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Wenn die Krebserkrankung Motor des Lebens wird

Die Hoyerswerdaerin Heike Heer kämpft – jetzt erst recht, und mit Mitteln über die Schulmedizin hinaus.

Für Heike Heer ist die Diagnose Krebs ein Antrieb für das Weiterleben. Aufgeben ist keine Option. Lebenslust statt Lebensfrust!
Für Heike Heer ist die Diagnose Krebs ein Antrieb für das Weiterleben. Aufgeben ist keine Option. Lebenslust statt Lebensfrust! © Foto: Silke Richter

Von Silke Richter

Hoyerswerda. Heike Heer hat Brustkrebs. Nach der erschütternden Diagnose folgten bei der alleinerziehenden Mutter von zwei Kindern Angst, Unsicherheit und Zweifel, die mittlerweile von Mut und Kampfgeist abgelöst wurden. Die 37-jährige möchte gesund werden und bleiben. Aber nicht nur mit Hilfe der Schulmedizin. Dafür sucht die Hoyerswerdaerin Unterstützung. Wir sprachen mit ihr über Gewissheiten, Möglichkeiten und Hoffnungen.

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Frau Heer – wann haben Sie gespürt, dass in Ihrem Körper etwas nicht stimmt?

Ich habe schon vor zwei Jahren bemerkt, dass sich mein Brustgewebe verändert hat. Zu diesem Zeitpunkt habe ich es aber als übliche Knoten während meines Zyklus’ abgetan. Da bei Routine-Untersuchungen aber nichts bemerkt wurde, nahm ich an, es wäre alles okay. Erst vor ein paar Wochen habe ich einen fast zwei Zentimeter großen Knoten entdeckt und war dann richtig beunruhigt.

Der schnelle Gang zum Arzt war nun vonnöten. Hat es mit der Terminvergabe gut funktioniert?

Der Termin bei meiner Frauenärztin war recht zügig gemacht. Die Termine für die vorgeschlagenen Folgeuntersuchungen zogen sich allerdings. Nur in einer Kamenzer Radiologie bekam ich schneller Termine für Mammografie und Sonografie. Zwei Wochen später hatte ich dann die ersten Befunde in der Hand.

Die Diagnose war ein Schock!

Richtig. Nach den ersten Untersuchungen bekam ich einen Anruf, um einen Termin für die Auswertung zu vereinbaren. Ich dachte dabei noch „ach ... alles ok“ und hab mich innerlich schon beruhigt. Danach klärte mich der behandelnde Oberarzt mit dem Satz auf: „Anders als erwartet, ist es kein gutartiger Befund.“ Es ist bösartig! Meine Gefühle fuhren Achterbahn. Mein Puls raste, das Blut pulsierte ...

Was haben Sie da gedacht?

Ich dachte nur: „Mist, ich hatte noch so viel vor ...“ Der Arzt redete immer weiter, aber ich hörte ihm gar nicht mehr zu. Irgendwann fiel das Wort „Chemo“ – und da war ich ganz raus. Natürlich hat man versucht, mich da aufzufangen und mich ermuntert, positiv zu bleiben. Nur ist dies während und nach einer solchen Botschaft irrwitzig zu glauben, das Ruder zu angenehmen Gedanken noch mal herumreißen zu können. Wenn ich die Gefühle aus diesem Augenblick beschreiben müsste, würde ich es als eine Schleife aus Angst, Hilflosigkeit und Panik beschreiben. Als wenn Du etwas angestellt hast und jetzt dafür die Quittung bekommst. Jedes Wort, welches dann folgt, ist sinnfrei. „Krebs und positiv denken“ – für den Kopf ist diese Konstellation einfach nur katastrophal.

Dann wartete Ihre Familie ...

Ich habe noch am gleichen Tag mit meinen Kindern, meiner Mutter und ihrem Partner geredet und mit einigen Freunden und Verwandten telefoniert. Der Schock und die Fragen waren bei allen groß. Die ersten Tage und Nächte waren gedanklicher Horror. Guter Wein machte die Situation etwas erträglicher. Eines meiner besten Mädels hat heute noch ein Problem, sich mit meiner Diagnose zu arrangieren. Verübeln kann ich es ihr nicht. Allerdings sehe ich den Befund Krebs mittlerweile eher als Motor, als Lehrer, als Herausforderung, wenn nicht sogar als größte Chance für meine Zukunft und die meiner Kinder.

Eine Chemotherapie aus der Schulmedizin kommt für Sie nicht in Frage. Warum nicht?

Jeder assoziiert mit Chemotherapie den Verlust von Haaren, Kraftlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Appetitverlust und weitere Einschränkungen. Es wird dann prinzipiell argumentiert, dass Haare ja nachwachsen und diese Zeit auch vorbei geht. Das ist für mich ein schlechter und dazu ungesunder Trost. Weil diese Art von Chemotherapie eine pure Chemiekeule ist. Ich vergleiche es mittlerweile gerne mit einem Rohrreiniger. Die Chemotherapie soll die entarteten Zellen, welche sich im Blutkreislauf verteilt haben, zerstören. Allerdings tut sie das auch mit gesunden Zellen, Bakterien und Mikroorganismen, die im Körper das Immunsystem bilden und das sich unter normalen Umständen auch wieder repariert. Aber was passiert in der Zwischenzeit? Das Immunsystem wird so heftig drangsaliert, dass der Körper mehrere Baustellen zugleich bekommt. Natürlich verstehe ich das Ziel dahinter, aber nach fast achtzig Jahren Einsatz von Zytostatika sind die Nebenwirkungen immer noch die gleichen: Störungen im Verdauungstrakt, Schädigungen des Knochenmarks und Funktionsstörungen von Nieren, Gehirn, Nervensystem, Leber und Lunge ...

Es wird häufig argumentiert, dass die heutigen Chemotherapien sich sehr verbessert und mildere Nebenwirkungen haben sollen.

Natürlich. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass ich meinem Körper dies aus Vernunftgründen nicht antun möchte. Zudem hat eine Krankheit, so auch Krebs, immer eine Ursache. Nicht ein Arzt hat mich in der gesamten Anamnesezeit auf meine Ernährung oder meine Lebensumstände, wie zum Beispiel Stress oder meine innere Einstellung, angesprochen. Sollte dies aber unter dem Vorwand der Heilung nicht schon das Erste sein, alle Ursachen zu erforschen und ganzheitlich anzusetzen? Es wird von eben jenen Medizinern nicht mit einbezogen, weil gar kein Interesse daran vorhanden ist. Das gehört meines Verständnisses nach aber als Erstes dazu, um gesunden zu können.

Auf welche Alternativbehandlungen setzen sie Ihre Hoffnungen – und wer hat Sie darauf gebracht?

Auf der Suche nach Lösungen für mein Problem, bin ich auf viele verschiedene Ansätze aus Schul- und Naturmedizin gestoßen. Dann berichtete mir eine Kundin, bei welcher im vergangenen Jahr während ihrer Schwangerschaft, die gleiche Krebsart festgestellt wurde, von sogenannter Immuntherapie. Genauer gesagt ist es die „Dendritische Zelltherapie“, deren Behandlung sich mehr als positiv auf ihre Gesundheit auswirkte. Also recherchierte ich das Für und Wider, telefonierte mit Behandlern und Ärzten, um Vorhaben, Behandlung und Kosten zu erfahren.

Wie funktioniert die Dendritische Zelltherapie?

Bei dieser Art von Therapie werden die körpereigenen Killer-Zellen so aktiviert, dass sie ihren Dienst gegen entartetes Gewebe wieder aufnehmen und eben nachweislich, aber nicht bei jeder Krebsart, Krebszellen abbauen und eine Heilung von innen heraus, also durch das eigene Immunsystem, wahrscheinlicher macht. Damit der Körper aber auch seine Arbeit tun kann, muss er gelassen sein und unterstützt werden. Deshalb kommen hierzu noch einige Therapiebausteine, wie Virotherapie, bei der ein gesonderter Virus zum Tumor geschleust wird, damit er für die Immunabwehr noch besser auffindbar ist. Des weiteren gehört unter anderem auch eine Ernährungsumstellung mit Supplementierung (gezielte ergänzende Aufnahme von Nährstoffen anstelle / zur Ergänzung der gewöhnlichen Nahrung ) dazu.

Wie geht es jetzt für Sie konkret weiter?

Als nächstes steht zuerst einmal die Entnahme des Tumors an. Damit gewinne ich etwas Zeit und plane weitere Schritte.

Aufgeben ist keine Option – was ist Ihr Motto, was macht Sie stark?

Warum auch? Wer aufgibt, hat schon verloren. Was mich stark macht, ist die Gewissheit, dass auch andere davon profitieren und ich mich dadurch weiterentwickeln kann. Erkannt zu haben, dass Ängste und Hemmungen nur in meinem Kopf sind, dass alles, worüber man sich sonst so den Kopf zerbrochen und angezweifelt hat, Belanglosigkeiten sind. Dass die Zeit wertvolles Gut ist und es sich nicht lohnt, sich wegen irgendetwas oder irgendwem schlecht zu fühlen.

Die Kosten für eine Dendritische Zelltherapie werden aber nicht von den Krankenkassen getragen.

Richtig. Weil es sich hier noch um Forschungsgebiet handelt. Die Mühlen in Deutschland mahlen diesbezüglich leider sehr langsam. Die Therapie kostet 55.000 Euro. Als alleinerziehende Mutter von zwei Kindern und Angestellte im technischen Kundenservice kann ich mir das finanziell nicht leisten. Ein Kredit kommt leider auch nicht infrage. Deshalb hatte ich die Idee, eine Spendensammelaktion ins Leben zu rufen. Mittlerweile sind schon fast 4.000 Euro zusammengekommen. Hier ein großes Dankeschön an alle, die mich so zahlreich unterstützen. Ihr seid echt toll.

Wer Heike Heer finanziell unterstützen möchte, kann dies über PayPal (eMail [email protected]); per Zahlung auf folgendes Bankkonto (Kontoinhaberin Heike Heer / Verwendungszweck: Spende Immuntherapie) DE29 5001 0517 5575 0592 50 (ING-DIBA) oder über folgenden Link tun: https://www.betterplace.me/und-ploetzlich-gehts-um-alles41

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