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Waldbad-Ertüchtigung ist ein Mammut-Vorhaben

Eine von der Stadt Bernsdorf in Auftrag gegebene Studie zeigt Defizite und Wege auf.

Noch vergangene Woche hatte der See des Bernsdorfer Waldbades eine Eisdecke.
Noch vergangene Woche hatte der See des Bernsdorfer Waldbades eine Eisdecke. © Foto: Ralf Grunert

Bernsdorf. Bei der Ausstattung und Gestaltung ist das Bernsdorfer Waldbad irgendwo im Bereich der 1970er-Jahre stehengeblieben. Eine im November von der Stadt in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie soll den Weg aufzeigen, wie dem beliebten Naherholungszentrum der Schritt in die Neuzeit gelingen kann. „Das Ergebnis der Studie soll eine mit der Stadt, den Betreibern und Nutzern, den weiteren Interessengruppen und mit dem Tourismusverband abgestimmte fachlich untersetzte Entwicklungskonzeption sein, die den Grundanforderungen an eine zeitgemäße touristische Infrastruktur entspricht.“ So lautet der Auftrag an das Kamenzer Architekturbüro Ilona Palme.

Bei einem Online-Meeting mit zwölf Teilnehmern wurden von der Planerin unlängst die ersten Arbeitsergebnisse präsentiert. Darüber informierte der Wiednitzer Ortsvorsteher Markus Neumann in der jüngsten Sitzung des Ortschaftsrates. Die Bernsdorfer Hauptamtsleiterin Gabriele Witschaß ging auf Details ein. Demnach sei eine Erfassung des aktuellen Zustandes erfolgt, was für die Planerin angesichts des Fehlens maßgeblicher Unterlagen nicht so einfach war. „Es gibt kaum Vermessungsunterlagen. Und die, die da sind, sind uralt“, so die Hauptamtsleiterin.

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Besucherzahlen sprechen für sich

Als Stärken des Waldbades wurden beim Online-Meeting insbesondere dessen idyllische Lage, die Wasserqualität und auch die Lage am Froschradwanderweg genannt. Zuletzt jährlich um die 20.000 Besucher unterstreichen, wie beliebt es ist. Und das trotz der vielen Schwächen, die es gibt. Das beginnt bei der in die Jahre gekommenen Bausubstanz und reicht über defekte Einfriedungen bis hin zu überalterten Medienzuführungen und der zersplitterten Lage diverser Funktionsgebäude, sprich Rezeption, Sanitär, Umkleiden, Rettungsschwimmer, Versorgung und Zeltkino.

Hinzu kommen nach Auskunft von Gabriele Witschaß weitere Probleme. Es seien Überbauungen von Waldflächen festgestellt worden. „Davon sind Bungalows betroffen.“ Auch von Schwarzbauten ist die Rede, erfuhren die Wiednitzer Räte. Die Mängelliste erstreckt sich von den Badeanlagen inklusive Strandbereich und Rettungsschwimmergebäude über das Zeltkino und das Kassenhaus bis hin zu den Umkleiden und den Wanderhütten. Zum Teil lasse der Zustand nur noch den Abriss zu.

Zurückblickend auf das Online-Meeting nannte die Hauptamtsleiterin im Wiednitzer Ortschaftsrat drei Schwerpunkte. Zuallererst müsste etwas an der Gaststätte getan werden, wobei hier die Frage im Raum steht: Erhalten oder neu bauen? Die eigentliche Gaststätte wurde 1964 errichtet und macht etwa ein Viertel des heutigen Grundrisses aus. Der Terrassen-Anbau samt Überdachung erfolgte 1971. „Wenn sie in den Zustand versetzt wird, wie er einmal war, könnte die Gaststätte stehen bleiben.“

An zweiter Stelle der ersten Maßnahmen steht die Modernisierung des Sanitärgebäudes neben der Gaststätte, gefolgt von der Errichtung eines ordentlichen Caravan-Stellplatzes. Letzteres sei eine Empfehlung von Kathrin Winkler, der Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Lausitzer Seenland. Hierbei müsse zwar erst einmal investiert werden. Das refinanziert sich aber recht schnell, so deren Erfahrung. „Der jetzige Platz sollte im Bereich des Zeltkinos einen neuen Standort bekommen.“

Perspektivisch müssten Neubauten folgen. Eine Rezeption und ein Sanitärgebäude würde die Planerin unmittelbar an der Gaststätte errichten, gegebenenfalls auch einen Fahrradverleih, darüber hinaus ein neues Rettungsschwimmergebäude sowie flexibel nutzbare einfache Beherbergungsmöglichkeiten als Alternative zu abgerissenen Wanderhütten. Zwischen Kamenz und Hoyerswerda gibt es entlang des Froschradwanderweges keine Unterkünfte in Form von „Bett & Bike“, heißt es dazu in der Machbarkeitsstudie, in der auch Empfehlungen für eine Neugestaltung des gesamten Eingangsbereiches zum Waldbad sowie zur Wasser- und Strandgestaltung gibt.

Erneuerungsbedarf bei Leitungen

Eine grundhafte Medienerneuerung versteht sich beim Alter der vorhandenen Leitungen von selbst. Das schließt allerdings nicht die Erneuerung der Medienleitungen für die Bungalows ein, wurde auf Nachfrage beim Online-Meeting gesagt. Die Bungalows seien Privatbesitz. Zudem befinden sie sich außerhalb des von der Stadt beauftragten Betrachtungsgebietes.

Nun werden sich die Stadträte mit dem Entwurf der Machbarkeitsstudie befassen, wobei es neben den Einzelmaßnahmen vor allem auch um Kosten und einen möglichen Realisierungszeitraum gehen dürfte. Was Letzteres angeht, so ist mit einem großen Wurf so schnell nicht zu rechnen. Immerhin muss die Stadt öffentliche Gelder einsetzen und Fördermittel akquirieren.

Ein Angebot zur Mitwirkung

Das weiß auch Familie Gläßer, die das Waldbad seit 2015 betreibt. Es gibt allerdings Dinge, die müssen zeitnah in Angriff genommen werden, sagt Marlen Gläßer, die am Online-Meeting teilgenommen hat. Konkret geht es um die Elektrik der Gaststätten-Küche. Insgesamt gesehen sind Gläßers froh, dass sich die Stadt nunmehr mit der Ertüchtigung des Waldbades befasst und dass sie selbst auch bei der Erstellung der Machbarkeitsstudie mit einbezogen werden. Marlen Gläßer kann sich zudem gut vorstellen, bei bevorstehenden Umgestaltungsmaßnahmen mit anzupacken. Sie verweist auf die langjährige Erfahrung in der Bewirtschaftung von Freizeit- und Erholungsanlagen, die ihr Mann und sie haben. „Auch bei Baumaßnahmen können wir mitwirken“, bietet sie an. In ihrer Firma gebe es zum Beispiel einen Maurer ...

Auf dieser Zeichnung hat die Planerin erste Gedanken über die zukünftige Gestaltung des Bernsdorfer Waldbades zu Papier gebracht. Auffällig ist unter anderem der neu gestaltete Eingangs- und Gaststättenbereich. Es handelt sich um den ersten Entwurf einer
Auf dieser Zeichnung hat die Planerin erste Gedanken über die zukünftige Gestaltung des Bernsdorfer Waldbades zu Papier gebracht. Auffällig ist unter anderem der neu gestaltete Eingangs- und Gaststättenbereich. Es handelt sich um den ersten Entwurf einer © Plan/Fotomontage: Architekturbüro Ilona Palme/arte

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