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„Was zählt, sind Ergebnisse“

Markus Posch will Bürgermeister in Wittichenau bleiben. Zu tun gibt es reichlich.

Markus Posch (CDU) ist seit 2014 Bürgermeister in Wittichenau. Das will er weiter bleiben. Der 51-Jährige ist am 9. Mai zur Bürgermeister-Wahl der einzige Kandidat. Das Foto zeigt ihm am Stadtteich.
Markus Posch (CDU) ist seit 2014 Bürgermeister in Wittichenau. Das will er weiter bleiben. Der 51-Jährige ist am 9. Mai zur Bürgermeister-Wahl der einzige Kandidat. Das Foto zeigt ihm am Stadtteich. © Foto: Andreas Kirschke

Wittichenau. In der Stadt Wittichenau und in den elf Ortsteilen ist am 9. Mai Bürgermeister-Wahl. Mit Markus Posch (CDU) stellt sich diesmal nur ein Kandidat dem Votum der Einwohner. Der 51-jährige Wittichenauer ist seit 2014 Bürgermeister. Mit „Ja so za to staram“ und „Ich bleibe dran“ wirbt er um erneutes Vertrauen der Bürger.

Herr Posch, bei der Bürgermeisterwahl 2014 hatten Sie vier Mitbewerber. Da ist 2021 ein einsames Kandidaten-Rennen?

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Das kann man sehen, wie man will. Zum einen zeigt es: Seit 2014 ist durchaus einiges gut gelaufen. Das spricht für die gute Teamarbeit in der Stadtverwaltung. Zum anderen zeigt es die enorme Verantwortung als Bürgermeister. Der will ich mich erneut stellen.

Was motiviert Sie dafür?

Ich will nah am Bürger arbeiten. Ich will an Erreichtes anknüpfen. Mein Motto ist „Ich bleibe dran“. Was zählt, sind Ergebnisse.

Was konnten Sie seit 2014 erreichen?

Ganz wichtig war der Neubau der katholischen Kindertagesstätte St. Marien 2019. Damit investieren wir langfristig in die Zukunft der Familien, sichern auch den Bestand der Grundschule und der Oberschule. In Spohla gelang 2017 die Sanierung der Friedhofskapelle. Für Maukendorf und Saalau beschafften wir 2015 je ein neues, modernes Feuerwehr-Fahrzeug. In Wittichenau ließen wir 2019/ 2020 dank Leader-Förderung den Stadtteich sanieren. Und das so naturnah wie möglich. Ebenso gelang in Wittichenau 2018 gegenüber dem Friedhof die Restaurierung des Denkmals für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Wir konnten zahlreiche Straßen sanieren, unter anderem in Saalau, Sollschwitz und Kotten.

Welche waren Ihre prägenden Erfahrungen in der Zeit 2014 bis 2021?

Als Bürgermeister sind meine Handlungsmöglichkeiten begrenzt. Das spüre ich immer wieder. Es liegt vor allem an zwei Dingen. Der erste Punkt ist die Zuständigkeit. Seit Jahren wollen wir zum Beispiel straßenbegleitende Radwege wie Brischko-Maukendorf und Hoske-Rachlau realisieren. Das sind jedoch Kreisstraßen. Die Verantwortlichkeit liegt beim Kreis. Wir als Stadt können nur begrenzt handeln – und das ist oft ärgerlich. Der zweite Punkt sind die Finanzen. Wir können nur das ausgeben, was wir zur Verfügung haben und müssen Prioritäten setzen, uns auf einzelne Maßnahmen konzentrieren. Manches Vorhaben muss warten, was für manchen Bürger schwer nachvollziehbar ist.

Was wollen Sie bis 2028 für die Wirtschaftsförderung erreichen?

Als Stadt können wir keine Arbeitsplätze schaffen. Doch wir können für gute Ansiedlungsbedingungen sorgen: für Möglichkeiten der Kinderbetreuung, für Bildung, Kultur und Sport. Ich will einheimische Handwerker, Gewerbetreibende und Kleinhändler weiter unterstützen – dafür stehen Initiativen wie das „Einkaufen im Feuerzauber“, das neue Gutschein-System, die Baby-Begrüßung. Ebenso ein stabiler Hebesatz seit Jahren für die Gewerbesteuer. Mit 370 Prozent haben wir einen der niedrigsten Steuersätze der Region und es bleibt mehr Geld im Portemonnaie der heimischen Handwerker und Gewerbetreibenden.

Haben gerade die kleinen Firmen Zukunft in Wittichenau?

Durchaus. Trotz aller Schwierigkeiten. Ein enormes Problem ist oft die Nachfolge im Geschäft. Ein weiteres Problem ist der zunehmende Online-Handel. Dem stellen sich auch unsere heimischen Firmen. Zuallererst liegt es an jedem Einwohner, an jedem Einzelnen von uns selbst, ob wir in zehn Jahren noch viele kleine Geschäfte in der Stadt haben. Jeder trägt durch sein Einkaufsverhalten mit dazu bei.

Wie wollen Sie als Bürgermeister die sorbische Sprache stärken?

Zweisprachigkeit leben wir in der Verwaltung vor. Mit Stephen Rachel im Bauamt (er ist der Sorbenbeauftragte der Stadt), mit Angelika Czöpitz im Hauptamt und Irene Noack im Standesamt haben wir einige sorbische Muttersprachler im Rathaus. Sie unterstützen mich in sorbischen Angelegenheiten. Ziel ist, dass wir jetzt auch die Internet-Seite der Stadt zweisprachig gestalten. Die Zukunft der sorbischen Sprache hängt meines Erachtens von vielen Punkten ab. Wie leben Muttersprachler tagtäglich die Sprache in der Familie? Nutzen sie die sorbischen Gottesdienste? Nutzen sie die sorbischen kulturellen Veranstaltungen? Schicken sie ihre Kinder konsequent in den Sorbisch-Unterricht? Sorbisch besteht und lebt mit Konsequenz in den Familien. Wir als Stadt können nur ergänzende Angebote geben. Wir können für gute Bedingungen sorgen. Die Sanierung der Grundschule ist fast geschafft. Folgen soll die energetische Sanierung der Oberschule. Beide Schulen praktizieren für die Sorbisch-Vermittlung das Konzept 2plus. So können die Kinder von Klasse 1 bis 10 durchgängig Sorbisch lernen.

Wir sprachen vorhin über Erreichtes. Was werden Ihre neuen Schwerpunkte als Bürgermeister sein?

Das ist zum Ersten der Neubau des Feuerwehr-Gerätehauses in Wittichenau. Ziel ist die Baumaßnahme 2022. In diesem Jahr wollen wir wichtige Voraussetzungen und Vorleistungen auf den Weg bringen. Zweites wesentliches Ziel ist die energetische Sanierung der Oberschule. Wir wollen die Realisierung durch Förderung aus dem Strukturstärkungsgesetz erreichen.

Kann Wittichenau am Strukturwandel teilhaben?

Ja, durchaus. In erster Linie muss es darum gehen, verlorengegangene Arbeitsplätze aus der Kohle durch neue Arbeitsplätze zu ersetzen. Es muss darum gehen, neue Gewerbe und neue Industrien zu entwickeln. Nur dann sind die Mittel des Strukturwandels wirklich sinnvoll, zielführend und zweckbindend für die Zukunft eingesetzt. Ich halte so manche bislang eingereichten Projekte für Schnellschüsse und frage mich, ob diese unsere Region tatsächlich weiterbringen. Durch die Sächsische Agentur für Strukturentwicklung, durch Land und Bund wird sehr sorgfältig geprüft, welche Projekte für die Bewilligung durch den Strukturwandel geeignet sind.

Hat auch Wittichenau Projekt-Ideen?

Ja. Sie sind aber noch nicht spruchreif. Wir wollen sie erst intern entwickeln und beraten in der Verwaltung. Weitere Ideen werden dann sicher Gegenstand der Beratungen zum Gemeinde-Entwicklungskonzept Wittichenau in der Zukunft sein. Mehr kann ich dazu noch nicht sagen.

Wie wichtig ist Ihnen die Stärkung und Förderung der Ortsteile?

Sehr wichtig. Jeder Ortsteil hat seine Eigenarten, seine Einzigartigkeit und seine Unverwechselbarkeit. Jeder Ortsteil hat seine eigene Identität. Diese gilt es, weiter zu bewahren. Verbindend sind natürlich übergreifende Traditionen wie der Wittichenauer Karneval und das jährlich traditionelle Osterreiten.

Was wollen Sie für den Zusammenhalt der Ortsteile erreichen?

Beibehalten will ich jährlich in allen Ortsteilen den Ortsrundgang mit dem Ortschaftsrat. Gerade dabei kommen viele Probleme zur Sprache. Manches lässt sich vor Ort klären. Manches braucht einfach Zeit. Als Stadtrat wollen wir auch in der Zukunft immer wieder in den Ortsteilen tagen. Auch dabei bekommen wir – ich als Bürgermeister und die Stadträte ebenso – ein Gespür für die konkreten Probleme vor Ort. Ich bleibe an wichtigen Vorhaben dran. In Maukendorf steht die Sanierung der Ortsdurchfahrt (aus Richtung Wittichenau) an. Ebenso der Bau des Radweges von Maukendorf nach Brischko. Dran bleibe ich am Bau des Radweges Hoske-Rachlau. Für das gesamte Territorium der Stadt Wittichenau und der Ortsteile erstellen wir jetzt den Flächennutzungsplan. Dieser ist ganz wichtig für die Baumöglichkeiten der Zukunft. Wir hoffen, dass künftig noch viele junge Familien und auch Rückkehrer nach Wittichenau ziehen.

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