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Warum ein gut gefülltes Holzlager jetzt von Vorteil ist

Wegen steigender Exporte ist im Moment auch in der Region das Bauholz knapp. Leidtragende sind Handwerker und ihre Kunden.

Olaf Körner von der Holzbau Hoyerswerda GmbH registriert die steigenden Bauholzpreise zwar mit einem Stirnrunzeln. Er selbst hat sein großes Lager aber so gut gefüllt, dass er seine Preise noch recht stabil halten kann.
Olaf Körner von der Holzbau Hoyerswerda GmbH registriert die steigenden Bauholzpreise zwar mit einem Stirnrunzeln. Er selbst hat sein großes Lager aber so gut gefüllt, dass er seine Preise noch recht stabil halten kann. © Foto: Mirko Kolodziej

Hoyerswerda. Zimmerermeister Olaf Körner ist der Chef der Holzbau Hoyerswerda GmbH mit Sitz im Industriegelände. Hauptgeschäft des Unternehmens ist der Bau von Dachstühlen. Zuletzt waren Körner und seine Leute viel mit der Neubebauung an der Paul-Ehrlich-Straße im WK V beschäftigt. Im Februar oder März, erinnert er sich, hätten sich erstmals steigende Bauholz-Preise bemerkbar gemacht. Allgemein bringt man sie mit dem Anziehen der Konjunktur in China und den USA nach dem Einbruch durch die Beschränkungen zur Eindämmung von Covid-19 in Verbindung.

Während zumindest hier auf dem regionalen Bau-Markt übers letzte Jahr kaum etwas von Einschränkungen zu spüren war, scheint das in anderen Weltgegenden anders gewesen zu sein. Und nun startete US-Präsident Joe Biden auch noch das größte Konjunkturprogramm seit Langem. Die Folgen sollen sich heute auch von Königsbrück bis Guttau sowie zwischen Bischofswerda und Lohsa bemerkbar machen. Als vor ein paar Tagen im Spreetaler Gemeinderat die Rede auf im Dezember mit jeweils festem Budget beschlossene Reparaturen an Gemeinde-Objekten kam, meinte Gemeinderat Frank Wache: „Nun mal Butter bei die Fische – können wir uns das bei den steigenden Preisen eigentlich noch leisten?“ Antwort der Gemeindeverwaltung: Das werde man sehen müssen.

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Sven Krause vom Bautzener Baustoffzentrum Wöhlk weist zur Erklärung über den Atlantik: „In den USA wird inzwischen doppelt so viel für das Rohmaterial bezahlt wie bei uns“. Der Markt dort sei hungrig – vor allem, weil der Hauptzulieferer Kanada so wie die hiesigen Wälder unter Borkenkäfer-Befall leide, was die Exporte in die Vereinigten Staaten erheblich reduziert habe. Den ersten Schritt der Weiterverarbeitung von Rundholz in die Vorstufe von Konstruktionsvollholz übernehmen in Deutschland nur wenige Großsägereien. Sie seien es, die den Baustoff anschließend in Container verladen und zum deutlich besseren Preis nach Übersee verkaufen – anstatt ihn, wie bisher üblich, auf kleinere Sägewerke zu verteilen, die unter anderem Handwerker versorgen.

Diese kleinen Sägereien könnten davon profitieren, mag man meinen. Schließlich sind die hiesigen Forste noch voller Holz, das beständig geerntet und teilweise auch lokal vermarktet wird. Aber das stimmt nicht ganz. Den Bedarf privater Abnehmer könne er zwar nicht decken, obwohl er alle seine Zimmerei-Baustellen abgesagt habe und nur noch Holz zuschneide, sagt der Königsbrücker Sägerei-Besitzer Johannes Lindner. Aber: „Ich als kleines Ein-Mann-Säge-Werk darf keine CE-Plakette auf das Holz kleben. Dafür bräuchte ich eine Zertifizierung. Ohne die nehmen mir die Architekten das Holz aber nicht ab“, fährt er fort.

Sven Krause spricht in diesem Zusammenhang von der „Arroganz der Großsäger“. Deren Folge: Die Regale in den Lagern der hiesigen Zulieferer lichten sich, die Handwerker sind frustriert, weil Lieferengpässe und ständig steigende Preise ihren Arbeitsaufwand enorm erhöhen. Olaf Körner von der Holzbau Hoyerswerda GmbH gibt ein Beispiel: Der Preis für eine Dachlatte sei von 50 Cent auf 2,70 Euro gestiegen. Der Hoyerswerdaer Unternehmer selbst ist momentan noch nicht so sehr von der Entwicklung betroffen. Er hat auf dem früheren Betonwerks-Gelände ein recht großes Lager, das er vor Beginn des heftigen Preisanstiegs gut gefüllt hat. Körner kommt damit auch noch eine Weile hin. Für künftige Angebote an Kunden, meint er, könne die Kalkulation jedoch schwierig werden. Sein Eindruck: Als die Preise zu steigen begannen, sei es auch mit dem Hamstern losgegangen: „Das ist wie im vorigen Jahr mit dem Toilettenpapier.“ Stimmt das, ist die Knappheit also zumindest zum Teil künstlich. Am Ergebnis ändert das nichts: Gab es im Februar für Bauholz noch Lieferfristen von zwei Wochen, dauert die Lieferung derzeit zwischen sechs und zehn Wochen.

Clemens Heber, einer der beiden Inhaber des Unternehmens Holzbau Heber in Kirschau, findet für die Konsequenzen dieser Entwicklung klare Worte: „Wir Handwerker sind die Prügelknaben“. Er meint: Weder Lieferfristen noch Preisangebote seien während der gegenwärtigen Lage zu halten. Während Baustoff-Zulieferer wie Wöhlk selbst dann noch ausreichend Abnehmer finden, wenn weder Termine noch Kosten eingehalten werden können, muss Heber als jener, der das gelieferte Material verbaut, seine Zwänge ständig neu erklären. „Den Text kann ich inzwischen auswendig“, sagt er. Dieses Dilemma kennt auch der Räckelwitzer Holzbauer und Zimmerer Enrico Pötschke. Er hat die ganze Bandbreite der Reaktionen bei seinen Kunden erlebt: von der Auftragsabsage bis hin zum Verständnis. Natürlich, fährt er fort, versuche er, sich auf die Situation einzustellen – rechtzeitig mit den Kunden Kontakt aufzunehmen, schnell alle Details zu klären und lange im Voraus das Material zu bestellen. Aber durch ständige Verzögerungen und Kostensteigerungen sei das kraftaufwendig: „Der organisatorische Aufwand hat sich locker verdoppelt“, sagt er. Und selbst, wenn er an alles gedacht habe, sei es am Ende manchmal die Tube des ebenfalls raren Dachklebers, die fehle: „Dann stehst du da mit einem halboffenen, nicht sturmsicheren Dach“, sagt er.

Der Hoyerswerdaer Olaf Körner glaubt oder hofft zumindest, dass die Lage sich in den nächsten Monaten einpendelt, der Markt sich reguliert: „Der Handel hat ja keinen Umsatz, die Lieferanten auch nicht“, meint er. Langfristig macht dem Zimmerer eine andere Entwicklung Sorgen: Es mangele an Nachwuchs. Wurden früher nur für den Kreis Hoyerswerda um die 30 Jung-Zimmerer pro Jahrgang ausgebildet, seien es heute so viele im ganzen Land Sachsen. Die Frage ist aus Körners Sicht also viel mehr, wer in der Zukunft eigentlich die Arbeit machen soll. Und wenn das Angebot sich verknappt, schlage das auch auf die Preise durch – Handwerk mit richtig goldenem Boden. (FSp/MiK)

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