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Warum die Impfquote nur ein Anhaltspunkt ist

Die Zahl der geimpften Bewohner eines bestimmten Kreises lässt sich höchstens annäherungsweise ermitteln.

Im Kamenzer
Impfzentrum klappt der Ablauf
allen Berichten
zufolge recht
reibungslos– mit Ausnahme eines Tages Anfang
Februar.
Im Kamenzer Impfzentrum klappt der Ablauf allen Berichten zufolge recht reibungslos– mit Ausnahme eines Tages Anfang Februar. © Foto: Mirko Kolodziej

Hoyerswerda. Dank der emsigen Arbeit einiger niedergelassener Ärzte ist die Rate der Impfungen gegen Sars-CoV-2-Viren in hiesigen Seniorenheimen recht hoch. Wie zu hören ist, ist die Zeit vieler schwerer Covid-19-Erkrankungen oder gar Todesfälle in der stationären Altenpflege in der Stadt vorbei. Dennoch rückt erst in den nächsten Tagen ein mobiles Impfteam im Altenzentrum der Arbeiterwohlfahrt im WK IX an.

Denn als dort zu Jahresbeginn geimpft werden sollte, ging das nicht. Es gab damals zahlreiche Krankheitsfälle und Quarantänen, die das ausschlossen. Das Beispiel zeigt: Es kommt auch beim Impfen auf den Einzelfall an. Insbesondere hatten in den letzten Wochen Veröffentlichungen zu regionalen Impfquoten für Stirnrunzeln gesorgt. „Warum ist der Kreis Bautzen Schlusslicht?“ wollte etwa bei Hoyte24 Gerd Döring wissen. Und Reinhard Ständer schrieb dem TAGEBLATT, eine Erklärung wäre ganz schön. Auch die am Donnerstag veröffentlichten Impfquoten legten solche Gedanken wieder nahe. Vogtlandkreis: 11,45 Prozent Erst- sowie 5,59 Prozent Zweitimpfung; Chemnitz: 9,61 und 4,91 Prozent, hingegen Bautzen, ähnlich wie der Erzgebirgskreis: 5,87 und 3,85 Prozent.

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Waren hier also überdurchschnittlich viele Menschen krank und konnten nicht geimpft werden? Oder funktioniert das Impfzentrum in Kamenz nicht? Vom Roten Kreuz, das in Sachsen für das Impfen verantwortlich ist, heißt es kurz und knapp, man wolle da nicht spekulieren.

Sachsens Sozialministerium dagegen gibt einen Tipp: „Die Impfberechtigten sind bei der Wahl des Impfzentrums frei. Es kann dasjenige ausgewählt werden, welches am günstigsten gelegen ist.“ Im Fall des Kreises Bautzen kommen dafür je nach Region neben Kamenz auch Löbau, Pirna und Dresden infrage. Doch daraus ergibt sich, dass die auf die Kreise bezogenen Impfquoten genau das nicht sind, zumindest nicht exakt, sondern eher grobe Anhaltspunkte. Denn statistisch erfasst sind nur die absoluten Zahlen der Nutzer der Impfzentren – nicht aber, in welchem Kreis sie leben. Die Prozente sind also aus zwei Werten berechnet, die nur sehr bedingt etwas miteinander zu tun haben, nämlich der Einwohnerzahl eines Kreises und der Zahl der auf dem Gebiet eines Kreises versorgten Personen – wo immer sie auch herkommen. Es könnte also durchaus sein, dass Menschen aus Bischofswerda und Großharthau (Kreis Bautzen) die Quote in Pirna (Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge) nach oben treiben, Menschen aus Weißenberg und Hochkirch (Kreis Bautzen) jene in Löbau (Kreis Görlitz) und Menschen aus Ottendorf-Okrilla und Radeberg (Kreis Bautzen) die in Dresden.

Laut den vom Land Sachsen veröffentlichten Zahlen haben in der zurückliegenden Woche (von Freitag zu Freitag) von den Ärzten im Impfzentrum in Kamenz sowie von jenen der mobilen Impfteams im Kreis Bautzen 1.407 Menschen Erst- sowie weitere 2.382 Menschen Zweit-Impfungen erhalten. Hinzu kommen noch Spritzen für Personal in Krankenhäusern, die zahlenmäßig nicht einmal in der Statistik erfasst sind. Man kann gegenwärtig nur festhalten: Auf dem Territorium des Kreises Bautzen sind aktuell 18.134 Personen erst- sowie davon 12.160 Personen zweitgeimpft worden. Wie viele davon womöglich in Thiendorf (Kreis Meißen) oder in Schleife (Kreis Görlitz) leben, ist ebenso unbekannt wie die Zahl der „auswärts“ Geimpften von hier.

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