nicht selbstverständlich, dass jemand zu Hause etwas erschafft und so viel Leidenschaft einbringt.“

Der Erntedank ist dem Verein wichtig. Tina Schubert erfuhr ihn bereits vor allem durch Tochter Neele (9). Sie ging früher in den Awo-Kindergarten „Lutkihaus“ in Zeißig. Erntedank wird dort jährlich gefeiert. „Die Kinder erhalten sogar Körbchen mit heimischem Obst und Gemüse mit nach Hause. Darauf sind sie sehr stolz“, sagt Tina Schubert.

Das Erntedankfest ist gut vorbereitet worden. Die Zahl der Besucher im Hof bleibt coronabedingt auf 100 begrenzt. Edda Busch (78) engagiert sich schon seit 2004 im Kulturverein. Sonnabend zum Fest bäckt sie fleißig Buttermilchplinse. Helferin Annett Kaiser (41) unterstützt sie am Stand. Edda Busch erinnert sich an ihre Kindheit in Naumburg: In der Kirche lagen reichlich Gaben an Obst und Gemüse vor dem Altar. Die Kinder durften später einige Früchte mit nach Hause nehmen. „Erntedank heißt für mich: Teilen und Geben, damit alle etwas vom Reichtum erhalten; Verteilen an die Gemeinschaft.“ Eben die Gemeinschaft ist den Neuen und den Helfern im Kulturverein wichtig. Annett Kaiser lebt erst seit fünf Jahren in Zeißig. Durch die „Zeißiger Nachrichten“, durch die sorbischen Traditionen, durch die Erzählungen der Alten, durch die Feste im Zeißighof findet sie Zugang zum Dorfleben. „Erntedank heißt für mich: auch dankbar sein für die Farbenfreude der Bäume im Herbst“, meint Gisela Stein am Nachbarstand.

94 Mitglieder im Kulturverein

Seit vier Jahren ist sie Mitglied im Verein. 94 Mitglieder gehören ihm derzeit an. Das Durchschnittsalter liegt bei weit über 60 Jahren. Umso froher ist Vorsitzende Tina Schubert, dass sich Jüngere und Zugezogene einbringen. Sogar über die Internetseite www.ehrensache.jetzt konnte sie bereits Interessierte gewinnen. Am Sonnabend, zum Erntedankfest, bringen sich viele engagiert ein. In sorbischer Arbeitstracht helfen sie mit. Auf dem Hof gibt es frische Buttermilchplinse, selbst gebackenen Kuchen, Zeißiger Holzofenbrot, Schlachteplatte und vieles mehr. Vor dem Zeißighof am Dorfanger erfreut die sorbische Blaskapelle „Horjany“ mit ihrer Musik. Später spielt das Gitarrenorchester „Iuventa musica“. Im Zeißighof selbst sind zwei Ausstellungen zu sehen. Der vordere Bereich zeigt landwirtschaftliche Geräte, Wohnmöbel und Wohneinrichtungen. Dazu gehören zum Beispiel ein Butterfass, eine hölzerne Weife (Haspel), verziertes Werkzeug aus Holzbearbeitung, ein Holzschloss und ein Tabak-Brecher. Neu gestaltet ist die Galerie der Trachten. Diese Ausstellung zeigt die Themen „Brautjunger auf Hochzeit und Taufe“ und „Die ehrbare Braut zur kirchlichen Trauung“.

P.S.: Nächster „großer“ Termin ist der Weihnachtsmarkt im Zeißighof am 27. November (10 bis 18 Uhr).

www.zeissighof.de

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