merken
PLUS Hoyerswerda

Von Groß Neida über Leipzig mit Aida und Hai ans Nordkap

Paul Noack arbeitet neben seinem Mathe-Biologie-Lehramt-Studium als Tanzlehrer und Gastgeber auf den Aida-Traumschiffen

Paul Noack bei einem seiner Kurse auf der Tanzfläche.
Paul Noack bei einem seiner Kurse auf der Tanzfläche. © Foto: privat

Everybody muevelo ...“ – „Jedermann bewegt sich“ – das ist die Schlüsselzeile in Henry Méndes’ Frohsinns-Mambo „El Tiborón“ von 2014. Der, ein schneller „Lateinamerikaner“ im Zweivierteltakt, mit einer heiter-einfachen Choreografie unterlegt, ist die Nationalhymne; besser gesagt: der Nationaltanz auf den Aida-Schiffen. „Den konnte letztendlich wirklich jeder“, schmunzelt Paul Noack – und dass das so war beziehungsweise ist, ist zum nicht geringen Teil sein Verdienst. Denn der Groß Neidaer arbeitet, wenn die Zeit neben dem Studium es zulässt, als Tanzlehrer und Gastgeber (dazu kommen wir noch) auf den Schiffen von AIDAcruises.

Karibik hie, Eismeer da

QF Passage Dresden
Dresdens schönste Einkaufs-Passage feiert
Dresdens schönste Einkaufs-Passage feiert

Die QF-Passage am Neumarkt wird 15 Jahre alt. Grund genug für eine große Party - und jede Menge exklusive Geschenke.

„Fünf Kontinente, 60 Länder, 180 Routen und über 300 Häfen“ werden, so verkündet es die Unternehmens-Website stolz, durch die 14 Kreuzfahrschiffe von AIDAcruises angesteuert. Schwimmende Luxus-Hotels, deren unverkennbare Markenzeichen das strahlende Auge mit dem gewagten blauen Lidschatten und der Kussmund am Bug sind. Als erstes denkt man da an Traumstrände der Karibik: Sonne, Palmen, grünes oder blaues glasklares Wasser, das schneeweißen Sand bespült ... Aber Aida-Schiffe laufen auch Gegenden an, in denen richtiger Schnee liegt, und das nicht zu knapp; Eis nicht minder. Bis hoch ans Nordkap führen die Routen. Da Natur pur für heutige Reisende etwas wenig ist, besonders wenn’s tagelang nur Wellen und Horizont zu sehen gibt (was sich als Attraktion bald verschlissen hat), gilt’s, die Zeit zwischen den Häfen, also auf dem Meer, mit Interessantem, Angenehmem und Unterhaltendem zu füllen.

Stückchen Welt, Stückchen Geld

Beispielsweise mit – Tanzkursen. Damit die Gäste bei den musikalischen Abenden auf dem Parkett eine gute Figur machen; Wiener Walzer, Disco-Fox, Cha-Cha-Cha oder sogar Rock’n’Roll so passabel hinbekommen, dass man Spaß daran hat. Und natürlich „El Tiburón“ beherrscht! Dafür ist Paul Noack zuständig. Der Groß Neidaer, leidenschaftlicher und erfolgreicher Turniertänzer seit 2011, hatte nach seinem Abitur 2018 am Léon-Foucault-Gymnasium Hoyerswerda noch zwei Monate Zeit, ehe das Studium in Leipzig beginnen würde. Da könnte man sich doch noch ein Stückchen Welt besehen – und eventuell ein Stückchen Geld verdienen. Wenn sich das obendrein mit dem Hobby vereinbaren ließe, wäre das ideal! Irgendwo hatte er gehört, dass man auf einem Aida-Schiff von Kreuzfahrt zu Kreuzfahrt als Tanzlehrer arbeiten könne. Auf der Website fand Paul Noack diese Vermutung bestätigt; bewarb sich – und fand schon in der Rückmail ein „Willkommen an Bord“ vor.

Premiere auf der „perla“

Beim Kennenlerngespräch erwies sich, dass Paul Noacks künftiger Chef gleichfalls Tänzer war. Er wusste also, was hinter der Selbstbeschreibung des Hoyerswerdaers als Turniertänzer stand – da brauchte es nicht mehr viele Worte. „Ich musste dann nur noch einmal in Hamburg vorsprechen; musste erläutern, wie ich die Tanzkurse an Bord aufbauen würde und auf Bedingungen wie Wellengang reagieren würde (nämlich mit kürzeren, einfacheren Schrittfolgen, d. A.) – und dann war alles perfekt.“ Es gab eine Woche seemännische Grundausbildung im Rostocker Stadthafen. Schließlich muss das Mitglied einer Schiffs-Crew, und das würde Paul Noack ja sein, ein paar maritime Kenntnisse besitzen: Wie ist bei einer eventuellen Evakuierung zu handeln?; Wie lösche ich Feuer?, Was muss ich tun, um einen Verunglückten zu reanimieren? – Dann hatte er den unabdingbaren Seemanns-„Schein“. Aufgeschlossenheit, Stress-Resistenz und das Wissen, dass es lange Arbeitszeiten geben würde, brachte er von Hause aus mit. Und sein Können als Tänzer. So fand er sich wenig später auf seiner ersten Tour auf dem größten Aida-Schiff, der „perla“: 2.600 Passagiere, 1.000 Besatzungsmitglieder – das ist schon ein Riese der Meere.

Eine Woche zum Eingewöhnen brauchte er. Ganz normal bei solch einem Neubeginn. Neben der Orientierung, den Abläufen, den Aufgaben und dem sich Mit-allem-vertraut-Machen lernte er schnell, dass es an Bord zwei grundverschiedene Welten gibt, in der die Mannschaft einerseits und die Passagiere anderseits leben. In seinem Job konnte er täglich zwischen beiden Welten wechseln. Mehr an Betriebsgeheimnissen wird nicht preisgegeben; Diskretion ist Ehrensache. Und Vertragsbestandteil.

„Smiling Star Award“-Gewinner

Kein Geheimnis hingegen ist, dass Paul Noack rasch beliebt war. Schon in der dritten Woche gewann er den „Smiling Star Award“: Die Passagiere konnten auf Kärtchen vermerken, welcher Mitarbeiter ihnen besonders sympathisch war – und warum. Die wurden ausgewertet. „Die Kärtchen habe ich heute noch“, sagt Paul Noack. Denn allein Tanzkurse-Geben wäre ein bisschen wenig für einen Kreuzfahrt-Job. Er war auch, wir erwähnten es, Gastgeber. Heißt: Man mischt sich unter die Passagiere der abendlichen Salons; ist ein bisschen Plauderer, Bingo-Moderator, Showmaster, Animateur, Unterhalter ... kurz gesagt: Gute-Laune-Zauberer. Und bei den Tagestouren des Publikums, an denen er gelegentlich teilnahm, machte er sich als Reiseleiter nützlich – von hilfreichen Handgriffen beim „Einbooten“ und Anlanden bis hin zum kundigen Begleiten und Problemchen-an-Land-Lösen.

Bei Windstärke 8

Nicht jede Fahrt verlief bei spiegelglattem Wasser so ruhig wie die erste mit der Aida „perla“. Fast das Gegenstück erlebte Paul Noack bei einer Tour mit der „aura“. dem zweitkleinsten Schiff der Aida-Armada. Damit ging’s zum Nordkap. Bei Windstärke 8 war er froh, ausgerechnet auf dieser Fahrt mal nicht als Tanzlehrer eingesetzt zu sein – das hätte sich kompliziert gestaltet, bei hohem Wellengang im Takt zu bleiben. Schwer genug war’s trotzdem: „Ich sollte mit den Gästen zur Ablenkung Darts spielen – aber da hat mich die Seekrankheit erwischt. Das erste und einzige Mal“; erinnert er sich mit einer Mischung aus Amüsement und leichtem Schauder. „Die großen Schiffe wie die «perla» haben ja Ausgleichssysteme, um ruhige Lage zu behalten. Bei den älteren, kleineren wie der «aura» ist das noch nicht der Fall.“

Aber die angenehmen Eindrücke überwiegen weit, weit, weit. Das meint nicht nur den vorab erwähnten Smiling Star Award. Einmal hatte er eine Abiturabschlussklasse seines Jahrgangs zu betreuen. Da war rasch ein Draht gefunden. Ebenso zu einer Reisegruppe aus Hoyerswerda, die ihm bei einer Nordkap-Reise zugeteilt war. Selbst seine Oma, Erna Dutschmann, war mal gemeinsam mit Nachbarin Karin Linneweber „auf großer Fahrt“ an Bord.

Huskies, Schaukel und Polarlichter

Viele Details sind unvergesslich. Die Husky-Tour im norwegischen Tromsø. Der Ausflug in den Geiranger-Fjord zur Schaukel: „Die hat jemand für seine Kinder ganz oben auf der Wand gebaut, in eine kleine Birke gehängt, und wenn man dann an den langen Seilen schwingt, ist man mitten im Nichts – genau über dem Fjord, in dem das Schiff liegt. Das ist eine absolute Touristen-Attraktion. Da muss jeder hin.“ Oder der „Seitenwechsel“-Abend, bei dem man sich im Metier eines anderen Entertainers versuchen musste: Paul Noack wurde DJ, legte aber freilich keinen Pop auf, sondern ausschließlich Melodien und Rhythmen der klassischen Tänze seiner Kurse. „Eine ganz schöne Herausforderung.“ Gemeistert.

Aber das mit Abstand Eindrucksvollste, was Paul Noack bei einer seiner Fahrten mit einem Aida-Schiff zu sehen bekam, waren die Polarlichter. Das Schiff lag vor Honningsvåg am Nordkap, als das unheimliche, faszinierende optische Spiel begann: „Erst war es ein zarter Nebel, dann wurde das Strahlen immer kräftiger, die Farben immer satter – dann war alles vorbei. Aber nur vorübergehend. Der Käpt’n hat dann mit Durchsagen die Passagiere darauf aufmerksam gemacht, wenn die Polarlichter sich wieder zu zeigen begannen.“

„Diese Party wird niemals enden!“

Momentan ist Paul Noack wieder an Land. Studium. Das hat übrigens gar nichts mit Tanzen zu tun, sondern am Ende steht der Abschluss fürs Lehramt am Gymnasium in Mathematik und Biologie. Tanzen betreibt er weiter als Hobby, bereitet sich derzeit mit seiner Partnerin Leontine Linck auf die sächsischen Landesmeisterschaften im Herbst vor. Aber gewiss wird noch manche Fahrt auf einem Aida-Schiff folgen. Mit „El Tiborón“, versteht sich!

„Everybody muvelo
Todo el mundo grite ohh!
Sigue sigue sin problemas
Pa‘ que bailen esas nenas ...
Ahí está el tiburón / Ahí está el tiburón ...
Esta fiesta no termina!“

#

„Jedermann bewegt sich
und die ganze Welt ruft «Ohh»:
Macht’s ihnen nach! Ohne Sorgen
tanzen diese Mädchen
den Hai / den Hai ...
Diese Party wird niemals enden!“

Mit der Aida „aura“, einem „kleinen“ Schiff, erlebte Paul Noack seine turbulenteste Fahrt zu Eis und Schnee.
Mit der Aida „aura“, einem „kleinen“ Schiff, erlebte Paul Noack seine turbulenteste Fahrt zu Eis und Schnee. © Foto: privat
Ein Muss für Nordkap-Fahrer: die Schaukel über dem Geiranger-Fjord, auf dessen Wasser derweil die Aida liegt.
Ein Muss für Nordkap-Fahrer: die Schaukel über dem Geiranger-Fjord, auf dessen Wasser derweil die Aida liegt. © Foto: privat
Landgang im norwegischen Tromsø. Sieht so ein echtes Aida-Erlebnis aus; ohne Palmen, Sonne satt und Südseestrände? Aber ja! Eine Husky-Tour ist ein Abenteuer, das man in tropischen Gefilden nicht haben kann.
Landgang im norwegischen Tromsø. Sieht so ein echtes Aida-Erlebnis aus; ohne Palmen, Sonne satt und Südseestrände? Aber ja! Eine Husky-Tour ist ein Abenteuer, das man in tropischen Gefilden nicht haben kann. © Foto: privat
Feiern will gelernt sein. Entscheidend ist ja, dass sich die Gäste wohlfühlen und beste Unterhaltung genießen. Dafür ist der Hoyerswerdaer / Groß Neidaer Paul Noack zuständig, wenn er an Bord einer Aida ist ...
Feiern will gelernt sein. Entscheidend ist ja, dass sich die Gäste wohlfühlen und beste Unterhaltung genießen. Dafür ist der Hoyerswerdaer / Groß Neidaer Paul Noack zuständig, wenn er an Bord einer Aida ist ... © Foto: privat
... und da tut eine gelegentliche Pause in frischer Brise an Bord gut. Aber nicht nur Aida-Reisegruppen betreut Paul Noack; an Land gibt er auch Tanzkurse beim Hoyerswerdaer Boulevard Altstadt – und für Abiturbälle.
... und da tut eine gelegentliche Pause in frischer Brise an Bord gut. Aber nicht nur Aida-Reisegruppen betreut Paul Noack; an Land gibt er auch Tanzkurse beim Hoyerswerdaer Boulevard Altstadt – und für Abiturbälle. © Foto: privat
Manchmal kann man sogar Berufliches und Privates ideal verbinden: Paul Noack mit Oma Erna Dutschmann, die bei einer Nordland-Tour mit an Bord des Aida-Schiffes war, auf dem der Enkel seinen Dienst tat.
Manchmal kann man sogar Berufliches und Privates ideal verbinden: Paul Noack mit Oma Erna Dutschmann, die bei einer Nordland-Tour mit an Bord des Aida-Schiffes war, auf dem der Enkel seinen Dienst tat. © Foto: privat

Mehr zum Thema Hoyerswerda