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Weltklasse in Hoyerswerda

Wie eine Krise auch künstlerisch verarbeitet werden kann, zeigte sich in der Lausitzhalle.

Ganz in seinem Element war der Grammy-Gewinner an diesem Abend: Beim Klavierkonzert „Jazz“ spielte Brad Mehldau im Rahmen des Lausitz-Festivals in der Lausitzhalle Hoyerswerda.
Ganz in seinem Element war der Grammy-Gewinner an diesem Abend: Beim Klavierkonzert „Jazz“ spielte Brad Mehldau im Rahmen des Lausitz-Festivals in der Lausitzhalle Hoyerswerda. © Foto: Gernot Menzel

Hoyerswerda. Mit einem hochkarätigen Gast hat das Lausitz Festival in Hoyerswerda aufgewartet. Am Dienstagabend spielte Brad Mehldau im Großen Saal der Lausitzhalle vor etwa 60 Zuschauern. Der Pianist Brad Mehldau stammt aus den Vereinigten Staaten von Amerika und lebt heute mit seiner Familie in den Niederlanden. Dort hat er auch den Lockdown im Frühjahr erlebt. 

Diese Eindrücke hat er in einigen kurzen Stücken musikalisch verarbeitet. Als Album mit dem Titel „Suite: April 2020“ sind die zwölf Titel für Klavier im Juni digital und auf Vinyl erschienen und ab September auf CD.

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Einige dieser Werke präsentierte er auch bei seinem jüngsten Konzert. Er kündigt sie als „Gefühle und Erfahrungen vom Lockdown“ an. Und so wird der Hörer mitgenommen in das Gefühlsleben des Jazzpianisten. Einiges kommt bekannt vor und erinnert an die eigenen Erlebnisse, anderes zeigt Neues. Die Bandbreite reicht von einer positiven, frühlingshaften Stimmung, die dennoch mit einigen Brüchen zu kämpfen hat, bis hin zum nächsten Spiel, in dem es fragend und zaghaft wird. Eine entschlossene und starke Komposition folgt.

Der Begleittext des Albums erklärt das Stück „keeping distance“ folgendermaßen: Es geht um die Erfahrung zweier Menschen, die sich voneinander distanzieren müssen – und das repräsentiert durch die linke und rechte Hand des Pianisten, die sich in verschiedene Richtungen bewegen.

Und so werden weitere Facetten dieser prägenden Zeit aufgezeigt: Auf eine aufblühende Melodie folgt ein Zurückweichen und Enttäuschung. Der Abschluss dieser Einheit schafft es doch fließend, schwingend – fast tänzerisch zu wirken.

Die folgenden Titel kündigt Brad Mehldau wieder kurz an. Der Abend führt zu den Beatles. Eigentlich gibt es keine Berührung zum Jazz, aber er schafft es, mit einer eigenen Interpretation verschiedener Titel die Lieder neu zu beleben.

Er sagt über diese Band: „Sie haben uns mit all diesen großartigen Liedern zurückgelassen.“ Scheinbar eine Aufforderung, sie in eine neue Zeit mitzunehmen. Einige Titel des Albums „Abbey Road“, das 1969 erschienen ist, erklingen.

In einigen Interpretationen verliert sich Brad Mehldau minutenlang. Nimmt Bögen und Umwege, um letztendlich doch wieder zum Motiv zurückzufinden.

Gelegenheiten, vor Publikum zu spielen, gab es zuletzt kaum. Im März musste die Tour abgebrochen werden. Am Ende bedankt er sich aufrichtig für die gemeinsam verbrachte Zeit. „Wir Musiker brauchen euch – das Publikum.“ Er erinnert damit daran, wie sehr alle Künstler immer noch leiden. Sein nächstes Konzert in der Elbphilharmonie ist bereits ausverkauft.

Mit diesem Abend beendet das Lausitz Festival sein Gastspiel nach nur zwei Veranstaltungen in Hoyerswerda. Bis zum 16. Oktober sind weitere Konzerte, Vorträge und Liederabende in der Lausitz zu erleben.

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