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Von Eisenach in die Welt und nun in die Lausitz

Der Motor-Veteranen-Club Hoyerswerda will vom 20. bis 22. August am Knappensee wieder ein 300-HT-Treffen ausrichten.

Zwei Wartburg 300-HT-Modelle stehen hier an der ehemaligen Aral-Tankstelle im Hoyerswerdaer Ortsteil Zeißig. Das Bild entstand am 9. Juni 2014 bei einer kurzen Foto-Rast während der B-96-Fernfahrt 2014 von Zittau nach Binz.
Zwei Wartburg 300-HT-Modelle stehen hier an der ehemaligen Aral-Tankstelle im Hoyerswerdaer Ortsteil Zeißig. Das Bild entstand am 9. Juni 2014 bei einer kurzen Foto-Rast während der B-96-Fernfahrt 2014 von Zittau nach Binz. © Archivfoto: Uwe Jordan

Hoyerswerda. Kaum Gelegenheiten hatte der Motor-Veteranen-Club Hoyerswerda im Jahre 2020, seine gepflegten automobilen Schätze bei Ausfahrten und Präsentationen einem staunenden Publikum vorzustellen. Die Corona-Einschränkungen machten auch vor historischen Fahrzeugen nicht Halt. Der akribisch vorbereitete Veranstaltungsplan erwies sich rasch als Makulatur.

Hauptstandort Sunshine-Park

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Immerhin eins konnte nicht ausfallen: das 300-HT-Treffen am Knappensee. Allerdings war das keine Ausnahme von den virus-bedingten Einschränkungen, sondern besagtes Treffen findet nur aller zwei Jahre statt. Da war 2020 eh ein Pausenjahr. Aber 2021 soll das Treffen wieder gehalten werden und möglichst viele 300-HT-Fahrer in die Lausitz, nach Hoyerswerda und in dessen Umgebung bringen. „Hauptstandort“ wird wieder der Sunshine-Park Gläser am Knappensee in Groß Särchen sein.

Wenn es so läuft wie in den Jahren vor Corona, werden knapp 70 Besitzer des letzten offenen straßenzugelassenen Sport-Automobils, das in der DDR gebaut wurde, vom 20. bis 22. August oder doch wenigstens am Haupt-Ereignis-Tag, am Sonnabend, dem 21. August, auf eigener Achse anreisen und den Zweitakter bei der mittlerweile 9. Sternfahrt auf den Straßen der Region laufen lassen. Dabei hoffen Veranstalter und Zuschauer auf Sonnenschein und Trockenheit. Freilich kann man den HT auch mit geschlossenem Allwetterverdeck oder Hardtop „ausführen“, aber „oben ohne“ ist unvergleichlich. Zwar bestimmen die SUVs das Straßenbild anno 2021, vermitteln mit ihrer festungsähnlichen Anmutung etwas von Unangreifbarkeit – aber ein Lebensgefühl, wie es ein Kabriolett erzeugt, vermitteln sie eben nicht.

Inoffizielle Zentrale Hoyerswerda

Warum nun findet das HT-Treffen bei Hoyerswerda statt? Ganz einfach: weil Jürgen Haink, der Vorsitzende des Motor-Veteranen-Clubs Hoyerswerda, auch gleichzeitig das inoffizielle HT-Register führt. Zwar wird die „amtliche“ Statistik von einem Hamburger Motorsportfreund betreut, aber als Erste Adresse in der Szene gilt Jürgen Haink. Er forscht ständig, was von den besagten 709 Hardtops noch auf den Rädern ist – und mitunter wiederentdeckt wird. Denn Garagen- oder Scheunenfunde gibt es überraschenderweise immer wieder. Allein im Jahre 2020 sind vier bislang verschollene Wartburgs vom Typ 300 HT wieder aufgetaucht. Beispielsweise ein Fahrzeug, das 30 Jahre in einer Rostocker Garage von seiner Wiederauferstehung träumte und nun von seinem neuen Besitzer zwecks Wiederaufbau abgeholt wurde – noch mit originalem Rostocker (DDR-) Kennzeichen versehen.

Aufbewahren und Helfen

An dieser Stelle kommt meist Jürgen Haink ins Spiel. Denn er sieht seine Aufgabe nicht allein darin, zu erfassen, was von diesem Eisenacher Typen noch übrig geblieben ist und zum Teil neu entsteht – er unterstützt die künftigen 300-HT-Fahrer auch dabei, das Schmuckstück wieder herzurichten. Mit Tipps aus seiner eigenen Praxis und mit Originalfotos, die hilfreich sind beim Neu-Anfertigen von Teilen, die so verschlissen sind, dass ein Restaurieren unmöglich ist – oder die im Laufe der Zeit schlicht verschwunden sind. Besonders heikel ist stets das (Allwetter-) Verdeck. Gerade das stellt die Sattler vor Probleme, wollen sie es originalgetreu reproduzieren – so, dass der Fahrer bei einem Treffen wie dem vom 20. bis 22. August am Hoyerswerdaer Knappensee, stolz vorfahren kann.

Das Programm jener drei Tage ist in groben Umrissen schon fixiert. Am Freitag, dem 20. August, treffen die ersten Wartburgs ein. Am Abend gibt es „Benzingespräche“, es wird gegrillt, in familiärer Atmosphäre entspannt und so manche Anekdote aus dem Leben eines 300 HT erzählt werden. Am Sonnabend, dem 21. August, wird das Gros der Fahrzeuge anreisen – bis 11 Uhr. Nach einem gemeinsamen Mittagessen wird die Ausfahrt angetreten. Wohin es diesmal geht? 2019 war es die Krabatmühle, auf die viele Wartburg-Besitzer aus ganz Deutschland neugierig waren. Diesmal ist das Ziel noch „unter Verschluss“, wird aber rechtzeitig bekannt gegeben, so dass sich nicht nur die Fahrer, sondern auch Schaulustige darauf einstellen können, wo man die beeindruckende Karawane wird in Augenschein nehmen können. Auf jeden Fall möglich ist das nach der Rückkehr am späten Sonnabendnachmittag im Sunshine-Park am Groß Särchener Knappensee-Strand. Möglich ist das auch am Vormittag des Sonntags, des 22. August. Dann stehen die 300 HT noch einmal Parade, ehe gegen 12 Uhr die Abreise angetreten wird – wieder auf eigener Achse.

Eingeladen zum Treffen sind exakt 233 Fahrer. So viele Briefe hat Jürgen Haink verschickt. Der Postweg passt nicht nur besser zu den Oldtimern als eine schnöde eMail. Auf diese Art und Weise hat Haink auch die Gewissheit, für sein Register die korrekten Adressen der Halter eines Eisenachers zu haben – darauf kommt es ja auch bei einem inoffiziellen Verzeichnis an.

Kontakt zum Adler-Wirt

Aber der Motor-Veteranen-Club Hoyerswerda hat ja nicht nur das besagte Wartburg-Treffen in seinem Jahresplan 2021. Hinzu kommen auch noch eigene Ausfahrten sowie die Beteiligung an Veranstaltungen befreundeter Clubs. Freilich alles unter dem Vorbehalt „falls die Corona-Bestimmungen es erlauben“. Und, ganz wichtig: die Club-Abende. Die sollen wieder im Vereinslokal „Am Adler“ an Hoyerswerdas Dresdener Straße 70 stattfinden. Den Kontakt zu Adler-Wirt Karsten Haiser halten die Club-Leute. Doch die Gastronomie ist ja ebenso von den Einschränkungen, die das Virus diktiert, betroffen. Da bleibt nur die Hoffnung, dass der Krankheitserreger seine Macht verliert; Club-Treffen wieder möglich werden – und vor allem das 300-HT-Treffen im August am Knappensee.

Ein Gesundheitstipp

Um etwas unernst zu schließen: Eine empfohlene Maßnahme gegen SARS-CoV-2 ist ja regelmäßiges Lüften. Und was ist luftiger als eine Fahrt im offenen Oldtimer – in einem Wartburg 300-HT an jenem August-Wochenende rund um den Knappensee?

Wartburg HT 300 - Der Hardtop-Wartburg (992 ccm / 45 PS / 122 km/h // Dreizylinder-Zweitakter ) wurde von 1965-1967 in 709 Exemplaren (davon 168 mit 311er-Fahrwerk, 541 mit 312-Unterbau) gefertigt. Zusammengebaut / montiert wurde er hauptsächlich im VEB Karosseriewerk Dresden; der Stammwerks-Sitz war jedoch das thüringische Eisenach. Das Auto kostete 18.500 MDN (Mark der Deutschen Notenbank, DDR-Mark) – bei durchschnittlichen Monatsgehältern deutlich unter 1.000 Mark eine enorme Summe. Und Autokauf auf Kredit gab’s damals nicht.

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