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Wenn das Lausitzbad zum Unterrichtsraum wird

Die Schulen sind seit Wochen geschlossen. Hoyerswerdas Freizeitoase reagiert flexibel. Das gefällt den Berufsschülern.

Jana, Hannibal und Steffi (von links nach rechts) fühlen sich derzeit auch in der theoretischen Ausbildung im Lausitzbad sehr wohl. Die Kulisse im Hintergrund verleiht dem „Unterrichtsraum“ besonderes Flair. Der Löwe an der Mittelsäule hat die Ober
Jana, Hannibal und Steffi (von links nach rechts) fühlen sich derzeit auch in der theoretischen Ausbildung im Lausitzbad sehr wohl. Die Kulisse im Hintergrund verleiht dem „Unterrichtsraum“ besonderes Flair. Der Löwe an der Mittelsäule hat die Ober © Foto: Silke Richter

Von Silke Richter

Hoyerswerda. Geruch von Desinfektionsmitteln liegt in der Luft. Das Hoyerswerdaer Lausitzbad am Festplatz am Gondelteich hat zwar geschlossen, aber hinter den Türen wird dennoch gearbeitet – und gelernt. Dort, wo sonst Besucher in bequemen Liegestühlen entspannen, sitzen Jana, Hannibal und Steffi und lösen konzentriert ihre Aufgaben. Mit 1,50 Metern Sicherheitsabstand. Die drei aufgestellten Tische und Stühle erinnern an einen Mini-Klassenraum. Ein längst gewohntes Bild in Zeiten von Corona. Wenngleich die Bad-Kulisse mit Schulcharakter schon extravagant anmutet.

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Hoyerswerda statt Chemnitz

Die drei Auszubildenden hätten zu jenem Zeitpunkt eigentlich Unterricht in ihrer Berufsschule in Chemnitz, die aber, wie andere Einrichtungen, seit Wochen geschlossen ist. „Also haben wir flexibel reagiert und die Azubis bekommen ihre theoretischen Aufgaben für den Schulunterricht direkt bei uns im Lausitzbad“, erläutert Matthias Brauer, der Geschäftsführer des Lausitzbades. Freilich gibt es hier keine Schulglocke, und der „Unterricht“ gestaltet sich etwas freier als in der Schule. Aber Struktur, Rhythmus und Ansprechpartner vor Ort geben den zukünftigen Fachangestellten für Bäderbetriebe einen festen Rahmen, der in ihrem Alltag für Sicherheit sorgt. All das macht es dem Nachwuchs viel leichter, sich täglich den neuen Herausforderungen des Alltags anzupassen und sich für diesen Rhythmus auch disziplinieren zu können. Gute Voraussetzungen, die für alle Auszubildenden in der SWH-Unternehmensgruppe (Städtische Wirtschaftsbetriebe Hoyerswerda), zu der das Lausitzbad gehört, geschaffen worden sind.

Für Hannibal Hafermann sind der gegenseitige Erfahrungsaustausch und das regelmäßige Treffen sehr wichtig geworden. Der 18-Jährige aus Hoyerswerda hat sich ganz bewusst für eine Ausbildung im Lausitzbad entschieden. Ähnlich ist es bei Steffi Hefter aus Wittichenau, die sich bei der Wahl ihres Berufes keine Büroarbeit, wohl aber den täglichen Umgang mit Menschen und dem Element Wasser sehr gut vorstellen konnte. Am Lausitzbad schätzt die junge Frau vor allem das sehr gute Arbeitsklima und die vielfältigen Aufgabengebiete. Angefangen von Kursbegleitungen, Schwimmtraining und Beckenaufsicht sowie bei Einsätzen als Tröster, Tränentrockner, Motivator und Animator, beinhalte der Alltag sehr viel Abwechslung. Auch für Jana Madysa ist der angestrebte Beruf mit sehr viel Leidenschaft verbunden. Die 16-Jährige aus Wittichenau engagiert sich bei der Wasserwacht in Kamenz und hat bereits eine Ausbildung zur Rettungsschwimmerin absolviert. Die Ausbildung im Lausitzbad ist für die drei Berufsschüler auch eine gelebte Verbindung zu ihrer Heimatregion. Sabine Littwin freut sich über das Engagement des Nahwuchses. „Wir haben mit den Auszubildenden einen guten Griff getan. Sie interessieren sich für den Beruf sehr und sind engagiert“, ist die Lausitzbad-Mitarbeiterin begeistert.

Der Herd bleibt nicht kalt

Natürlich wird im Lausitzbad auch gekocht. Hier kommen nämlich nur frisch zubereitete Speisen auf die Teller der Besucher. Die Speisekarte offenbart regionale Vielfalt und lässt auch Feinschmecker bei kulinarischen „Weltreisen“ auf ihre Kosten kommen. Gastronomieleiter Marko Böhme kennt die unterschiedlichen Vorlieben der Gäste. So ist Imbiss für zwischendurch genauso gefragt wie üppiger ausfallende Tellergerichte. Der Herd bleibt auch während der momentanen Schließzeit nicht kalt; geht es doch für beiden Auszubildenden Isabell und Tobias regulär mit dem Lernen weiter. Im Lausitzbad kann man nämlich (auch) das Kochen unter professioneller Anleitung erlernen.

Auf dem Weg zum Küchenchef

Es duftet jetzt nach aromatischer Sauce und fein gewürztem Hackfleisch. Dazu wird es Spaghetti geben. Für das italienische Pasta-Gericht ist Tobias verantwortlich. Der Azubi schätzt im Lausitzbad vor allem das Miteinander im Team. Seine Ausbildung zum Koch sieht der Berufsschüler als Sprungbrett. Sein erklärtes späteres Ziel: Küchenchef! Ausbilder Marko Böhme weiß, dass die Ausbildung im Lausitzbad alle nötigen Voraussetzungen dafür schafft. Eine solide Basis. Verschiedene Menüs und auch Buffets, bei denen Kreativität und Kochkünste unter Beweis gestellt werden können, sind vor allem zu besonderen Anlässen wie Silvesterpartys gefragt und bei den Besuchern sehr beliebt.

In diesem Schuljahr hat das Lausitzbad erstmals insgesamt fünf Auszubildende im Badewesen und im Gastronomiebereich. Und es sollen laut Matthias Brauer sogar noch mehr werden. „Wir brauchen immer Nachwuchs. Auch wegen des bevorstehenden Umbaus – und weil zwei Mitarbeiter demnächst in Rente gehen. Wir freuen uns auf Bewerbungen“, so der Lausitzbad-Chef.

Azubi Tobias (vorn) und Gastro-Leiter Marko Böhme sind in der Küche damit beschäftigt, Spaghetti Bolognese herzustellen. Die norditalienische Spezialität mit ihrer Hackfleisch-Sauce gehört zum Repertoire eines jeden künftigen Küchenchefs.
Azubi Tobias (vorn) und Gastro-Leiter Marko Böhme sind in der Küche damit beschäftigt, Spaghetti Bolognese herzustellen. Die norditalienische Spezialität mit ihrer Hackfleisch-Sauce gehört zum Repertoire eines jeden künftigen Küchenchefs. © Foto: Silke Richter

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