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Wendische Geschichte wird erlebbar

Das Niederlausitzer Heidemuseum Spremberg dokumentiert sie für Stadt und Umlanddörfer in der Dauerausstellung.

Alltagsgegenstände aus dem bäuerlichen Leben.
Links oben in der Vitrine die Figur „Braut aus Groß Buckow“ von Irmgard Kuhlee.
Alltagsgegenstände aus dem bäuerlichen Leben. Links oben in der Vitrine die Figur „Braut aus Groß Buckow“ von Irmgard Kuhlee. © Foto: Jost Schmidtchen

Von Jost Schmidtchen

Spremberg. Themen der Abteilung Volkskunde im Niederlausitzer Heidemuseum Schloss Spremberg sind die Siedlungsgeschichte und der Lebensweise der Wenden in den vergangenen Jahrhunderten. In vier Räumen des zweiten Obergeschosses des Schlosses entfaltet sich ein breites Spektrum, das bis in die Gegenwart reicht. Das Wendische hat in Spremberg nie aufgehört zu existieren. Angefügt sei, dass auch Darstellungen aus dem Landkreis Spree-Neiße nicht fehlen, in dessen Eigentum sich Schloss und Museum befinden. Spremberg steht mit seinen Dörfern des historischen Altkreises dennoch im Mittelpunkt.

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Was der Besucher im Museum erleben kann

Bewahrt werden die wendischen/sorbischen Bräuche mit im Schloss gezeigten Bildern, Ostereiern und Trachten. Dazu gehören bis heute, vor allem im ländlichen Raum, traditionell das Zampern, die Fastnacht, die Osterbräuche in ihrer ganzen Vielfalt, das Maibaumstellen, Dorffeste vom Frühjahr bis zum Herbst und die Kirmesfeiern. Auch die Tracht des Jänschwalder Bescherkindes kann bestaunt werden. In diesen Reigen bringt sich auch das Museum selbst ein: Mit dem jährlichen Ostereiermarkt am Karfreitag, an dem sorbische Ostereiermaler aus den Dörfern des Kirchspiels Schleife, aus Spreewitz, Sabrodt und Bad Muskau und natürlich aus Spremberg teilnehmen. Lange Jahre zeigten hier die sorbischen Volkskünstlerinnen Irmgard Kuhlee aus Groß Buckow, Dorothea Tschöke aus Sabrodt und Sigrid Bolduan aus Klein Loitz ihr Können.

Was es mit der bäuerlichen Hofanlage auf sich hat

An Besuchern mangelt es nicht, ebenso nicht am 3. Oktober beim Herbstfest in der bäuerlichen Hofanlage. Das Bauernhaus wurde aus Groß Buckow umgesetzt, es ist ein Wohn-/Stallhaus, für Museumsbesucher jederzeit geöffnet. Natürlich auch am 3. Oktober – dann werden unter anderem wendische Bräuche gezeigt. Mit dabei sind die Spinngruppe des Kulturbundes, die Mitglieder der Domowina-Ortsgruppe Spremberg und die Blasmusik.

Blaudruckwerkstatt ist ein Unikat

Eine absolute Rarität ist die nachgestaltete Blaudruckwerkstatt. Entdeckt wurde sie nach der Wende im Hinterhof der Stadtapotheke in der Langen Straße. Im Museum ist ihr ein ganzer Raum gewidmet. Ihre Entstehung vermutet man im 19. Jahrhundert. Damals gingen viele Sprembergerinnen in der Tracht und die Blaudruckwerkstatt versorgte die Wenden mit den typischen Blaudruckmustern. Alle ausgestellten Gegenstände sind Originalfunde.

Wie der Bergbau das wendische Leben veränderte

Dem Tagebau Welzow-Süd fielen zwischen 1968 bis 1989 elf einst wendische Dörfer zum Opfer. Das erste war Gosda, das letzte Wolkenberg. Später folgte Haidemühl – auf Wunsch der Bewohner. Abgebaggert wurde der gesamte ehemalige Westkreis von Spremberg. Daran erinnert viel im Niederlausitzer Heidemuseum. Der Abriss der Kirchen von Stradow, Groß Buckow und Wolkenberg wurde museal und archäologisch durch die Mitarbeiter des damaligen Heimatmuseums Spremberg begleitet, Erhaltenswertes gesichert. Auf den Dachböden der verlassenen Häuser fand man wendische und deutsche Schul- und Gesangbücher. Für die Bewohner, die vertrieben wurden, hatten sie keine Bedeutung mehr. Mit dem Verschwinden der Kirchen und der Schließung der Dorfschulen hat sie keiner mehr gebraucht. Heute sind sie echte Hingucker für die Museumsbesucher. Begleitet hat die Devastierung auch Irmgard Kuhlee. Es ist ihr bemerkenswertes Verdienst, markante Gebäude mit ihren Bildern der Nachwelt erhalten zu haben. Sie malte die Kirchen von Stradow und Groß Buckow und Dorfansichten, die es in natura heute nicht mehr gibt. Gleichzeitig malte sie den voranschreitenden Tagebau. Das Wechselspiel der Geschichte ist auf diese Weise künstlerisch einmalig erhalten.

Brauchtums-Bewahrung bis in die heutige Zeit

Das Niederlausitzer Heidemuseum verwahrt heute einen großen Nachlass von Irmgard Kuhlee und Sigrid Bolduan. Die Werke wurden schon zu Lebzeiten der sorbischen Volkskünstlerinnen durch das Museum von ihnen erworben. Erinnerungen und Dokumentationen über weitere wendische Persönlichkeiten Sprembergs sind ebenfalls im Museumsbesitz. So über die ersten Heidemusikanten Max Adolph und Bruno Marx aus den 1970er Jahren. Sie musizierten mit weiteren Musikanten in wechselnder Besetzung. Auch an Dr. Kurt Karnauke, Arzt, Musiker und Komponist, wird erinnert.

Besucherzahlen sprechen für sich

Insgesamt ist die Dauerausstellung zum wendischen Leben sehr sehenswert. Das bestätigen die Besucherzahlen im letzten Jahr, die coronabedingt weit über dem Durchschnitt lagen. Ansonsten kommen jährlich zwischen 6.000 und 8.000 Besucher. „Damit liegen wir mit gleichen Museen in der Lausitz auf einer Linie“, sagte Egbert Kwast, Leiter des Niederlausitzer Heidemuseums.

Niederlausitzer Heimatmuseum: Schloss Spremberg, Schlossbezirk 3: Derzeit ist das Museum geschlossen. Die Sonderausstellung „100 Jahre Kanu in Spremberg“ wird bis nach der Wiedereröffnung vorgehalten.

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