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Wenn Verzicht zum Gewinn wird

Fastenleiterin Dagmar Steuer hat rund 300 Menschen beim Fasten begleitet und spricht von Glücksgefühlen.

Dagmar Steuer (rechts) lebt ihre Philosophie einer gesunden Lebensweise nicht nur bei Fastenkuren, sondern auch bei der Marktschwärmerei und der Initiative „Eine Stadt pflanzt“ aus.
Dagmar Steuer (rechts) lebt ihre Philosophie einer gesunden Lebensweise nicht nur bei Fastenkuren, sondern auch bei der Marktschwärmerei und der Initiative „Eine Stadt pflanzt“ aus. © Foto: Silke Richter

Von Silke Richter

Hoyerswerda. Das Frühjahr nutzen viele Menschen, um zu fasten. Dagmar Steuer ist Yoga- und Fastenleiterin Initiatorin der Marktschwärmerei. Wir sprachen mit ihr über ihre Erfahrungen.

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Alles, was Menschen zu sich nehmen, landet irgendwann im Wasserkreislauf. Was das für die Zukunft bedeutet, wird an der TUD an einem eigenen Institut erforscht.

Wenn Sie das Wort Fasten mit nur drei Begriffen beschreiben sollten: Wie klingt das?

Reinigung, Regeneration, Glücksgefühle.

Viele Menschen assoziieren mit dem Wort Fasten aber auch unangenehme Dinge wie Hungern, Kopfschmerzen, Unleidlichkeit und Müdigkeit. Was ist da dran Frau Steuer?

Es ist viel schlimmer, mal einen Tag nichts zu essen, als es sieben bis zehn Tage zu tun. Das merkt man auch beim Fasten. Die ersten zwei Tage sind bei manchen Ungeübten etwas schwerer, es können oben genannte Fastenkrisen auftreten. Daher beginnen wir in meinen Fastenkursen samstags. So hat man zwei Tage zum Umstellen auf die Ernährung von innen, also den Fettstoffwechsel. Wenn diese funktioniert und der Darm leer ist, ist es nur eine Kopfsache. Es gibt kein Hungergefühl mehr und man kann alles wie gewohnt weitermachen. Also arbeiten gehen, Sport treiben, Haushalt erledigen… Dann stellt sich bei den meisten auch die sogenannte Fasteneuphorie ein, ein unbeschreibliches Glücksgefühl, welches mit Leichtigkeit und einem für die meisten erfreulichen Gewichtsverlust einhergeht. Ich empfehle beim ersten Fasten allerdings die kompetente Begleitung in Fastengruppen, denn es gibt so viel zu beachten, damit es ein Erfolg wird.

Wann ist die beste Zeit zum Fasten, wie lange sollte das Fasten dauern und was ist in dieser Zeit erlaubt bzw. nicht erwünscht?

Die beste Zeit ist das Frühjahr, wie in der Natur ist da unser Körper auf einen Neustart bestens vorbereitet. In meinen Anfangsjahren als Fastenleiter habe ich auch im Herbst eine Fastenkur angeboten, die Erfahrungen waren aber durchweg nicht so positiv, so dass ich es nicht mehr empfehle. Am Anfang reicht eine 7- tägige Fastenzeit, wobei einige es bei Wohlbefinden auch gern freiwillig auf zehn Tage ausdehnen. In dieser Zeit ist nur flüssige Nahrung erlaubt, also viel stilles Wasser, ab und zu ein Gemüsesaft oder eine selbst gekochte Gemüsebrühe ohne Salz, und viel Tee. Bei den Teesorten kann man auch viel Abwechslung wie mit dem sorbischen Gartenkräutertee hineinbringen. Beate Möller vom „Teeladen - Kräuter Meyer“ berät da gern.

Was passiert beim Fasten mit Körper und Geist?

Der Körper wird beim Fasten gereinigt, ganz speziell auch der Darm, der bei den meisten Menschen ein Ungleichgewicht der guten und schlechten Darmbakterien aufweist. Um dieses Gleichgewicht nach dem Fasten optimal aufzubauen, sind die sogenannten zwei bis drei Aufbautage ganz entscheidend. Natürlich wird das Fettgewebe reduziert und damit auch die in ihm gespeicherten Gift- und Schlacke-Stoffe. Diese müssen von der Leber abgebaut und dann ausgeschieden werden, daher ist viel Trinken das A und O. Übersäuerungen im Körper werden in der Fastenzeit ebenfalls abgebaut, da Tee und Gemüsesäfte basisch sind und die Säuren binden können. Danach fühlt man sich beweglicher, fitter und natürlich auch viel leichter. Meist funktioniert die Verdauung danach auch wieder viel besser. Der Geist kann sich während des Fastens, wenn ich mir Auszeiten nehme, ebenfalls gut regenerieren. Man ist viel wacher. Manche schon 4 Uhr morgens, die Sinne werden geschärft, man riecht und schmeckt viel intensiver, Lärm und Fernsehen werden störender empfunden, so dass man sich gern mal zurückzieht und Ruhe genießt. Es wird auch die Willenskraft gestärkt und es stellt sich dadurch ein Gefühl von Stolz ein. Die entstehenden Glücksgefühle wirken positiv auf die Psyche.

Wie oft fasten Sie selbst und wie halten Sie sich sonst gesund und fit?

Ich faste mittlerweile selbst seit 18 Jahren, meist einmal im Jahr, mit meinen Fastengruppen gemeinsam. In dieser Zeit habe ich mehr als 300 Fastenteilnehmer auf ihrem Weg begleitet und manche wünschen sich immer wieder die Gruppe, während andere dann auch allein weiter fasten. Viele meiner Teilnehmer praktizieren, so wie ich, regelmäßig Yoga und bewegen sich viel. Natürlich ist das Fasten auch ein Einstieg in eine gesündere Ernährung. Mein Motto „So frisch, so regional und saisonal wie möglich“. Industrialisierte Nahrungsmittel aus der Ernährung zu streichen, ist aus meiner Sicht ein erster Schritt. Bei vielen haben sich nach dem Fasten die Ernährungsgewohnheiten entscheidend verbessert, denn der Ausstieg aus schlechten Ernährungsgewohnheiten fällt durch das Fasten leichter. Es ist, als ob man beim Computer den Reset-Knopf drückt. Wer dieses Wohlbefinden und diese Energie spürt, möchte sie in der Regel nicht mehr missen.

Apropos gesunde Ernährung: Sie sind auch Initiatorin der lokalen Marktschwärmerei.

Genau vor einem Jahr, als wir alle im ersten Lockdown waren und meine ersten Fastenkuren für Teilnehmer beendet waren, habe ich die Zeit genutzt und die Hoyerswerdaer Marktschwärmerei aufgebaut. Was so leicht klingt, war wirkliche Schwerstarbeit, aber ich hatte ja viel Energie nach dem Fasten und viel Zeit, da meine Yoga- Kurse auch nicht stattfinden konnten. Also habe ich meine Ernährungsempfehlung in die Tat umgesetzt. Es freut mich besonders, dass auch viele ehemalige Fastenteilnehmer zu den Stammkunden zählen und das Angebot schätzen. Mittlerweile sind wir von neunzehn schon auf über dreißig regionale Erzeuger angewachsen und mein großes Ziel ist es, einen regionalen Supermarkt aufzubauen, der neben dem Onlineverkauf auch stationär geöffnet hat. Außerdem gibt es Ideen, die regionalen Krabatprodukte zu bündeln und einen Krabatmarkt aufzubauen, sowohl als kulturellen Marktplatz als auch online bei den Marktschwärmern. Es gibt so viele tolle Ideen, und ich freue mich, dass wir mit der jetzigen Stadtverwaltung, der Wirtschaftsförderung, der Familienregion HY und anderen Institutionen wie KulturFabrik und dem Lautech tolle Partner haben, die das Vorhaben unterstützen.

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