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Von Obstrettern und solidarischer Landwirtschaft

Aus einer kleinen Tätigkeit ist eine große Idee geworden. Das Konzept Solawi soll in Hoyerswerda aufgebaut werden.

Dagmar Steuer (vorn im Bild) freut sich, dass sich Obstretter (im Hintergrund) freiwillig engagieren, etwas Gutes zu tun, um regionale Produkte zu retten. Hier wurde im Sommer in der Gärtnerei Schmidt fleißig gepflückt und über die Martkschwärmer ver
Dagmar Steuer (vorn im Bild) freut sich, dass sich Obstretter (im Hintergrund) freiwillig engagieren, etwas Gutes zu tun, um regionale Produkte zu retten. Hier wurde im Sommer in der Gärtnerei Schmidt fleißig gepflückt und über die Martkschwärmer ver © Foto: Silke Richter

Von Silke Richter

Hoyerswerda. Dagmar Steuer ist Gründerin der ersten Pflanzwiese, Gastgeberin der Hoyerswerdaer Marktschwärmerei, aktive Partnerin für viele andere gemeinnützige Projekte und Yoga-Lehrerin. TAGEBLATT sprach mit der engagierten Initiatorin über bisher Erreichtes und neue Ziele.

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Sie suchen Verstärkung in Form eines Gärtners, Landwirtes oder Quereinsteigers. Was genau steckt dahinter?

Wir als Initiative MitMachstadt Hoyerswerda hatten vor einiger Zeit mit einer stetig wachsenden Gruppe von freiwilligen Obstrettern damit begonnen, etwas Sinnvolles und Nachhaltiges für die Umwelt und Stadt zu tun. Die genannten engagierten Helfer retten regional erzeugtes Obst und Gemüse. Es wird von uns gepflückt und dann über das Angebot der Marktschwärmer in Hoyerswerda, eine Alternative zum Super- und Wochenmarkt, an den Mann oder die Frau gebracht. Diese Idee hat eingeschlagen und die Nachfrage überstieg teilweise unsere Kapazitäten. Daher möchten wir es im Frühjahr mit dem Konzept einer solidarischen Landwirtschaft neu angehen und bieten engagierten Menschen mit Sinn und Herz für Natur und Gartenbau eine solide hauptberufliche Perspektive in unserer Leitung. Denn für uns selbst ist es lediglich Ehrenamt und das soll es auch bleiben.

Wie soll die solidarische Landwirtschaft (Solawi) aufgebaut sein?

Ein oder zwei Landwirte beziehungsweise Quereinsteiger könnten sich hauptberuflich um die Planung, die Aussaat und die Organisation kümmern. Die freiwilligen Helfer arbeiten nach individuellen Möglichkeiten an der Bewirtschaftung mit und erhalten einen Teil des Ertrages als Aufwandsentschädigung. Das Land Sachsen hat gerade für die regionale Wertschöpfung im Lebensmittelbereich ein Förderprogramm aufgelegt, dass wir für diese neuen hauptberuflichen Stellen nutzen möchten. Wir bieten den Crewleitern beim Aufbau der Solidargemeinschaft im Rahmen unserer Möglichkeiten auch unsere Unterstützung an. Hilfe gibt es auch bei bürokratischen Hürden, in der Betriebswirtschaft und bei der Buchhaltung.

Welcher Typ Mensch wird für die Solidargemeinschaft gesucht? Welche Anforderungen sollten Bewerber erfüllen?

Jung, stark und gut aussehend. Nein, Spaß beiseite! Wichtig ist es, dass selbstständiges Arbeiten und die Selbstorganisation keine Fremdwörter sind. Das Arbeiten in und mit der Erde sollte eine Herzensangelegenheit sein. Da zitiere ich gern den Unternehmer und Erfinder Steve Jobs: „Denn nur wer seine Arbeit von Herzen liebt, kann außergewöhnliche Ergebnisse erzielen.“ Natürlich gehört Teamfähigkeit auch dazu. Schließlich arbeiten bei dieser Tätigkeit ehrenamtliche Mitarbeiter eng zusammen, die immer wieder motiviert werden wollen. Wir haben unsere Fühler auch schon in die Nachbarländer Polen und Tschechien ausgestreckt, werden es auch noch in den Großstädten Berlin, Leipzig und Dresden tun. Denn die Tendenz einer Stadtflucht in den ländlichen Raum ist nicht mehr zu übersehen. Und so bieten wir beste Startbedingungen.

Welche weiteren Ziele stehen für Sie zukünftig auf der Agenda?

Den jetzigen Lockdown nutze ich, um das bürgerschaftliche Engagement auf eine breite Basis zu stellen und viele Akteure zu vernetzen, Fördergelder für Projekte zu generieren und natürlich auch Mut zu machen. Es entstehen gerade großartige Kooperationen und dafür bin ich dankbar. Selbstverständlich möchte ich auch weiterhin als Yoga- und Pilates-Lehrerin mein Wissen weitergeben. So haben wir Übungsvideos für daheim aufgenommen und seit Dezember gibt es für alle auch regelmäßig Online-Yoga in der Liveschaltung. Ohne die Krise hätte ich mich damit etwas schwergetan und wir merken alle, es ersetzt nicht komplett den Kurs in Präsenz, ist aber sehr bequem. Deshalb werden wir sicher für einen Kurs pro Woche weiter im Onlinemodus bleiben. Dennoch freue ich mich auch wieder auf die Präsenzveranstaltungen.

Haben Sie noch eine weitere Botschaft in dieser Zeit?

Für mich ist jede Krise eine Chance, so habe ich im letzten Lockdown im April, als ich auch keine Sportkurse geben konnte, die Marktschwärmer, den Onlineshop mit Marktfeeling, ins Leben gerufen und es ist für alle beteiligten Erzeuger der Region ein wahrer Segen. So kann man sich gegenseitig helfen. Ich habe auch erfahren, dass die Spenden- und Hilfsbereitschaft der Menschen, die keine Einbußen haben, enorm gestiegen ist. Ich denke da beispielsweise an Aktionen für den Zoo und den Pub Black Raven. Wir können die gegenwärtige Situation nicht ändern, aber wir können die Krise als Chance sehen, an der wir wachsen können. Daher heißt es, Kopf hoch, neue Geschäftsfelder und Standbeine auftun und vielleicht merkt man irgendwann, dass es die beste Entscheidung des Lebens war. Aus Ideen werden Taten, aus Träumen Realität. Wer etwas wirklich will, findet auch die Unterstützung, die er braucht.

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